Was bei einem Stein ohne Farbe den Preis bestimmt
Bei Howlith entfallen fast alle Kriterien, die sonst den Preis eines Edelsteins machen. Es gibt keine Farbintensität zu beurteilen, keine Reinheit im Sinne von Einschlüssen, keinen Schliffwinkel. Bewertet werden vier andere Dinge. Erstens die Zeichnung: Ein Netz feiner, gleichmäßig verteilter Adern gilt als schöner als wenige breite Bänder, die den Stein zerreißen. Zweitens die Grundfarbe: Ein sauberes, helles Weiß bringt mehr als eine gelbstichige oder fleckige Fläche. Drittens die Dichtigkeit des Materials: Porzellanartige, feinkörnige Partien nehmen eine glänzende Politur an, kreidig-poröse bleiben stumpf und wirken billig. Viertens die Größe und Fehlerfreiheit der Knolle, denn Risse durchziehen das weiche Material häufig und begrenzen die Ausbeute. Hinzu kommt bei gefärbter Ware die Sauberkeit der Behandlung: gleichmäßige Durchfärbung, kein Abfärben auf die Haut, keine Farbpfützen an Bohrlöchern. Insgesamt bleibt Howlith aber ein Material, bei dem Verarbeitung mehr zählt als Rohstoff.
| Qualitätsstufe | Merkmale | Preisspanne |
|---|---|---|
| Massenware, gefärbte Perlen und Splitter | gleichmäßiges Blau, Farbe in den Adern konzentriert, weißer Kern im Bohrloch | Stränge ab etwa 3 bis 10 Euro |
| Trommelsteine 20 bis 30 mm | unregelmäßige Form, stumpfe bis mittlere Politur, oft Magnesit | rund 4 Euro je Stück, ab 50 Stück etwa 1,20 Euro |
| Naturweiße Cabochons, Handelsqualität | sauberes Weiß, klares Adernnetz, rissfrei, glänzende Politur | 0,30 bis 0,90 Euro je Karat |
| Kugeln und kleine Schnitzereien | größere rissfreie Knollen, gleichmäßige Zeichnung | 15 bis 60 Euro je Stück (Handelsschätzung) |
| Angeschnittene Knollen aus dem Tick Canyon | Blumenkohlform, kontrastreiches Netz, Schnittfläche poliert | 20 bis 80 Euro je Stück (Handelsschätzung) |
| Kristallstufen von Iona, Cape Breton | scharfe, terminierte, durchscheinende Kristalle auf Anhydritmatrix | dreistellige Eurobeträge (Handelsschätzung) |
Preisspannen, die Sie erwarten dürfen
Howlith ist eines der günstigsten Materialien im Schmucksteinhandel. Naturweiße Cabochons handelsüblicher Qualität werden mit etwa 0,30 bis 0,90 Euro je Karat gehandelt; ein ovaler Cabochon von 25 mal 18 Millimetern wiegt rund 30 bis 40 Karat und kostet damit etwa 10 bis 30 Euro. Trommelsteine von 20 bis 30 Millimetern liegen im deutschen Einzelhandel bei rund 4 Euro, bei Abnahme ab 50 Stück sinkt der Stückpreis auf etwa 1,20 Euro. Gefärbte Perlenstränge beginnen bei wenigen Euro, fertige Ketten und Armbänder bleiben meist deutlich unter 50 Euro. Kugeln und kleine Schnitzereien bewegen sich nach Handelsschätzung zwischen 15 und 60 Euro je Stück. Deutlich anders liegt der Sammlerbereich: Angeschnittene Knollen aus dem Tick Canyon werden je nach Größe zweistellig gehandelt, scharfe Kristallstufen aus Iona erreichen nach Handelsschätzung dreistellige Eurobeträge, weil es weltweit keine zweite Quelle gibt.
Falsches Etikett: Howlith, Magnesit und die Türkis-Frage
Die eigentliche Qualitätsfrage bei Howlith ist eine Frage der Deklaration. Drei Verwechslungen sind üblich. Erstens wird gefärbter Howlith als Türkis verkauft. Dagegen hilft der Acetontest an verdeckter Stelle, der Blick ins Bohrloch, wo der Kern weiß bleibt, und die Beobachtung, dass die Farbe in den Adern am dunkelsten steht statt in der Grundmasse. Türkis hat zudem Härte 5 bis 6 und eine Dichte von 2,6 bis 2,9 g/cm³, Howlith nur Härte 3,5 und rund 2,55 g/cm³. Zweitens wird Magnesit als Howlith etikettiert. Magnesit ist ein Carbonat, braust mit verdünnter warmer Salzsäure auf und ist mit rund 3,0 g/cm³ spürbar schwerer; seine Adern sind eher braun als grau. Drittens werden beide als „Weißtürkis“ oder „White Buffalo“ angeboten. Verlangen Sie die mineralogische Bezeichnung plus Behandlungsangabe. Bei einem Material dieser Preisklasse ist das keine Zumutung, sondern Standard.
