Die Spaltebene bestimmt jeden Arbeitsschritt
Wer Euklas schleift, arbeitet die ganze Zeit gegen eine einzige Fläche. Die vollkommene Spaltbarkeit nach {010} verläuft parallel zur Längsachse der typischen prismatischen, auf {100} abgeflachten Kristalle. Jeder Druck quer zu dieser Ebene, jede Verkantung auf der Scheibe und jeder harte Anschlag kann eine glatte Spaltfläche erzeugen, die den Rohling in zwei Teile zerlegt. Hinzu kommen zwei unvollkommene Spaltrichtungen nach {110} und {001}, die bei ungünstiger Belastung ebenfalls ansprechen. Der erste Arbeitsschritt ist deshalb nicht das Sägen, sondern das Bestimmen der Spaltlage unter der Lupe und im polarisierten Licht. Erst wenn die Ebene bekannt ist, wird der Schnitt geplant. Die Faustregel der Schleifer lautet, die Spaltebene möglichst nicht in die Rundiste und nicht in die Tafel zu legen, sondern schräg dazu, damit weder das Fassen noch ein späterer Stoß direkt auf die Schwächezone wirkt. Das kostet Ausbeute, erhöht aber die Überlebenschance des Steins erheblich.
Orientierung, Ausbeute und die Wahl der Form
Neben der Spaltbarkeit muss die Orientierung noch eine zweite Aufgabe erfüllen: den Pleochroismus. Kräftig blaue Euklase zeigen in unterschiedlichen Richtungen deutlich verschiedene Farbtiefen; wird der Stein falsch orientiert, wirkt er blass, obwohl der Rohling gute Farbe hat. Der Schleifer muss also zwischen bester Farbe, geringstem Spaltrisiko und höchster Ausbeute abwägen — drei Ziele, die selten zusammenfallen. Weil die Kristalle meist flachtafelig und gestreckt sind, bieten sich längliche Formen an: Baguette, Smaragdschliff, Oktagon, Oval und Kissen. Der Smaragdschliff hat den zusätzlichen Vorteil, dass abgestumpfte Ecken die empfindlichsten Stellen entschärfen. Runde Brillantschliffe werden geschnitten, sind aber wegen der Kristallform verlustreich. Insgesamt liegt die Ausbeute bei Euklas niedrig; Angaben einzelner Schleifer von deutlich unter zwanzig Prozent sind plausibel, belastbare Durchschnittswerte werden nicht veröffentlicht. Dieser Verschnitt ist einer der Gründe für den hohen Preis geschliffener Steine.
Schleifen, Polieren und Bohren in der Praxis
Mit Mohs 7,5 lässt sich Euklas auf üblichen Diamantscheiben bearbeiten; das Problem ist nicht die Härte, sondern die Sprödigkeit. Arbeiten Sie mit geringem Anpressdruck, feiner Abstufung der Körnungen und durchgehender Kühlung. Große Sprünge in der Körnung hinterlassen Tiefenschäden, die sich später als Ausbrüche an den Facettenkanten zeigen. Für die Politur haben sich Ceroxid und Aluminiumoxid auf Zinn- oder Kunststofflappen bewährt; Diamantpulver in feiner Körnung funktioniert ebenfalls, verlangt aber ein besonders leichtes Ansetzen. Vermeiden Sie Hitzestaus, denn der Stein enthält eine Hydroxylgruppe im Gitter und reagiert auf starke Temperaturwechsel empfindlich. Das Anschleifen der Rundiste ist der kritischste Moment, weil dort die größte Hebelwirkung auf die Spaltebene wirkt; lassen Sie die Rundiste lieber etwas kräftiger stehen als bei anderen Steinen. Bohrungen für Kettenglieder sollten Sie bei Euklas grundsätzlich vermeiden; nutzen Sie stattdessen Fassungen, die den Stein mechanisch halten.
