Rhodochrosit ist reines Mangankarbonat und eines der wenigen Minerale, die ein sattes Himbeerrot aus sich selbst heraus erzeugen. Der Handel kennt ihn in zwei völlig verschiedenen Gestalten: als seltenen facettierbaren Kristall aus Colorado und als rosa-weiß gebänderten Schmuckstein aus Argentinien.
Rhodochrosit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Karbonate, Kalzitgruppe (Strunz 5.AB.05) |
| Chemische Formel | MnCO3, mit Mischkristallbildung zu Eisen, Kalzium, Magnesium und Zink |
| Kristallsystem | trigonal, Raumgruppe R-3c; rhomboedrische und skalenoedrische Kristalle, häufiger derb, traubig und stalaktitisch |
| Mohs-Härte | 3,5 bis 4 |
| Dichte | 3,70 g/cm³ für reines Material; Bänderware mit Fremdanteilen 3,3 bis 3,7 g/cm³ |
| Brechungsindex | ne 1,597, nw 1,810 bis 1,816 |
| Doppelbrechung | 0,213 bis 0,220, optisch einachsig negativ; sehr hoch, daher deutliche Doppelbilder der Hinterfacetten |
| Glanz | Glasglanz, auf Aggregaten und Spaltflächen perlmuttartig |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach dem Rhomboeder {10-11}, Absonderung nach {01-12} |
| Bruch | uneben bis muschelig, spröde |
| Transparenz | durchsichtig bis undurchsichtig, meist durchscheinend |
| Farben | Rosa, Himbeerrot, Kirschrot, Rosarot, daneben gelblichgrau, bräunlich und zimtbraun |
| Wichtigste Fundorte | Sweet Home Mine bei Alma, Park County, Colorado (USA); Capillitas bei Andalgalá, Catamarca (Argentinien); N'Chwaning und Wessels im Kalahari-Manganfeld (Südafrika); Cavnic, Maramures (Rumänien, Typlokalität); Peru |
| Behandlungen | üblich sind Harzstabilisierung und Wachsen poröser Bänderware sowie verklebte Dubletten; gefärbter Marmor und Kunststoff als Imitat |
| Erstbeschreibung | 1813 durch Johann Friedrich Ludwig Hausmann; Name aus dem Griechischen rodon für Rose und chrosis für Färbung |
Zwei Steine unter einem Namen
Wenn im Handel von Rhodochrosit die Rede ist, sind fast immer zwei sehr verschiedene Materialien gemeint. Das erste ist der facettierbare Kristall, wie ihn vor allem die Sweet Home Mine in Colorado geliefert hat: durchsichtig, himbeer- bis kirschrot, chemisch außergewöhnlich rein mit weniger als einem Prozent Eisen, Magnesium und Kalzium. Das zweite ist der gebänderte Rhodochrosit aus Capillitas in der argentinischen Provinz Catamarca, im spanischen Sprachraum Rosa del Inca genannt. Dieses Material ist undurchsichtig, zeigt konzentrische rosa-weiße Ringe und wird zu Cabochons, Scheiben und Objekten verarbeitet. Beide bestehen aus Mangankarbonat, MnCO3, und teilen Härte, Spaltbarkeit und Empfindlichkeit. Sie unterscheiden sich aber um mehr als zwei Zehnerpotenzen im Preis. Wenn Sie Rhodochrosit kaufen, sollten Sie deshalb immer zuerst klären, welche der beiden Warengruppen gemeint ist. Der Name allein sagt darüber nichts aus.
Warum facettierter Rhodochrosit eine Rarität bleibt
Drei Eigenschaften machen das Facettieren zur Ausnahme. Erstens die vollkommene Spaltbarkeit nach dem Rhomboeder: Der Kristall lässt sich in drei Richtungen mühelos teilen, und jede Facettenkante kann beim Schleifen ausbrechen. Zweitens die geringe Härte von nur 3,5 bis 4. Das ist weicher als eine Kupfermünze im Verhältnis zu Quarz, der als Staub überall vorkommt. Drittens die Sprödigkeit und die Empfindlichkeit gegenüber Wärme und Säure, die schon beim Aufdopen und beim Polieren zum Problem werden. Hinzu kommt, dass wirklich durchsichtige Zonen in einem Kristall meist klein sind. Facettierte Rhodochrosite bleiben deshalb überwiegend unter fünf Karat; alles darüber ist Sammlerware. Das Ergebnis ist ein Stein, den Sie bewundern, aber kaum tragen können. Er gehört in die Vitrine oder in einen Anhänger, der geschont wird, nicht in einen Ring für jeden Tag.
Preise: von wenigen Euro bis zu mehreren Hundert je Karat
Die Preisspanne beim Rhodochrosit ist außergewöhnlich weit. Gebänderte Ware aus Capillitas kostet als Trommelstein oder einfacher Cabochon etwa 1 bis 3 Euro je Karat, umgerechnet rund 2 bis 7 Euro je Gramm. Kontrastreiche, dichte Bänderware mit sauberer Politur erreicht etwa 5 bis 22 Euro je Karat. Facettierte Steine spielen in einer anderen Liga: Hellrosa transparentes Material liegt bei rund 180 bis 230 Euro je Karat, ein klares Mittelrot bei etwa 300 bis 330 Euro je Karat, und die begehrte rotorange Spitzenfarbe bei rund 350 bis 420 Euro je Karat. Kristallstufen für Sammler beginnen bei etwa 45 Euro und reichen bis rund 900 Euro; für herausragende Sweet-Home-Stufen wurden bei Auktionen Schätzungen von 9.000 bis 18.000 Euro angesetzt. Preistreiber ist an erster Stelle die Farbe, gefolgt von Transparenz und Reinheit; die Größe kommt erst danach.
Das Ende der Sweet Home Mine
Die Sweet Home Mine bei Alma in Park County, Colorado, begann in den 1870er Jahren als Silbergrube und war als solche nie erfolgreich. Berühmt wurde sie erst in den 1990er Jahren, als gezielt auf Rhodochrosit abgebaut wurde. Aus dieser Zeit stammen die bekanntesten Stufen überhaupt, darunter der 1992 gefundene Alma King, ein etwa fußballgroßer rubinroter Kristall, der heute im Denver Museum of Nature and Science steht. 2002 wurde Rhodochrosit zum Staatsmineral von Colorado erklärt. Der Abbau lief nach 2004 nur noch eingeschränkt weiter und wurde am 3. September 2024 endgültig eingestellt; die letzte Ausrüstung verließ die Grube kurz zuvor. Fachleute rechnen nicht damit, dass aus diesem Gebiet noch nennenswertes Material nachkommt. Für den Markt bedeutet das: Was an Sweet-Home-Ware im Umlauf ist, stammt aus Altbeständen. Bei dieser Herkunft sollten Sie auf eine nachvollziehbare Provenienz achten.
Alle Themen im Überblick
Kurz gefasst
Kaufen Sie Rhodochrosit nach Verwendungszweck, nicht nach Namen. Für Schmuck, den Sie tragen möchten, ist argentinische Bänderware aus Capillitas die richtige Wahl: dekorativ, gut verfügbar und für wenige Euro je Karat zu haben. Achten Sie dort auf kräftigen Kontrast zwischen Rot und Weiß, geschlossene Politur und ehrliche Angaben zu Harzstabilisierung. Facettierte Steine aus Colorado sind Sammlerstücke. Sie sind wunderschön und wegen der endgültigen Schließung der Sweet Home Mine 2024 nicht mehr nachlieferbar, aber mit Härte 3,5 bis 4 und vollkommener Spaltbarkeit kein Material für Alltagsschmuck.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Rhodochrosit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
