Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Hemimorphit Lexikon · Herkunft & Fundorte

Hemimorphit – Herkunft & Fundorte

Hemimorphit

Typlokalität und die alten europäischen Galmeireviere

Als Typlokalität wird in der mineralogischen Literatur überwiegend der Bergbaubezirk Băița, historisch Rézbánya, im rumänischen Bihor-Gebirge genannt. Weil Hemimorphit bereits Jahrhunderte vor seiner formalen Benennung als Galmei abgebaut wurde, ist diese Zuordnung eine nachträgliche Festlegung und wird nicht in allen Quellen gleich gehandhabt. Wirtschaftlich bedeutender waren die großen europäischen Galmeireviere: Vieille Montagne bei Moresnet in Belgien, die Lagerstätten des Aachener und Stolberger Raums, das oberschlesische Revier um Bytom und Tarnowskie Góry sowie die sardischen Gruben um Iglesias und Monteponi. Diese Vorkommen haben über Generationen Zink für die europäische Messing- und Verzinkungsindustrie geliefert und stehen heute vollständig still. Was aus ihnen im Handel auftaucht, ist altes Sammlermaterial, oft mit historischer Etikettierung und entsprechendem Aufpreis. Für den Schmuckmarkt spielen sie keine Rolle mehr; Sie finden von dort weiße bis bräunliche Krusten und fächerförmige Kristallgruppen, aber praktisch kein schleifwürdiges blaues Material.

Fundort Land Besonderheit
Wenshan, u. a. Malipo-MineChina (Yunnan)wichtigste Quelle für türkisblaues traubiges Schmuckmaterial seit den 2000er-Jahren
Maguan, Dulong-MineChina (Yunnan)blaue bis blaugrüne Krusten, oft mit weißen Kontrastzonen
Ojuela-Mine, Mapimí, DurangoMexikoeinzige regelmäßige Quelle durchsichtiger, facettierfähiger Kristalle; auch blaue Krusten
Băița (Rézbánya), BihorRumänienin der Literatur meist als Typlokalität geführt; historisches Material
Vieille Montagne, MoresnetBelgienklassisches Galmeirevier des 19. Jahrhunderts, stillgelegt
Iglesias und Monteponi, SardinienItalienhistorische Zinkgruben mit fächerförmigen Kristallgruppen
Skorpion-MineNamibiablaue Krusten aus einer großen Zinkoxidlagerstätte
Sterling Hill, New JerseyUSAklassische Sammlerlokalität, überwiegend helles bis farbloses Material

Yunnan: die Quelle des blauen Schmuckmaterials

Der heutige Markt für blauen Hemimorphit hängt an Südchina. Die Zink-Blei-Lagerstätten im Kreis Wenshan und im benachbarten Kreis Maguan in der Provinz Yunnan liefern seit den 2000er-Jahren traubige, nierige und stalaktitische Krusten in einem kräftigen Hell- bis Türkisblau, wie sie vorher in dieser Menge und Qualität nirgends verfügbar waren. Als Fundpunkte werden in der Sammlerliteratur unter anderem die Malipo-Mine im Kreis Wenshan und die Dulong-Mine bei Maguan genannt; die Handelsbezeichnung Wenshan steht dabei häufig stellvertretend für die gesamte Region. Das Material kommt als Rohkrusten und als bereits geschliffene Cabochons und Freiformen auf den Markt, überwiegend über chinesische Großhändler und die Mineralienmessen. Die Verfügbarkeit ist gut, unterliegt aber Schwankungen, weil die Gewinnung an den laufenden Erzbergbau gekoppelt ist. Schätzungen des Handels gehen davon aus, dass der weit überwiegende Teil der blauen Schmuckware weltweit aus Yunnan stammt; belastbare Produktionszahlen werden nicht veröffentlicht.

Mapimí, Namibia, Kongo und die amerikanischen Klassiker

Die zweite große Adresse ist die Ojuela-Mine bei Mapimí im mexikanischen Bundesstaat Durango. Das Erzfeld wird seit dem späten 16. Jahrhundert bebaut und ist heute vor allem eine Stufenmine. Von dort kommen sowohl blaue traubige Überzüge als auch die dünnen, wasserklaren tafeligen Kristalle, aus denen die seltenen facettierten Steine geschliffen werden; Mexiko ist praktisch die einzige regelmäßige Quelle für facettierfähiges Material. In Afrika liefern die Skorpion-Mine in Namibia und Vorkommen im Kongo, etwa bei Kimbedi, blaue Krusten, die dem chinesischen Material ähneln, aber unregelmäßiger in Menge und Qualität sind. In den USA sind die Sterling-Hill-Mine in New Jersey, der Bezirk Leadville in Colorado, die 79 Mine in Arizona und Vorkommen in Missouri und Montana bekannt, überwiegend mit hellem bis farblosem Material. Weitere Fundpunkte liegen in Thailand, Iran, Griechenland, Sambia und Australien.

Häufige Fragen

Wo kommt der blaue Hemimorphit im Handel her?
Ganz überwiegend aus der Provinz Yunnan im Süden Chinas, aus den Zinklagerstätten der Kreise Wenshan und Maguan. Zweitwichtigste Quelle ist die Ojuela-Mine bei Mapimí in Mexiko. Kleinere Mengen stammen aus dem Kongo und aus Namibia.
Woher kommen facettierte Hemimorphite?
Praktisch ausschließlich aus Mexiko, aus der Ojuela-Mine bei Mapimí. Nur dort treten regelmäßig durchsichtige Kristalle auf, die groß und rissfrei genug für einen Facettenschliff sind. Die Steine bleiben dabei meist unter drei Karat.
Gibt es Hemimorphit in Deutschland?
Ja, historisch im Aachener und Stolberger Galmeirevier sowie an weiteren Stellen im Rheinischen Schiefergebirge und im Harz. Diese Gruben sind stillgelegt. Im Handel finden Sie von dort nur altes Sammlermaterial, in aller Regel weiße bis bräunliche Krusten ohne Schmuckqualität.