Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Hemimorphit Lexikon · Übersicht

Hemimorphit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Hemimorphit

Hemimorphit ist ein wasserhaltiges Zinksilikat, das seinen Namen der ungewöhnlichen Kristallform verdankt: Seine Kristalle enden an beiden Enden verschieden. Im Schmuck begegnet er Ihnen fast immer als türkisblauer, traubiger Cabochon aus China oder Mexiko.

Hemimorphit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate, Gruppensilikate (Sorosilikate)
Chemische FormelZn4Si2O7(OH)2 · H2O
Kristallsystemorthorhombisch (rhombisch), Raumgruppe Imm2, polare c-Achse
Mohs-Härte4,5 bis 5
Dichte3,4 bis 3,5 g/cm³ (reines Material bis 3,52)
Brechungsindex1,614 bis 1,636 (zweiachsig positiv)
Doppelbrechung0,022
GlanzGlas- bis Diamantglanz an Kristallen; seidig, wachsartig oder matt an traubigen Krusten
Spaltbarkeitvollkommen nach {110}, unvollkommen nach {101}; spröde
Bruchuneben bis muschelig
Transparenzdurchsichtig bis durchscheinend, in Krusten undurchsichtig
Farbenfarblos, weiß, grau, gelb, hellbraun; begehrt sind Hellblau bis Türkisblau und Blaugrün
Wichtigste FundorteWenshan und Maguan (Yunnan, China), Ojuela-Mine bei Mapimí (Durango, Mexiko), Vieille Montagne (Belgien), Sardinien, Namibia, Kongo, Sterling Hill (New Jersey, USA)
Behandlungenunbehandelt üblich; poröse Krusten gelegentlich mit Kunstharz stabilisiert; Färbungen sind nicht handelsüblich, kommen aber bei Imitationen vor
ErstbeschreibungAls Bestandteil des Sammelbegriffs Galmei seit der Antike genutzt; 1803 von James Smithson chemisch vom Zinkspat getrennt; 1853 von Gustav Adolph Kenngott als Hemimorphit benannt

Ein Zinksilikat mit zwei verschiedenen Kristallenden

Hemimorphit trägt seinen Namen wegen einer Eigenheit, die unter Mineralen selten ist: Seine Kristalle sind hemimorph, das heißt, die beiden Enden einer Kristallnadel sind unterschiedlich ausgebildet. Am einen Pol sitzt eine stumpfe Basisfläche, am anderen eine spitze Pyramide. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern für halb und Form zusammen und wurde 1853 von Gustav Adolph Kenngott geprägt. Ursache ist der Kristallbau: Die Struktur besitzt eine polare c-Achse ohne Symmetriezentrum senkrecht dazu, weshalb sich die Doppeltetraeder aus Silizium und Sauerstoff über die gesamte Kristalllänge gleichsinnig ausrichten. Aus derselben Ursache folgt eine zweite Besonderheit. Hemimorphit ist ausgeprägt pyroelektrisch und piezoelektrisch: Erwärmt oder drückt man den Kristall, bauen sich an den beiden Enden entgegengesetzte elektrische Ladungen auf. Sammler und Schleifer merken das ganz praktisch daran, dass frisch polierte Stücke Staub und Papierfasern anziehen. Für die Bestimmung ist dieses Verhalten ein brauchbarer Hinweis, ersetzt aber keine Messung von Dichte und Brechungsindex.

Vom Sammelnamen Galmei zur eigenen Mineralart

Über Jahrhunderte wurde alles, was in den Oxidationszonen der Zinklagerstätten als weißes bis bräunliches Zinkerz abgebaut wurde, unter einem einzigen Namen geführt: Galmei im deutschen Sprachraum, Calamine im englischen und französischen. Darunter fielen zwei chemisch völlig verschiedene Minerale, das Zinkkarbonat Smithsonit und das Zinksilikat Hemimorphit. Für den Hüttenbetrieb war die Unterscheidung lange unerheblich, denn beide lieferten Zink. Erst der englische Chemiker James Smithson wies 1803 nach, dass sich hinter dem Sammelnamen ein Karbonat und ein Silikat verbergen. Smithson stützte sich dabei unter anderem auf das unterschiedliche elektrische Verhalten beim Erwärmen, also auf die Pyroelektrizität des Silikats. Das Karbonat erhielt ihm zu Ehren später den Namen Smithsonit. Das Silikat blieb zunächst namenlos, wurde regional weiter Kieselzinkerz oder Kieselgalmei genannt und bekam 1853 durch Kenngott seine heutige Bezeichnung. Wenn Ihnen im Handel noch der Begriff Calamine begegnet, meint er je nach Land und Quelle beide Minerale oder nur eines davon; verlassen Sie sich nicht darauf.

Türkisblaue Trauben aus Yunnan und Mapimí

Das Material, das heute den Schmuckmarkt bestimmt, ist keine klare Kristallstufe, sondern eine traubig-nierige Kruste in einem kräftigen Hell- bis Türkisblau. Der mit Abstand wichtigste Lieferant ist die südchinesische Provinz Yunnan, insbesondere die Zinklagerstätten im Kreis Wenshan und im benachbarten Maguan. Von dort kommt seit den 2000er-Jahren in großen Mengen blaues, teils neonartig leuchtendes Material, das sich gut zu Cabochons und Freiformen verarbeiten lässt. Die zweite klassische Quelle ist die Ojuela-Mine bei Mapimí im mexikanischen Bundesstaat Durango, ein seit dem 16. Jahrhundert bebautes Erzfeld, das sowohl blaue traubige Krusten als auch die seltenen durchsichtigen, facettierfähigen Kristalle liefert. Hinzu kommen blaue Krusten aus dem Kongo und aus Namibia sowie historisches Material aus Belgien, Sardinien und Rumänien. Blau ist bei Hemimorphit kein Regelfall: Die überwiegende Menge des weltweit geförderten Minerals ist weiß, grau oder bräunlich und wird als Zinkerz verhüttet, nicht geschliffen.

Weich, spaltbar, empfindlich — was Käufer wissen müssen

Hemimorphit ist ein Stein für Liebhaber, nicht für den Alltagsring. Mit einer Mohs-Härte von 4,5 bis 5 liegt er deutlich unter der Härte von Quarzstaub, der in jedem Haushalt vorhanden ist; eine polierte Fläche wird bei täglichem Tragen matt. Dazu kommt eine vollkommene Spaltbarkeit nach {110} und eine geringe Zähigkeit, die den Stein beim Fassen und bei Stößen gefährdet. Preislich ist er dennoch zugänglich: Einfache blaue Cabochons aus China kosten im Handel etwa 0,50 bis 5 Euro pro Karat, sauber gezeichnete Spitzenware mit gleichmäßig kräftigem Blau und feiner Traubenstruktur eher 12 bis 20 Euro pro Karat. Ein typischer Cabochon von 7 bis 30 Karat liegt damit im Bereich von etwa 20 bis 100 Euro. Facettierte, durchsichtige Steine sind eine andere Welt: Sie stammen fast ausschließlich aus Mexiko, überschreiten selten drei Karat und werden mit etwa 20 bis 110 Euro pro Karat gehandelt.

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Kurz gefasst

Hemimorphit ist ein ehrlicher Sammler- und Liebhaberstein: mineralogisch bemerkenswert durch seine hemimorphen, pyroelektrischen Kristalle, optisch attraktiv durch das türkisblaue traubige Material aus Yunnan und Mapimí, dabei preislich moderat. Kaufen Sie ihn für Ohrschmuck, Anhänger oder Broschen und achten Sie auf gleichmäßige Farbe, feste Politur und rissfreie Kanten. Für einen Alltagsring empfehlen wir ihn nicht. Wenn Sie facettiertes Material suchen, rechnen Sie mit kleinen Steinen unter drei Karat und beschränken Sie die Suche auf mexikanische Ware.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Hemimorphit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Warum heißt der Stein Hemimorphit?
Der Name kommt von den griechischen Wörtern hemi für halb und morphe für Form und bezieht sich darauf, dass die Kristalle an ihren beiden Enden unterschiedlich ausgebildet sind. Gustav Adolph Kenngott führte die Bezeichnung 1853 ein. Vorher lief das Mineral unter den Bezeichnungen Kieselzinkerz, Kieselgalmei oder schlicht Galmei.
Ist Hemimorphit dasselbe wie Smithsonit?
Nein. Beide sind Zinkminerale aus derselben Lagerstättenzone und wurden bis 1803 unter dem Sammelnamen Galmei beziehungsweise Calamine zusammengefasst. Hemimorphit ist ein Zinksilikat, Smithsonit ein Zinkkarbonat. Sie unterscheiden sich in Dichte, Brechungsindex und Reaktion mit Säure deutlich voneinander.
Kann ich Hemimorphit als Ringstein tragen?
Nur eingeschränkt. Die Härte von 4,5 bis 5 und die vollkommene Spaltbarkeit machen ihn für einen täglich getragenen Ring ungeeignet. In einer geschlossenen Zargenfassung und bei gelegentlichem Tragen funktioniert er; für Ohrschmuck, Anhänger und Broschen ist er dagegen unproblematisch.
Was kostet ein blauer Hemimorphit-Cabochon?
Für einfaches chinesisches Material zahlen Sie im Handel etwa 0,50 bis 5 Euro pro Karat. Kräftig türkisblaue, gleichmäßige Ware mit sauberer Politur liegt bei etwa 12 bis 20 Euro pro Karat. Ein fertiger Cabochon mittlerer Größe kostet damit meist zwischen 20 und 100 Euro.