Petalit ist das Mineral, an dem 1817 das Element Lithium entdeckt wurde, und zugleich einer der unscheinbarsten Edelsteine überhaupt: fast immer farblos, auffallend leicht, nur mäßig hart und so vollkommen spaltbar, dass facettierte Steine bis heute Sammlerware bleiben.
Petalit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Silikate und Germanate; in der Strunz-Systematik unter den Schichtsilikaten geführt, 9. Auflage 9.EF.05, 8. Auflage VIII/F.01 |
| Chemische Formel | LiAlSi4O10 |
| Kristallsystem | monoklin, Raumgruppe P2/a (Nr. 13); Gitterparameter a = 11,74 Å, b = 5,17 Å, c = 7,63 Å, β = 112,5 Grad |
| Mohs-Härte | 6 bis 6,5 (eine Quelle nennt pauschal 6, eine andere 6,5) |
| Dichte | gemessen 2,412 bis 2,422 g/cm³, berechnet 2,40 g/cm³; die IGS gibt die Spanne weiter mit 2,3 bis 2,5 an, das GIA maß an einem geschliffenen Stein 2,40 |
| Brechungsindex | na 1,504, nb 1,510, ng 1,516; gemmologische Tabellen nennen die Spanne 1,503 bis 1,523, das GIA maß an einem facettierten Stein 1,505 bis 1,515; zweiachsig positiv, 2V 82 bis 84 Grad |
| Doppelbrechung | 0,012; gemmologische Tabellen nennen 0,012 bis 0,014 |
| Glanz | Glasglanz auf Kristallflächen, Perlmuttglanz auf den Spaltflächen |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {001}, undeutlich nach {201}; die beiden Richtungen schließen 38,5 Grad ein |
| Bruch | muschelig bis unvollkommen muschelig, spröde; die Zähigkeit wird als gering eingestuft |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Farben | farblos, weiß, grau, gelblichgrau, rosa; selten rötlich, grünlich oder bräunlich. Strichfarbe weiß, englischsprachige Quellen geben farblos an |
| Wichtigste Fundorte | Utö bei Haninge, Stockholms län (Schweden, Typlokalität), ferner Varuträsk, Ultevis, Järkvissle und Västanå in Schweden; Araçuaí in Minas Gerais und Bahia (Brasilien); Paprok in Nuristan und Laghman (Afghanistan); Karibib (Namibia); Bikita (Simbabwe); San Piero in Campo auf Elba (Italien); Londonderry und Kalgoorlie (Westaustralien); Mogok (Myanmar); Manitoba (Kanada); Kalifornien, Maine, Massachusetts und Wyoming (USA) |
| Behandlungen | für Schmuck-Petalit sind keine üblichen Behandlungen dokumentiert; ein gemmologischer Katalog erwähnt jedoch CVD-beschichtete Exemplare, die auf Ultraschall, Alkohol, scharfe Chemikalien und Umschleifen empfindlich reagieren |
| Erstbeschreibung | Januar 1800 durch José Bonifácio de Andrada e Silva an Material von der Insel Utö; der Name geht auf griechisch petalon für Blatt zurück und meint die blättrige Spaltbarkeit. Veralteter Handelsname: Kastorit beziehungsweise Kastor, 1847 von Johann Friedrich August Breithaupt vergeben |
Der Stein, an dem das Lithium gefunden wurde
Petalit ist ein Lithium-Aluminium-Silikat der Formel LiAlSi4O10. Beschrieben wurde er im Januar 1800 von José Bonifácio de Andrada e Silva an Material von der schwedischen Schäreninsel Utö südlich von Stockholm. Siebzehn Jahre später analysierte Johan August Arfwedson im Privatlabor von Jöns Jakob Berzelius eben dieses Mineral und stieß dabei auf eine alkalische Komponente, die sich durch Fällungsreaktionen weder als Natrium noch als Kalium oder Magnesium ausweisen ließ. Berzelius, der die Entdeckung 1817 bekanntgab und seinen Mitarbeiter dabei als „einen jungen, sehr verdienstvollen Chemiker“ vorstellte, wählte den Namen Lithion nach griechisch lithos für Stein: Anders als die übrigen Alkalien war dieses Element zuerst in einem Mineral und nicht in organischer Materie aufgetaucht. Petalit ist damit das Typmaterial eines chemischen Elements, eine Rolle, die sonst kaum ein Schmuckstein für sich beanspruchen kann. Das Metall selbst konnte Arfwedson nicht darstellen, ihm fehlte die Batterieleistung. William Thomas Brande gelang die Isolierung 1821 durch Elektrolyse von Lithiumoxid.
Niedriger Brechungsindex, geringe Dichte, vollkommene Spaltbarkeit
Die Kennwerte machen Petalit im Labor rasch greifbar. Die Brechungsindizes liegen bei na 1,504, nb 1,510 und ng 1,516, die Doppelbrechung bei 0,012; der Stein ist zweiachsig positiv mit einem Achsenwinkel 2V von 82 bis 84 Grad. Gemmologische Tabellen weiten die Spanne auf 1,503 bis 1,523 und 0,012 bis 0,014, weil natürliche Mischkristalle streuen. Das GIA veröffentlichte 2009 die Messung an einem facettierten Stein aus der Provinz Laghman in Afghanistan: Brechungsindex 1,505 bis 1,515, Dichte 2,40. Diese geringe Dichte ist charakteristisch, gemessen werden 2,412 bis 2,422 g/cm³, berechnet 2,40. Die Härte beträgt 6 bis 6,5 und liegt damit knapp unter Quarz. Entscheidend für die Praxis ist jedoch die Spaltbarkeit: vollkommen nach {001}, undeutlich nach {201}, mit 38,5 Grad zwischen beiden Richtungen. Der Bruch ist muschelig, die Tenazität spröde, die Zähigkeit gering.
Farblos, weiß, blassrosa: ein Stein ohne eigene Farbe
Die ideale Formel von Petalit enthält mit Lithium, Aluminium, Silicium und Sauerstoff kein Element, das für kräftige Farbe sorgen könnte. Entsprechend beschreiben die mineralogischen Quellen das Farbspektrum als farblos, weiß, grau, gelblichgrau und rosa, seltener rötlich oder grünlich; gemmologische Kataloge ergänzen bräunliche, hellgrüne und blaue Stücke. Welcher Fremdstoff welche dieser Tönungen verursacht, benennt keine der für diesen Artikel ausgewerteten Quellen. Wir verzichten deshalb bewusst auf eine Zuordnung. Was belegt ist: Die IGS meldet aus Myanmar Material, das zwischen Tageslicht und Kunstlicht einen Farbwechsel zeigt, und weist darauf hin, dass eingeschlossenes Material in Cabochons einen schwachen Katzenaugeneffekt hervorrufen kann; Petalit-Katzenauge ist als Handelsware bekannt. Rosafarbenes Material aus Namibia wird gelegentlich zu Cabochons verarbeitet oder geschnitzt. Für den Schmuckmarkt zählt in der Praxis fast nur das farblose, augenreine Material.
Zwei Märkte, ein Mineral: Batterierohstoff gegen Sammlerstein
Petalit führt ein Doppelleben. Als Lithiumerz wird er in großem Maßstab gefördert, vor allem in Bikita in Simbabwe, das der chinesische Konzern Sinomine 2022 übernahm und im November 2023 auf Nennkapazität brachte. Die Anlage verfügt über eine Aufbereitungskapazität von 4,18 Millionen Tonnen Erz im Jahr und je 300.000 Tonnen Petalit- und Spodumenkonzentrat. Im Oktober 2024 stoppte Sinomine die Petalitförderung teilweise, weil die Petalitprodukte bei gefallenen Lithiumpreisen zu wenig einbrachten; batteriefähiges Lithiumcarbonat notierte am 10. Oktober 2024 bei 74.000 Yuan (10.464 US-Dollar) je Tonne, 52,3 Prozent unter dem Vorjahr. Der Grund ist der niedrigere Lithiumgehalt: Petalit enthält rund 2,09 Gewichtsprozent Lithium gegenüber 3,73 Prozent bei Spodumen. Vom Bergbauvolumen erreicht den Schmuckmarkt praktisch nichts: Dort handelt es sich um einzelne geschliffene Steine, meist aus Brasilien und Afghanistan.
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Kurz gefasst
Petalit ist ein Kennerstein, kein Alltagsstein. Kaufen Sie ihn als facettierten Solitär von fünf Karat aufwärts für Ohrschmuck oder Anhänger, dort spielt er seine Größe zum kleinen Preis aus: rund 14 bis 29 US-Dollar je Karat sind für augenreine weiße Ware dokumentiert. Für Ringe raten wir ab, sofern die Fassung den Stein nicht rundum schützt. Verlangen Sie eine Herkunftsangabe, Brasilien und Afghanistan liefern das beste Schleifmaterial, und lassen Sie Brechungsindex und Dichte messen: Beides zusammen schließt Verwechslungen zuverlässig aus.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Petalit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
