Cabochon, Kugel, Perle: warum Howlith nicht facettiert wird
Facettieren setzt Transparenz und ausreichende Härte voraus. Howlith bietet beides nicht. Das Material ist undurchsichtig und höchstens in dünnen Splittern durchscheinend, sodass ein Brillantschliff kein Licht zurückwerfen könnte. Mit Mohs 3,5 halten die Facettenkanten zudem keiner Nutzung stand; sie stumpfen schon beim Polieren ab. Die üblichen Formen sind deshalb Cabochons in Oval, Rund, Tropfen und Kissen, Kugeln für Ketten, gebohrte Perlen, Donuts, Splitter und flache Platten. Weil der Stein weich ist und keine Spaltbarkeit besitzt, eignet er sich außerdem gut für Schnitzarbeiten und gedrehte Formen, die man aus härteren Materialien nur mit erheblichem Aufwand herausarbeitet. Eine Ausnahme bilden die durchscheinenden Kristalle von Iona: Aus ihnen sind gelegentlich kleine Facettensteine geschliffen worden, die als reine Sammlerstücke gelten und praktisch immer unter einem Karat bleiben.
Schleifen eines weichen, porösen Materials
Howlith verzeiht vieles, aber nicht Hitze und Druck. Arbeiten Sie durchgehend nass und mit niedriger Drehzahl, weil die feinen Poren beim Trockenschliff Wasser verlieren und das Material an der Oberfläche reißt. Der Vorschliff gelingt bereits mit Körnung 220 sehr schnell; halten Sie den Anpressdruck gering, sonst schleifen Sie ungewollt Dellen. Feinschliff über 400, 600 und 1200 sollte sorgfältig sein, denn Kratzer aus dem Vorschliff lassen sich am Ende nicht mehr wegpolieren. Für die Politur bewähren sich Zinnoxid oder Ceroxid auf Leder oder festem Filz; Diamantpaste ist möglich, neigt aber dazu, sich in den Poren festzusetzen. Rechnen Sie damit, dass poröse Partien nie vollständig glänzen. Viele Werkstätten tränken solche Stücke anschließend mit farbloser Wachs- oder Harzversiegelung, was den Glanz hebt und den Stein gegen Fett und Feuchtigkeit schützt. Diese Behandlung gehört auf den Beleg.
Ausbeute aus der Knolle und typische Fehler
Howlithknollen aus Kalifornien erreichen Faust- bis Handballgröße, sind aber selten durchgehend gesund. Typisch sind Trockenrisse, Hohlräume und weiche, kreidige Zonen, die sich erst beim Sägen zeigen. Planen Sie deshalb einen Zuschnitt, der den Adernverlauf berücksichtigt: Ein Netz, das diagonal über den Cabochon läuft, wirkt lebendiger als eine einzelne Ader, die ihn mittig teilt. Sägen Sie mit dünnem Blatt und reichlich Kühlung, weil das Material beim Verkanten ausbricht. Beim Bohren von Perlen ist ein Gegenbohren von beiden Seiten Pflicht, sonst reißt der Austritt aus. Zwei Fehler kosten in der Praxis am meisten Material: zu schneller Vorschliff, der die Form ruiniert, bevor man es merkt, und zu große Hitze beim Polieren, die feine Haarrisse öffnet. Die Ausbeute aus einer gesunden Knolle ist dagegen hoch, weil kein Farbverlauf und keine Spaltbarkeit den Zuschnitt einschränken.
