Die Spaltfläche nach {001} bestimmt jeden Arbeitsschritt
Petalit besitzt eine vollkommene Spaltbarkeit nach {001} und eine undeutliche nach {201}; die beiden Richtungen schließen 38,5 Grad ein. Vollkommen heißt: Das Material trennt sich entlang dieser Ebene glatt und ohne Vorwarnung, und zwar unabhängig davon, wie hart es ist. Dazu kommt eine ausdrücklich als gering eingestufte Zähigkeit und eine spröde Tenazität. Die IGS führt genau darauf zurück, dass facettierte Petalite selten zu sehen sind. Praktisch bedeutet das: Der Schleifer muss den Rohstein so orientieren, dass die Spaltebene möglichst flach zur Tafel liegt und keine Facettenkante parallel dazu ausläuft, weil sonst schon der Druck der Schleifscheibe ausreicht, um einen Splitter abzuheben. Jeder Arbeitsgang, vom Absägen über das Aufkitten bis zum Polieren, muss den Druck gering halten. Das treibt den Zeitaufwand und ist der eigentliche Grund für den hohen Ausschuss.
Welche Schliffe sich durchgesetzt haben
Im Angebot dominieren ruhige, flächige Formen: Oval, Kissen, Tropfen, Trilliant, Smaragdschliff und Rund, meist als große Einzelsteine zwischen fünf und zwölf Karat. Das hat zwei Gründe. Zum einen ist der Brechungsindex mit rund 1,51 niedrig, sodass ein kleiner Stein kaum Lebendigkeit entwickelt; Größe ersetzt hier Brillanz. Zum anderen verteilen große, flache Facetten den Bearbeitungsdruck besser als viele kleine. Der Treppenschliff, etwa der Smaragdschliff, passt deshalb gut zu Petalit, weil er mit wenigen langen Schnitten auskommt und die Spaltrichtung leichter kontrollieren lässt. Trübes und faseriges Material geht in den Cabochon, wo auch der schwache Katzenaugeneffekt erst sichtbar wird. Die IGS nennt als übliche Größenordnung ein bis zehn Karat für geschliffene Steine, bei Rohware meist bis etwa 20, gelegentlich bis 50 Karat.
Ausbeute, Politur und die Grenzen der Nacharbeit
Belastbare Ausbeutezahlen für Petalit veröffentlicht keine der ausgewerteten Quellen; wir nennen deshalb keine. Was sich aus den Materialdaten ableiten lässt: Bei Rohsteinen von typischerweise 20 Karat und Fertigsteinen von fünf bis zwölf Karat liegt die Ausbeute im üblichen Bereich spaltempfindlicher Steine, sofern der Rohstein sauber orientiert war, und bricht andernfalls vollständig weg. Zur Politur selbst liegen uns keine konkreten Angaben zu Scheiben und Poliermitteln vor. Zur Wärmebehandlung ist mineralogisch belegt, dass sich Petalit bei etwa 500 Grad Celsius und 3 Kilobar in Spodumen und Quarz umwandelt; das sind geologische Bedingungen, keine Werkstattbedingungen, und eine konkrete Temperaturgrenze für das Fassen ist in den Quellen nicht genannt. Wir empfehlen dennoch, Petalit grundsätzlich vor jeder Lötarbeit auszufassen. Für Käufer ist der hohe Ausschuss durchaus relevant: Er erklärt, warum im Handel fast nur große Steine ab fünf Karat angeboten werden. Wer einen Rohstein riskiert, will daraus einen Stein gewinnen, der den Aufwand trägt.
