Flacher Pavillon gegen zu dunkle Farbe
Die zentrale schleiftechnische Frage bei Gahnit ist nicht die Härte, sondern die Farbtiefe. Blaues Nigeria-Material ist eisenbedingt so dunkel, dass es für die Bezeichnung Kobaltspinell nicht mehr taugt. Bei solcher Rohware ist die Standardantwort ein flacher Pavillon: Der Lichtweg durch den Stein wird kürzer, weniger Licht wird absorbiert, die Farbe hellt scheinbar auf. Bewährt haben sich dafür einfach gestufte flache Entwürfe wie Schachbrett- und Rosettenschliffe. Die Grenze setzt der Grenzwinkel der Totalreflexion. Bei einem Brechungsindex von 1,80 liegt er rechnerisch bei rund 33,7 Grad — deutlich flacher als bei Spinell mit etwa 35,8 Grad. Gehen Sie unter diesen Wert, wird der Stein tot: Er verliert das Funkeln und wirkt fensterig, und der Aufhellungseffekt verschwindet ohnehin, sobald der Stein gefasst ist. Zweite Möglichkeit sind kleinere Steine, dritte Fantasieschliffe mit ausgehöhltem Pavillon, die Material wegnehmen, ohne die Form zu verflachen.
Schleifausbeute: was der Eisengehalt kostet
Eisen wirkt bei Gahnit doppelt gegen die Ausbeute. Erstens verdunkelt es: Wo Eisen das Zink ersetzt, geht die Farbe von Blau über Dunkelgrün nach Schwarz. Zweitens nimmt mit dem Eisengehalt die Durchsichtigkeit ab, bis nur noch undurchsichtiges Material übrig bleibt. Praktisch heißt das: Aus einem eisenreichen Kristall ist gar keine Schleifware zu holen, unabhängig vom Schliff. Und aus einem gerade noch brauchbaren Kristall holen Sie nur dann einen lebendigen Stein, wenn Sie flach und damit klein schleifen — was die Karatausbeute zusätzlich drückt. Die Ausgangslage ist ohnehin ungünstig: Nigerianische Rohoktaeder wiegen 0,57 bis 2,07 Karat bei 4,6 bis 7,3 Millimetern Größe und haben angelöste Flächen, die zuerst weggeschliffen werden müssen. Dass geschliffene Gahnite über einem Karat als ungewöhnlich gelten, ist vor diesem Hintergrund folgerichtig. Prüfen Sie Rohware vor dem Kauf gegen weißes Papier — ist dort kein Blau mehr zu sehen, lassen Sie die Finger davon.
Härte 8 ohne Spaltbarkeit: die gutmütige Seite
Mechanisch ist Gahnit ein dankbares Material. Eine echte Spaltbarkeit fehlt, es gibt nur eine undeutliche Absonderung nach {111}; der Bruch ist muschelig bis uneben. Sie müssen also beim Sägen und beim Anschleifen keine bevorzugte Trennfläche fürchten, wie es etwa bei Topas oder Feldspat der Fall wäre. Das Material ist spröde, Kantenausbrüche sind bei unvorsichtiger Behandlung möglich, aber die Gefahr eines durchgehenden Spaltrisses besteht nicht. Die Härte von 7,5 bis 8 entspricht der des Edelspinells, für den keine Hitzeempfindlichkeit beim Schleifen bekannt ist und der als leicht zu schleifen gilt. Für die Politur bewähren sich bei Spinell Aluminiumoxid auf Zinnlap, Ultralap-Folien sowie Diamant in 8.000er Vorpolitur und 50.000er Politur auf Zinklap — wegen der strukturellen Verwandtschaft ist das der naheliegende Ausgangspunkt auch für Gahnit. Da Gahnit einfachbrechend ist, entfällt jede Orientierung nach optischer Achse; Sie richten die Rohware allein nach Form und Farbverteilung aus.
