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Gahnit Lexikon · Herkunft & Fundorte

Gahnit – Herkunft & Fundorte

Gahnit

Falun in Dalarna: die Typlokalität

Die Typlokalität ist die Grube Falun in der schwedischen Provinz Dalarna — eine der ältesten kontinuierlich betriebenen Bergbaustellen Europas und über Jahrhunderte die bedeutendste Kupferquelle des Kontinents. Hier wurde Gahnit 1807 erstmals beschrieben und nach Johan Gottlieb Gahn benannt. Die Lagerstätte ist ein metamorphosiertes Sulfidvorkommen, also genau das Milieu, in dem Gahnit entsteht: Zink aus der Vererzung trifft auf Aluminium aus dem Nebengestein. Schleifware kam von hier nie in nennenswerten Mengen; die Bedeutung Faluns ist historisch und mineralogisch. Für Sammler ist Falunmaterial dennoch gesucht, weil ein Stück von der Typlokalität einen eigenen Stellenwert hat. Rechnen Sie bei Angeboten mit Falun-Etikett aber mit Altmaterial aus historischen Sammlungen — der Betrieb ist eingestellt, neue Funde sind die Ausnahme. Prüfen Sie die Provenienzangabe kritisch, sie ist bei alten Stufen der wertbestimmende Faktor.

Fundort Land Besonderheit
Grube Falun, DalarnaSchwedenTyplokalität, Erstbeschreibung 1807, metamorphosierte Sulfidlagerstätte
Franklin und Sterling Hill, New JerseyUSAergiebigste Kristallquelle, Oktaeder bis 12 cm, Spinellgesetz-Zwillinge
Kagoro, Kaduna StateNigeriaeinzige nennenswerte Quelle für schleifbares blaues Material, ab ca. 2018
São João del Rei, Minas GeraisBrasilienPegmatitprovinz, Gahnit aus granitpegmatitischem Milieu
Broken Hill, New South WalesAustralienklassisches Vorkommen in metamorphosierter Blei-Zink-Lagerstätte
Spruce Pine, North CarolinaUSAPegmatitvorkommen
Topsham, MaineUSAPegmatitvorkommen
White-Picacho-Distrikt, ArizonaUSAPegmatitvorkommen

Franklin und Sterling Hill: die Kristallquelle

Die beiden Zinklagerstätten von Franklin und Sterling Hill in New Jersey sind weltweit die ergiebigste Gahnitquelle für Kristallmaterial. Gahnit gilt dort ausdrücklich als nicht selten, weil er in den Zinkerzen das Aluminium aufnimmt und damit eine feste Rolle im Mineralbestand hat. Die Kristalle sind idiomorph, äquant und überwiegend oktaedrisch, daneben kommen dodekaedrische und kubische Formen sowie Zwillinge nach dem Spinellgesetz vor. Die Größe reicht bis 12 Zentimeter, die meisten Stücke bleiben jedoch unter zwei Zentimetern. Auftreten innerhalb der Erzkörper und an den Kontakten zum Marmor. Farblich ist die Bandbreite groß: grün, blau, gelb, gelbbraun, grünlichschwarz. Zu den bekannten Funden zählen saphirblaue Kristalle aus der Trotter Mine von 1896 zusammen mit Pyroxen, Titanit und Löllingit sowie kubischer Gahnit aus dem Wallkill-River-Tunnel mit Apatit, Löllingit und Fayalit. Schleifbares transparentes Material ist aber auch von hier die absolute Ausnahme.

Kagoro in Nigeria und die weiteren Vorkommen

Für den Schmuckhandel zählt derzeit vor allem ein Vorkommen: Kagoro im nigerianischen Bundesstaat Kaduna. Das Material stammt aus Quarz-Glimmer-Gängen in Schiefern und Gneisen. Die Rohkristalle sind gut ausgebildete Oktaeder mit leicht angelösten Flächen, 4,6 bis 7,3 Millimeter groß und 0,57 bis 2,07 Karat schwer. Gemessen wurden Dichten von 4,59 bis 4,61 und Brechungsindizes um 1,79. Die Ware kam ab etwa 2018 über nigerianische Händler auf den Markt und ist seither nur unregelmäßig verfügbar. Weitere belegte Vorkommen sind Broken Hill in New South Wales, Minas Gerais in Brasilien mit der Pegmatitprovinz São João del Rei, Charlemont in Massachusetts, Spruce Pine in North Carolina, Topsham in Maine, der White-Picacho-Distrikt in Arizona sowie Fundstellen in Kanada, Indien, Namibia, Madagaskar und Südafrika. Der Gahnospinell des Handels kommt dagegen überwiegend aus Sri Lanka, daneben aus Tschechien und Nigeria.

Häufige Fragen

Woher kommt schleifbarer blauer Gahnit?
Praktisch ausschließlich aus Kagoro im Bundesstaat Kaduna, Nigeria. Das Material trat ab etwa 2018 auf, ist kobaltblau, hat über 90 Molprozent Gahnit-Anteil und liegt roh bei 0,57 bis 2,07 Karat. Die Verfügbarkeit ist unregelmäßig.
Wo ist die Typlokalität?
Die Grube Falun in Dalarna, Schweden. Von dort wurde Gahnit 1807 erstmals beschrieben. Falunmaterial ist heute Altmaterial aus Sammlungen; Schleifware kam von dieser Lokalität nie in relevanten Mengen.
Lohnt sich Franklin-Material für Sammler?
Für Kristallstufen ja. Franklin und Sterling Hill liefern idiomorphe Oktaeder bis 12 Zentimeter in großer Farbbandbreite und mit sehr charakteristischen Begleitmineralen wie Franklinit, Willemit und Rhodonit. Für geschliffene Steine ist die Lokalität dagegen kaum relevant.