Kobalt macht blau, Eisen macht dunkel
Reiner Zinkspinell wäre farblos. Die Farbe kommt ausschließlich von Fremdelementen auf den Metallplätzen des Gitters. Am nigerianischen Material hat die Untersuchung das sauber aufgetrennt: Verantwortlich für das Blau sind ausgeprägte Kobalt-Absorptionsbanden zwischen 500 und 620 Nanometern, modifiziert durch Eisenbanden. Kobalt liefert also den Farbton, Eisen die Tiefe. Genau dieses Zusammenspiel entscheidet über den Wert. Ist der Eisenanteil hoch, wird aus dem kräftigen Blau ein Tiefblau, das für die Bezeichnung „Kobaltspinell“ bereits zu dunkel ist. Steigt der Eisengehalt weiter, bis Eisen das Zink in nennenswertem Umfang ersetzt, geht die Farbe über Dunkelgrün nach Schwarz und die Transparenz verschwindet ganz. Weitere Elemente, die in Gahnit als Farbträger genannt werden, sind Mangan, Chrom und Vanadium. An den Kristallrändern der Nigeria-Ware wurden erhöhte Vanadium- und Kobaltgehalte bei gleichzeitig niedrigerem Nickel gemessen — ein Hinweis auf einen Wechsel der Fluidchemie während des Wachstums.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Gahnit (Regelfall) | dunkelgrün bis grünlichschwarz | undurchsichtig, Stufen- und Sammlermaterial, nicht schleifbar |
| Blauer Edelsteingahnit (Kagoro, Nigeria) | tief blau bis blaugrün | über 90 Molprozent Gahnit, Farbe durch Kobalt, durch Eisen abgedunkelt |
| Saphirblauer Gahnit (Trotter Mine, Franklin) | blau | historisches Kristallmaterial von 1896, mit Pyroxen, Titanit und Löllingit |
| Gelber bis gelbbrauner Gahnit | gelb bis gelbbraun | an Franklin und Sterling Hill belegt, meist nur durchscheinend |
| Automolit | wie Gahnit | reines Synonym, keine eigene Spezies |
| Kreittonit | dunkelgrün bis schwarz | eisenreiche Zusammensetzung, erhöhte Dichte, Richtung Hercynit |
| Gahnospinell | dunkel grünblau bis violettblau | Zwischenglied (Mg,Zn)Al2O4, Brechungsindex 1,716–1,780, Dichte 3,58–4,41 |
Vom Grünschwarz bis zum Indigo: das Farbspektrum
Das dokumentierte Farbspektrum reicht von Dunkelgrün über Blaugrün und Blau bis Indigo sowie von Gelb über Gelbbraun bis Grünlichschwarz und Schwarz. Die Strichfarbe ist unabhängig davon grau. In der Praxis verteilt sich das sehr ungleich. Der weitaus häufigste Gahnit ist dunkelgrün bis grünschwarz und undurchsichtig — Stufenmaterial, kein Schleifstein. An Franklin und Sterling Hill kommen darüber hinaus grüne, blaue, gelbe und gelbbraune Kristalle vor, dokumentiert sind auch saphirblaue Kristalle aus der Trotter Mine von 1896. Die schleifbare Ware aus Kagoro in Nigeria ist tiefblau bis blaugrün; Händler beschreiben Steine aus diesem Material auch als „teal“. Unter dem Chelsea-Filter reagiert kobaltblauer Gahnit rot, was auf den Kobaltgehalt zurückgeht. Fluoreszenz ist nicht zu erwarten: Sowohl unter lang- als auch unter kurzwelligem UV bleibt das Material inert. Pleochroismus fehlt, weil Gahnit kubisch und damit einfachbrechend ist.
Automolit, Kreittonit, Gahnospinell: die Namen im Umlauf
Drei Bezeichnungen begegnen Ihnen im Handel und in älterer Literatur. Automolit ist schlicht ein Synonym für Gahnit und meint dieselbe Spezies. Kreittonit bezeichnet eisenreiche Gahnite, die entsprechend dunkler und dichter sind; mineralogisch ist das keine eigene Art, sondern ein Zusammensetzungsbereich in Richtung Hercynit. Gahnospinell schließlich ist das Zwischenglied der Reihe zwischen Gahnit und Edelspinell, also (Mg,Zn)Al2O4. Es ist der einzige der drei Begriffe, der eine eigene Warengruppe beschreibt: dunkelgrünblaue bis violettblaue Steine, überwiegend aus Sri Lanka, daneben aus Nigeria und Tschechien. Wichtig ist die Abgrenzung nach unten wie nach oben. Ein als Gahnospinell verkaufter Stein kann chemisch noch weit im Spinellfeld liegen; ein als Gahnit verkaufter Stein sollte das Zink-Endglied deutlich dominieren. Bei der Nigeria-Ware lag der Gahnit-Anteil über 90 Molprozent — das ist ein brauchbarer Maßstab für echten Edelsteingahnit.
