Utö: Typlokalität und 730 Jahre Bergbau
Die Insel Utö im Stockholmer Schärengarten, Gemeinde Haninge, ist die Typlokalität. Dort wurde ab etwa 1150 Eisenerz gewonnen; 1607 stammt die erste schriftliche Erwähnung, 1624 waren neun Gruben in Betrieb, 1719 zerstörten russische Truppen Gruben, Häuser, Saatgut und Vieh, 1879 endete der Abbau. Das skarnartige Erz enthält neben Eisen auch Lithium und etwas Silber, und in den lithiumführenden Partien saß der Petalit, den José Bonifácio de Andrada e Silva im Januar 1800 beschrieb und an dem Arfwedson 1817 das Lithium fand. Heute sind die Gruben aufgelassen und mit Grundwasser gefüllt; die Pingen bilden langgestreckte Seen. Utö liefert kein Schleifmaterial mehr, bleibt aber mineralogisch bedeutend: Vier Minerale wurden hier erstbeschrieben, darunter neben Petalit auch Spodumen und 1913 der Holmquistit. Schwedische Cabochonware im Handel stammt aus Altbeständen und anderen schwedischen Vorkommen.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Utö, Gemeinde Haninge | Schweden | Typlokalität; Erstbeschreibung 1800, Lithiumentdeckung 1817, Bergbau 1150 bis 1879 |
| Varuträsk, Ultevis, Järkvissle, Västanå | Schweden | weitere schwedische Fundpunkte; Quelle des trüben Cabochonmaterials im Handel |
| Araçuaí, Minas Gerais, und Bahia | Brasilien | wichtigste Quelle heutiger Edelsteinqualität; Kristalle um 10 cm |
| Paprok, Nuristan, und Provinz Laghman | Afghanistan | Kristalle bis etwa 20 cm; GIA dokumentierte 2009 einen 14,98-Karäter aus Laghman |
| Karibib | Namibia | Herkunft des mit 55 ct größten in der Literatur genannten geschliffenen Steins |
| Bikita | Simbabwe | größter Bergbaubetrieb auf Petalit; reines Erzgeschäft, kein Schleifmaterial |
| San Piero in Campo, Elba | Italien | klassischer Fundort; gemeinsam mit Pollucit, daher die Namen Kastor und Pollux |
| Londonderry und Kalgoorlie | Australien | historische Vorkommen Westaustraliens; 14,8-ct-Stein in der Devonian Group |
Woher die Schleifware heute kommt
Für facettierfähiges Material zählen vor allem drei Regionen. Brasilien liefert nach Einschätzung eines gemmologischen Labors derzeit den größten Teil der Edelsteinqualität, konkret aus Araçuaí in Minas Gerais sowie aus Bahia; Kristalle von rund 10 Zentimetern Durchmesser sind dokumentiert. Afghanistan folgt mit Paprok in der Provinz Nuristan, wo Kristalle bis etwa 20 Zentimeter vorkommen, und mit der Provinz Laghman, aus der ein vom GIA 2009 untersuchter facettierter Stein von 14,98 Karat stammte. Namibia steuert Material aus der Region Karibib bei, darunter der mit 55 Karat größte in der Literatur genannte geschliffene Petalit im Bestand der Smithsonian Institution. Hinzu kommen Myanmar mit Mogok, Elba mit San Piero in Campo, Westaustralien mit Londonderry und Kalgoorlie sowie die US-Vorkommen in Kalifornien, Maine, Massachusetts und Wyoming.
Bikita: warum Bergbaumengen den Schmuckmarkt nicht erreichen
Das mit Abstand größte Petalitvorkommen im Wortsinn ist Bikita in Simbabwe. Der chinesische Konzern Sinomine übernahm den Betrieb 2022 und meldete im November 2023 das Erreichen der Nennkapazität: 4,18 Millionen Tonnen Erzaufbereitung im Jahr, je 300.000 Tonnen Petalit- und Spodumenkonzentrat, dazu Ausbauprojekte von je zwei Millionen Tonnen und, Stand Juni 2024, 66.000 Tonnen batteriefähige Lithiumchemikalien im Jahr. Dieses Material ist Erz, kein Edelstein: Es wird gemahlen, aufbereitet und chemisch aufgeschlossen. Im Oktober 2024 stoppte Sinomine die Petalitförderung in Teilen, weil die Petalitprodukte bei einem Lithiumcarbonatpreis von 74.000 Yuan je Tonne, 52,3 Prozent unter dem Vorjahreswert, zu wenig einbrachten, und konzentrierte sich auf Spodumen. Für Käufer von Schmucksteinen ändert das nichts: Die Angebotsmenge an geschliffenem Petalit hängt an einzelnen Pegmatittaschen in Brasilien und Afghanistan, nicht an Bikita.
