Windsor in Nova Scotia: Typlokalität ohne Marktanteil
Die Geschichte des Minerals beginnt in den Gipsbrüchen bei Windsor im Hants County, Nova Scotia. Dort stießen Arbeiter 1868 auf weiße Knollen in den Gips- und Anhydritlagen der Windsor-Gruppe und brachten sie zu Henry How am King’s College. Windsor und das benachbarte Brookville gelten seither als Typlokalität. Wirtschaftlich hat das Gebiet nie eine Rolle als Schmuckstein-lieferant gespielt: Die Knollen sind klein, unregelmäßig und stecken in einem Gestein, das im industriellen Gipsabbau zerkleinert wird. Anders verhält es sich mit der zweiten kanadischen Fundstelle. Bei Iona am Bras-d’Or-See auf Cape Breton Island sitzen Howlithkristalle in Anhydritblöcken an der Uferlinie. Es ist die weltweit einzige bekannte Quelle gut ausgebildeter, terminierter Kristalle. Gruppen von 1,5 bis 2,6 Zentimetern sind typisch, einzelne Stufen erreichen acht Zentimeter. Gesammelt wird stehend im Wasser bei ruhiger See; das Material geht ausschließlich in Sammlungen, nicht in die Schmuckproduktion.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Windsor und Brookville, Hants County, Nova Scotia | Kanada | Typlokalität; Knollen in Gips und Anhydrit der Windsor-Gruppe, Erstbeschreibung 1868 durch Henry How |
| Iona, Bras-d’Or-See, Cape Breton Island | Kanada | weltweit einzige Quelle gut ausgebildeter, terminierter Kristalle; Gruppen von 1,5 bis 2,6 cm auf Anhydrit |
| Tick Canyon bei Lang, Los Angeles County (Sterling Borax Mine) | USA | klassische Quelle der knolligen Schmuckware, Knollen bis Handballgröße; Grubengelände heute eingezäunt |
| Kramer-Lagerstätte bei Boron, Kern County | USA | eine der größten Boratlagerstätten der Welt; Howlith als Begleitmineral von Colemanit und Ulexit |
| Death-Valley-Region, Inyo County | USA | historische Colemanitgruben, Howlith in derben Knollen |
| Muddy Mountains, Clark County, Nevada | USA | derbe Massen in Boratlagerstätten, sammlerseitig genutzt |
| Bigadiç, Provinz Balıkesir | Türkei | Weltgrößte Borprovinz; Howlith als Begleitmineral im aktiven Bergbau |
| Jarandol-Becken | Serbien | Boratbecken mit Paragenese aus Colemanit und Jarandolith |
Kalifornien liefert die Ware, die Sie kaufen
Die knolligen Massen, aus denen Cabochons, Perlen und Schnitzereien entstehen, stammen überwiegend aus den miozänen Boratlagerstätten Südkaliforniens. Klassisch ist der Tick Canyon bei Lang im nördlichen Los Angeles County, wo die Sterling Borax Mine bis ins frühe 20. Jahrhundert Colemanit abbaute und eine eigene Schmalspurbahn zur Verladestation Lang unterhielt. Howlith fiel dort als Nebenprodukt an, in Knollen, die gelegentlich die Größe eines Handballs erreichen und wegen ihrer Form als Blumenkohl beschrieben werden. Das eigentliche Grubengelände ist heute eingezäunt, ein Teil der Halden wurde jedoch in den angrenzenden Canyon geschoben und ist weiterhin zugänglich. Weitere Quellen sind die große Kramer-Lagerstätte bei Boron im Kern County, Vorkommen in der Death-Valley-Region im Inyo County sowie die Muddy Mountains im Clark County, Nevada. Zusammen decken die amerikanischen Vorkommen den Löwenanteil des Rohmaterials, das weltweit zu Schmuckware verarbeitet wird.
Weitere Vorkommen und die Frage der Marktanteile
Außerhalb Nordamerikas ist Howlith an die großen Boratprovinzen gebunden. Die Türkei mit den Lagerstätten um Bigadiç in der Provinz Balıkesir ist der weltgrößte Borproduzent; Howlith tritt dort als Begleitmineral auf. Hinzu kommen das Jarandol-Becken in Serbien, Vorkommen in der Slowakei, in Russland, in Sonora in Mexiko und kleine Nachweise in deutschen Evaporiten im Raum Nordhausen und Diepholz. Marktrelevant ist davon wenig. Der entscheidende Punkt für den Käufer ist ein anderer: Ein großer Teil der als Howlith etikettierten Perlen und Trommelsteine besteht tatsächlich aus Magnesit, der aus China, Brasilien und der Türkei in großen Mengen kommt und sich noch leichter färben lässt. Eine Herkunftsangabe ist bei diesem Material deshalb selten belastbar. Wenn Ihnen die Zuordnung wichtig ist, prüfen Sie die Dichte und die Reaktion auf verdünnte Salzsäure statt dem Etikett zu vertrauen.
