Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Rhodochrosit Lexikon · Entstehung & Mineralogie

Rhodochrosit – Entstehung & Mineralogie

Rhodochrosit

Hydrothermale Gänge und Manganlagerstätten

Rhodochrosit entsteht überwiegend in hydrothermalen Erzgängen, oft zusammen mit Silber-, Blei- und Zinkmineralen. In der Sweet Home Mine in Colorado saßen die Kristalle in Gangspalten, die ein granitischer Untergrund durchzieht, gemeinsam mit Quarz, Fluorit, Pyrit, Tetraedrit und Sphalerit. Die zweite wichtige Bildungsart ist metamorph: In umgewandelten manganreichen Sedimenten tritt Rhodochrosit zusammen mit Rhodonit, Granat, Spessartin und Manganoxiden auf. Drittens kommt er sedimentär und in Karbonatiten vor. Für die Farbe entscheidend ist, dass Mangan in dieser Umgebung zweiwertig bleibt; unter oxidierenden Bedingungen wandelt es sich in schwarze Manganoxide um, weshalb verwitterte Rhodochrosite außen dunkel anlaufen. Typische Begleiter sind Kalzit, Siderit, Dolomit, Fluorit, Baryt und Quarz. Diese Paragenese ist gleichzeitig das Erkennungsmerkmal der Lagerstätte: Sweet-Home-Stufen zeigen fast immer Quarz und Fluorit, argentinische Ware dagegen Kupfermineralien und Karbonate.

Wie die argentinische Bänderung entsteht

Der gebänderte Rhodochrosit von Capillitas ist ein Sonderfall. Er hat sich nicht als Kristall in einem Gang gebildet, sondern als Tropfstein in Hohlräumen. Die polymetallische Lagerstätte entstand vor etwa sieben Millionen Jahren, als vulkanische Aktivität paläozoischen Granit durchschlug und metallreiche hydrothermale Lösungen in Spalten drückte; 19 Gänge sind bekannt. In späteren, kühleren Phasen sickerten manganhaltige Lösungen in Hohlräume und schieden dort Schicht für Schicht Karbonat ab, genau wie Kalk in einer Tropfsteinhöhle. So entstanden Stalaktiten und Stalagmiten aus Rhodochrosit. Schneidet man sie quer, erscheinen konzentrische Ringe, bis zu zwanzig pro Stück. Die Farbunterschiede zwischen den Lagen gehen auf schwankende Mangan- und Kalziumgehalte während der Abscheidung zurück. 1986 sprengten Bergleute in ein zusammenhängendes Höhlensystem mit Tropfsteinen von bis zu anderthalb Metern Länge und dreißig Zentimetern Durchmesser.

Kristallchemie und Erstbeschreibung

Rhodochrosit ist Mangankarbonat, MnCO3, und gehört zur Kalzitgruppe. Er kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R-3c, meist in Rhomboedern und Skalenoedern, häufiger aber derb, traubig, nierig oder stalaktitisch. In der Struktur wechseln Lagen aus Manganionen mit Lagen aus Karbonatgruppen. Weil das Manganion ähnlich groß ist wie Eisen, Kalzium, Magnesium und Zink, bildet Rhodochrosit lückenlose bis teilweise Mischkristallreihen mit Siderit, Kalzit, Magnesit und Smithsonit. Genau diese Mischbarkeit erklärt die Farbunterschiede im Handel: Je mehr Eisen eingebaut ist, desto brauner der Stein, je mehr Kalzium und Magnesium, desto blasser das Rosa. Die schichtweise Struktur der Kalzitgruppe ist zugleich die Ursache der vollkommenen rhomboedrischen Spaltbarkeit. Beschrieben wurde das Mineral 1813 durch Johann Friedrich Ludwig Hausmann; Typlokalität ist Cavnic, früher Kapnik, in Maramures in Rumänien.

Häufige Fragen

Warum ist argentinischer Rhodochrosit gebändert und amerikanischer nicht?
Weil die beiden auf verschiedene Weise gewachsen sind. In Colorado kristallisierte Rhodochrosit frei in offenen Gangspalten und konnte dort Rhomboeder und Skalenoeder bilden, also klar begrenzte Einzelkristalle. In Capillitas dagegen schieden kühle, manganhaltige Lösungen das Karbonat lagenweise an Höhlendecken und -wänden ab, exakt wie Kalk in einer Tropfsteinhöhle. Diese Abscheidung erfolgt in dünnen, aufeinanderfolgenden Schichten, deren Zusammensetzung leicht schwankt. Beim Querschnitt durch einen solchen Stalaktiten treten die Schichten als konzentrische Ringe hervor. Beide Varianten sind chemisch dasselbe Mineral.
Welche Minerale begleiten Rhodochrosit?
In hydrothermalen Gängen sind es Kalzit, Siderit, Dolomit, Fluorit, Baryt, Quarz, Pyrit, Tetraedrit und Sphalerit. Die berühmten Sweet-Home-Stufen zeigen fast immer die Kombination aus rotem Rhodochrosit-Rhomboeder, klarem Quarz und violettem oder grünem Fluorit; sie ist ein Provenienzhinweis. In metamorphen Manganlagerstätten treten Rhodonit, Spessartin und Manganoxide dazu. Die schwarzen Krusten, die man auf verwittertem Material sieht, sind ebenfalls Manganoxide, entstanden durch Oxidation des zweiwertigen Mangans. Bei argentinischem Bändermaterial finden sich Kupferminerale und weitere Karbonate aus derselben polymetallischen Lagerstätte.
Wer hat Rhodochrosit zuerst beschrieben?
Die Erstbeschreibung stammt von 1813 und geht auf den deutschen Mineralogen Johann Friedrich Ludwig Hausmann zurück. Typlokalität ist Cavnic, ungarisch Kapnikbánya, im Kreis Maramures in Rumänien, damals ein bedeutendes Bergbaurevier für Blei-, Zink- und Silbererze. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern rodon für Rose und chrosis für Färbung zusammen. Im deutschen Sprachraum liefen lange die älteren Namen Himbeerspat, Manganspat und Dialogit um; sie sind heute nicht mehr gültig, begegnen Ihnen aber noch in alten Sammlungsetiketten und auf Mineralienbörsen.