Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Gahnit Lexikon · Entstehung & Mineralogie

Gahnit – Entstehung & Mineralogie

Gahnit

Zinkerz unter Druck: das metamorphe Hauptmilieu

Der Hauptweg zu Gahnit führt über die Metamorphose zinkreicher Gesteine. Aluminiumreiche Schiefer und Metakarbonate liefern das Aluminium, sulfidische Zinkvererzungen das Zink. Steigen Druck und Temperatur, wird Zinkblende instabil und das Zink wandert in aluminiumhaltige Phasen — Gahnit ist die stabilste davon. Dokumentiert ist das vor allem an metamorphosierten vulkanogenen Massivsulfidlagerstätten, in Gesteinen von der Grünschiefer- bis zur Amphibolitfazies. Typische Mitläufer im selben Gestein sind manganreicher Granat und zinkhaltiger Staurolith. Weil Gahnit dabei aus dem Erz selbst entsteht, ist er ein verlässlicher Wegweiser: Die Exploration nutzt ihn als Leitmineral, weil er mit Härte 8 den Transport übersteht, in oxidierenden Böden chemisch stabil bleibt und sich wegen seiner Dichte von 4 bis 4,6 g/cm³ leicht aus Schwermineralproben herausarbeiten lässt. Am kanadischen Izok-Lake-Vorkommen ließ sich über solche Gahnitkörner sogar die glaziale Verschleppungsfahne rekonstruieren.

Pegmatite und Granite: die zweite Bildungsbahn

Die zweite Bildungsbahn ist magmatisch. Gahnit tritt akzessorisch in Graniten und vor allem in Granitpegmatiten auf. Hier stammt das Zink nicht aus einer Erzlagerstätte, sondern aus der Restschmelze, die sich im Verlauf der Kristallisation mit seltenen Elementen anreichert. Pegmatitischer Gahnit bildet die schönsten Kristalle: scharfe Oktaeder, im Extremfall im Dezimeterbereich, daneben körnige und derbe Aggregate. Bekannt sind solche Vorkommen aus der Pegmatitprovinz von São João del Rei in Minas Gerais, Brasilien, aus dem White-Picacho-Distrikt in Arizona, aus Topsham in Maine und aus Spruce Pine in North Carolina. Auch das nigerianische Material von Kagoro gehört in diesen Umkreis: Es stammt aus Quarz-Glimmer-Gängen, die in Schiefern und Gneisen aufsetzen. Weil Pegmatite chemisch sehr unterschiedlich sind, schwankt die Zusammensetzung des Gahnits von Vorkommen zu Vorkommen erheblich — und damit auch Farbe und Durchsichtigkeit.

Falun 1807: Erstbeschreibung und Paragenese

Beschrieben wurde Gahnit erstmals 1807 aus der Grube Falun in Dalarna, Schweden — einer Kupfer- und Sulfidlagerstätte, die seit dem Mittelalter in Betrieb war. Johann Paul Karl von Moll benannte das Mineral nach Johan Gottlieb Gahn (1745–1818), dem schwedischen Chemiker, der unter anderem das Mangan isolierte. Falun ist bis heute die Typlokalität. Als Paragenese sind für Gahnit unter anderem Andalusit, Calcit, Chondrodit, Fluorapatit, Forsterit, Graphit, Phlogopit, Skapolith und Sillimanit belegt, dazu Granat, Turmalin und Korund. An den klassischen Zinklagerstätten von Franklin und Sterling Hill in New Jersey steht er mit Franklinit, Willemit, Rhodonit, Calcit und Andradit zusammen; an Sterling Hill zusätzlich mit Jeffersonit, Spessartin, Pyroxmangit, Pyrophanit und Manganpyrosmalith. Diese Begleitminerale sind für Sammler ein gutes Herkunftsindiz, weil sie regional sehr charakteristisch sind und sich an einem Stufenstück meist noch nachweisen lassen.

Häufige Fragen

In welchem Gestein finde ich Gahnit?
Vor allem in metamorphen Gesteinen: aluminiumreichen Schiefern, Metakarbonaten und metamorphosierten Massivsulfidlagerstätten der Grünschiefer- bis Amphibolitfazies. Daneben akzessorisch in Graniten und Granitpegmatiten sowie umgelagert in Seifen.
Warum interessiert sich die Bergbauerkundung für Gahnit?
Weil er ein Zinkzeiger ist. Er entsteht direkt aus metamorphosiertem Zinkerz, ist mit Härte 8 transportstabil, chemisch beständig und durch seine Dichte von 4 bis 4,6 g/cm³ leicht aus Schwermineralkonzentraten zu gewinnen. Am Izok Lake in Kanada diente er zur Rekonstruktion der glazialen Verschleppung.
Wie groß werden Gahnitkristalle?
An Franklin sind Oktaeder bis 12 Zentimeter dokumentiert, die meisten bleiben jedoch unter 2 Zentimetern und nur wenige überschreiten einen Zentimeter. In Pegmatiten sind auch dezimetergroße Oktaeder belegt. Die schleifbaren blauen Kristalle aus Nigeria messen nur 4,6 bis 7,3 Millimeter.