Warum fast alles als Cabochon geschliffen wird
Der Schliff richtet sich bei Hemimorphit nach dem Rohmaterial, und das ist in der ganz überwiegenden Zahl der Fälle undurchsichtig. Traubige, nierige und stalaktitische Krusten lassen sich nur flächig bearbeiten, nicht facettieren. Die naheliegende Form ist deshalb der Cabochon, häufig oval oder rund, oft aber auch als Freiform, die der natürlichen Wölbung der Traubenoberfläche folgt. Beliebt sind zudem flache Anschliffe und Scheiben, die die blau-weiße Bänderung im Querschnitt zeigen, sowie Stücke, bei denen ein Teil der natürlichen Traubenoberfläche stehen bleibt und nur die Gegenseite plan geschliffen wird. Für Ketten werden Kugeln und Walzen gefertigt, wobei die Bohrung wegen der Spaltbarkeit heikel ist. Facettenschliffe gibt es, sie sind aber die Ausnahme und praktisch auf mexikanisches Material beschränkt. Üblich sind dort einfache Treppen- oder Scherenschliffe, die mit wenigen großen Facetten auskommen und das Risiko beim Bearbeiten begrenzen.
Die vollkommene Spaltbarkeit beherrschen
Die vollkommene Spaltbarkeit nach {110} ist beim Bearbeiten das zentrale Problem. Sie verläuft parallel zur Längsachse der Kristalle und damit bei fasrigem Krustenmaterial oft senkrecht zur Wölbungsfläche; ein unbedachter Sägeschnitt oder ein zu harter Andruck kann eine ganze Lage abplatzen lassen. Sägen Sie deshalb mit einem dünnen Blatt, reichlich Kühlung und geringem Vorschub, und stützen Sie das Stück vollflächig ab. Beim Vorschleifen arbeiten Sie mit feineren Körnungen als bei einem Achat: Ein Sprung von grober Körnung direkt auf Feinschliff hinterlässt Tiefenschäden, die erst bei der Politur als Ausbrüche sichtbar werden. Der Stein ist zusätzlich spröde und wenig zäh, verzeiht also weder Kantenschläge noch Verkanten auf der Scheibe. Bei Kugeln und Bohrungen ist besondere Vorsicht geboten; bohren Sie mit langsamer Drehzahl und Dauerkühlung von beiden Seiten. Rechnen Sie bei Krustenmaterial mit erheblichem Verschnitt, weil poröse und nebengesteinshaltige Partien wegfallen.
Hitze, Politur und die elektrische Aufladung
Hemimorphit verträgt Wärme schlecht. Das locker gebundene Kanalwasser entweicht bereits bei mäßiger Erhitzung, die Struktur verliert an Zusammenhalt und der Stein kann trüb werden, Risse bekommen oder die Farbe einbüßen. Arbeiten Sie deshalb durchgehend nass, vermeiden Sie das Trockenlaufen der Scheibe und legen Sie kein warmes Stück in kaltes Wasser. Für die Politur haben sich Zinnoxid und Ceroxid auf Leder oder festem Filz bewährt, bei niedriger Drehzahl und geringem Anpressdruck. Wer zu schnell arbeitet, erzeugt lokal Reibungswärme und damit genau die Schäden, die er vermeiden will. Eine Eigenheit werden Sie beim Arbeiten bemerken: Weil der Stein pyroelektrisch ist, lädt er sich schon bei leichter Erwärmung auf und zieht Schleifstaub und Poliermittel an. Spülen Sie das Werkstück deshalb zwischen den Arbeitsgängen gründlich ab, sonst verschleppen Sie gröbere Körnung in die feinen Stufen und erzeugen Kratzer, die Sie später mühsam wieder herausarbeiten müssen.
