Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Howlith Lexikon · Entstehung & Mineralogie

Howlith – Entstehung & Mineralogie

Howlith

Bor aus eingedampften Seen und Lagunen

Howlith entsteht in Evaporiten, also in Gesteinen, die durch Eindampfen salzhaltiger Wässer entstanden sind. Zwei Milieus sind dafür maßgeblich. In Nova Scotia sitzt das Mineral in den mächtigen Gips- und Anhydritlagen der unterkarbonischen Windsor-Gruppe, die sich in einem flachen, immer wieder abgeschnürten Meeresbecken ablagerten. In Kalifornien dagegen stammt der Bor aus vulkanischer Asche und heißen Quellen, die im Miozän abgeschlossene Seebecken speisten. Verdunstet ein solches Becken, fallen nacheinander Carbonate, Sulfate und schließlich Borate aus. Howlith bildet sich dabei nicht an der Oberfläche, sondern innerhalb der bereits abgelagerten Schichten, wenn borhaltige Porenlösungen auf calciumreiches Gestein treffen. Das Ergebnis sind Knollen, die von innen nach außen wachsen und dabei das umgebende Sediment verdrängen. Ihre typische blumenkohlartige Form und die eingeschlossenen Tonhäutchen, die später die grauen Adern bilden, gehen direkt auf dieses Wachstum im weichen Sediment zurück.

Fünf Boratome, ein Silicium und viel Hohlraum

Die Formel Ca2B5SiO9(OH)5 beschreibt ein Gerüst, in dem Bor sowohl dreifach als auch vierfach von Sauerstoff umgeben ist. Diese Boreinheiten verknüpfen sich zu Ketten, in die einzelne Siliciumtetraeder eingebaut sind; Calcium und Hydroxidgruppen halten das Gerüst zusammen. Die Elementarzelle ist monoklin, Raumgruppe P21/c, mit a gleich 12,82 Ångström, b gleich 9,351 Ångström, c gleich 8,608 Ångström und einem Winkel beta von 104,84 Grad. Vier Formeleinheiten füllen die Zelle. Für den Schmuckstein zählt jedoch weniger die Zelle als die Art der Aggregation: Die Knollen bestehen aus unzähligen, mikroskopisch kleinen Individuen, zwischen denen Porenraum bleibt. Daraus folgen drei Eigenschaften, die Sie im Umgang spüren. Das Material ist kreidig weiß, weil Licht an den Poren gestreut wird. Es nimmt Flüssigkeiten auf wie ein Schwamm. Und es bricht spröde und nahezu eben statt scharfkantig muschelig, weil der Riss den Korngrenzen folgt.

Henry How, Windsor und ein Name von James Dana

Die Erstbeschreibung geht auf Henry How zurück, einen britisch-kanadischen Chemiker und Mineralogen, der als Professor für Chemie und Naturgeschichte am King’s College in Windsor, Nova Scotia, lehrte. Arbeiter eines Gipsbruchs machten ihn 1868 auf ein weißes, unbekanntes Material aufmerksam. How analysierte es, erkannte den Borgehalt und nannte es nach seiner Zusammensetzung Silicoborocalcit. Der amerikanische Mineraloge James Dwight Dana gab dem Mineral kurz darauf den heutigen Namen Howlith, zu Ehren seines Entdeckers. How selbst, der von 1828 bis 1879 lebte, hatte zuvor in London bei August Wilhelm von Hofmann gearbeitet und widmete sich in Kanada vor allem den Zeolithen der Fundy-Basalte sowie den Boraten der Gips- und Anhydritlager. Als Typlokalität gelten die Gipsbrüche bei Windsor im Hants County. Für Sie als Käufer ist das historische Material ohne Bedeutung: Schmuckware aus Nova Scotia kommt praktisch nicht auf den Markt.

Häufige Fragen

Woher kommen die grauen und schwarzen Adern?
Sie sind kein Bestandteil des Minerals, sondern Reste des Wirtsgesteins. Beim Wachstum der Knolle im weichen Sediment werden Ton, Eisen- und Manganoxide in Häutchen zusammengeschoben und zwischen den wachsenden Bereichen eingeschlossen. Diese Häutchen sind weicher und poröser als der Howlith selbst und nehmen deshalb später auch Farbstoff besonders stark auf. Genau das macht gefärbten Howlith einem Türkis mit Matrix so ähnlich.
Mit welchen Mineralen kommt Howlith zusammen vor?
In den kalifornischen Boratlagerstätten sind es vor allem Colemanit, Ulexit, Borax, Bakerit, Priceit und Veatchit. In den kanadischen Vorkommen dominieren Gips und Anhydrit als Wirtsgestein. Im serbischen Jarandol-Becken tritt Howlith unter anderem mit Jarandolith und Colemanit auf. Die Paragenese verrät die Herkunft oft zuverlässiger als das Aussehen der Knolle selbst.
Warum gibt es echte Howlithkristalle nur an einer Stelle?
Kristalle brauchen freien Raum zum Wachsen. Den findet Howlith fast nirgends, weil er sich im dichten Sediment bildet. Bei Iona am Bras-d’Or-See auf Cape Breton stecken die Kristalle in hartem Anhydrit. Wellenschlag wandelt diesen an der Oberfläche in weicheren Gips um, der abgetragen wird, während die widerstandsfähigeren Howlithkristalle stehen bleiben. Gruppen von 1,5 bis 2,6 Zentimetern sind dort die Regel.