Warum Petalit fast immer farblos bleibt
Die Zusammensetzung LiAlSi4O10 enthält kein Übergangsmetall. Lithium, Aluminium, Silicium und Sauerstoff absorbieren im sichtbaren Licht nicht, deshalb ist reiner Petalit farblos, und deshalb ist farbloses Material auch der Normalfall. Die Strichfarbe ist weiß, englischsprachige Quellen geben sie als farblos an. Was in der Natur an Tönungen auftritt, stammt aus Spurenbeimengungen oder aus Gitterdefekten. Die mineralogischen Übersichtswerke nennen farblos, weiß, grau, gelblichgrau und rosa, seltener rötlich und grünlich; ein historischer Bericht spricht von „schwach milchweiß, bald rosenroth“ und sogar von „grasgrün“. Gemmologische Kataloge ergänzen gelblichgrüne, hellgrüne, braune und blaue Stücke. Welcher konkrete Fremdstoff welche dieser Farben erzeugt, wird in keiner der ausgewerteten Quellen benannt. Wir halten das hier ausdrücklich fest, statt eine plausibel klingende, aber unbelegte Zuordnung zu treffen. Für den Handel hat das eine praktische Folge: Eine Farbsortierung wie bei Turmalin oder Saphir gibt es bei Petalit nicht. Sortiert wird nach Reinheit, Größe und Schliffgüte, und das Material läuft schlicht als weißer Petalit.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Farbloser Petalit | wasserklar | der Normalfall und die einzige nennenswerte Facettenware im Handel |
| Weißer bis milchweißer Petalit | weiß, trüb | Cabochonmaterial, unter anderem aus schwedischen Vorkommen |
| Rosafarbener Petalit | blassrosa bis rötlich | aus Namibia bekannt, wird meist gecabt oder geschnitzt |
| Gelblicher Petalit | gelblichgrau bis gelb | mineralogisch belegt, im Schmuckhandel ohne Bedeutung |
| Grünlicher Petalit | grünlichweiß bis hellgrün | selten; historische Beschreibungen nennen sogar „grasgrün“ |
| Petalit-Katzenauge | farblos bis weiß | schwache Chatoyance durch Einschlüsse, nur im Cabochon sichtbar |
| Farbwechsel-Petalit | wechselnd je nach Lichtquelle | aus Myanmar berichtet, ausgesprochene Sammlerware |
| Kastorit (Kastor) | farblos bis weiß | veralteter Name, 1847 von Breithaupt vergeben, Bezug auf Pollucit |
Pleochroismus, Spektrum und Lumineszenz
Pleochroismus ist bei Petalit nicht zu beobachten, die IGS gibt ihn ausdrücklich mit „keiner“ an. Das Absorptionsspektrum ist nicht diagnostisch; beschrieben wird allenfalls eine vage Bande bei etwa 454 Nanometern. Bei der Fluoreszenz gehen die Angaben auseinander: Die IGS nennt blassorange für Material aus Wyoming und ein stumpfes Gelbbraun für Material aus Maine sowie orange unter Röntgenstrahlung; ein gemmologischer Katalog gibt im kurzwelligen UV „inert bis gelblichweiß“ und im langwelligen „inert bis schwach orange oder gelblichweiß“ an; eine deutsche Mineralienseite spricht von schwacher orangefarbener Fluoreszenz. Einheitlich ist nur, dass die Lumineszenz schwach und für die Bestimmung nicht tragfähig ist. Verlässlicher ist die Thermolumineszenz: Erwärmter Petalit leuchtet bläulich. In der Vorprobe färbt der Lithiumgehalt die Flamme intensiv rot. Für die Praxis heißt das: Als Prüfmerkmal taugt die Fluoreszenz bei Petalit nicht, weil schon eine einzelne Quelle je nach Fundort unterschiedliche Reaktionen nennt und mehrere Angaben „inert“ einschließen. Verlassen Sie sich stattdessen auf Brechungsindex und Dichte.
Kastorit, Katzenauge und ein Farbwechsel aus Mogok
Varietätennamen kennt Petalit kaum. Der einzige historische Handelsname ist Kastorit beziehungsweise Kastor, den Johann Friedrich August Breithaupt 1847 vergab; er bezieht sich auf das Zwillingspaar der griechischen Mythologie, weil das Mineral auf Elba gemeinsam mit Pollucit auftritt. Der Name gilt heute als veraltet, taucht im Sammlerhandel aber noch auf. An Phänomenware sind zwei Erscheinungen belegt: Petalit-Katzenauge, das auf eingeschlossene faserige Substanz zurückgeht und in Cabochons einen meist schwachen Lichtstreifen zeigt, sowie Material aus Myanmar, das zwischen Tageslicht und Kunstlicht einen Farbwechsel erkennen lässt. Rosafarbenes Material aus Namibia wird gelegentlich zu Cabochons geschliffen oder geschnitzt. Handelsbezeichnungen mit Phantasienamen, wie sie bei anderen Steinen üblich sind, gibt es bei Petalit nicht; der Markt ist dafür zu klein. Wenn Sie auf einer alten Sammlungsetikette „Kastorit“ lesen, haben Sie Petalit vor sich, häufig von der Elba-Fundstelle San Piero in Campo. Verwechseln Sie den Namen nicht mit Pollucit, dem zweiten Zwilling des Paares.
