Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Euklas Lexikon · Herkunft & Fundorte

Euklas – Herkunft & Fundorte

Euklas

Ural oder Brasilien — der Streit um den Anfang

Die Frage nach der Typlokalität des Euklas wird in den Quellen unterschiedlich beantwortet, und das hat historische Gründe. Haüy beschrieb das Mineral 1792 anhand von Stücken aus der Sammlung Joseph Dombeys, der sie um 1785 aus Südamerika mitgebracht hatte. Die Herkunftsangabe lautete zunächst Peru, weil Dombey dort gesammelt hatte; tatsächlich stammen die Kristalle aus der Gegend von Ouro Preto in Minas Gerais. Das Typmaterial liegt in Paris. Parallel dazu wurden früh Funde aus dem Ural bekannt, insbesondere aus den Goldseifen an der Sanarka im Orenburger Gebiet und an der Kamenka, wo Euklas gemeinsam mit Topas und Chrysoberyll auftrat. Diese russischen Kristalle prägten im 19. Jahrhundert das Bild des Minerals und werden in manchen Nachschlagewerken als erste dokumentierte Fundstelle geführt. Für Käufer ist das vor allem eine Fußnote: Material aus dem Ural kommt heute praktisch nicht mehr auf den Markt und ist Museumsgut.

Fundort Land Besonderheit
Ouro Preto, Rodrigo Silva, CapãoBrasilien (Minas Gerais)Herkunft des Typmaterials; heute Hauptquelle für facettierfähiges Rohmaterial
Santana do EncobertoBrasilien (Minas Gerais)chemisch gut analysiertes Vorkommen, blasse bis blaue Kristalle
Mwami/Miami-Distrikt, u. a. Lost Hope MineSimbabwe (Mashonaland West)kobaltblaue Kristalle von höchster Farbqualität, meist kleine Größen
Sanarka und Kamenka, Orenburger GebietRussland (Ural)klassische Goldseifenfunde des 19. Jahrhunderts mit Topas und Chrysoberyll; heute Museumsgut
GachaláKolumbienchromhaltige grünblaue Euklase aus dem Smaragdmilieu; Chelsea-Filter rot
Rauris, Hohe TauernÖsterreichalpine Zerrkluftvorkommen in Glimmerschiefer, kleine Kristalle
Epprechtstein, FichtelgebirgeDeutschlandPegmatitvorkommen, mineralogisch bekannt, ohne Schmuckbedeutung
OttréBelgienReferenzmaterial für chemische Analysen in der Fachliteratur

Minas Gerais: die Hauptquelle des Weltmarkts

Der laufende Handel mit Euklas hängt an Brasilien, genauer am Bundesstaat Minas Gerais. Die klassische Region ist die Umgebung von Ouro Preto mit Fundstellen bei Rodrigo Silva, darunter die Capão-Vorkommen, sowie Santana do Encoberto. Von dort kommt der überwiegende Teil des facettierfähigen Rohmaterials, meist farblos bis hellblau, seltener in guter Sättigung. Die Gewinnung erfolgt kleinteilig, häufig im Zusammenhang mit dem dortigen Topasbergbau, und ist entsprechend unregelmäßig; größere Partien gelangen typischerweise über die brasilianischen Händler auf die internationalen Messen. Weil die Kristalle meist flachtafelig und stark gestreckt sind und weil die Spaltbarkeit viel Material kostet, ist die Ausbeute niedrig. Deshalb bleibt Euklas auch aus der Hauptquelle ein knappes Gut. Belastbare Produktionszahlen gibt es nicht; die im Handel kursierenden Mengenangaben sind Schätzungen einzelner Händler und sollten nicht als gesicherte Statistik gelesen werden.

Simbabwe, Kolumbien und die übrigen Vorkommen

Die zweite Adresse für Sammler ist Simbabwe. Im Mwami-Distrikt im Nordwesten des Landes, der unter seinem älteren Namen Miami-Distrikt weit bekannter ist und heute zum Karoi-Distrikt in Mashonaland West gehört, treten Euklaskristalle in einem intensiven, kobaltartigen Blau auf, die zu den farblich besten überhaupt zählen. Sie kommen aus Quarzgängen im Umfeld beryllführender Pegmatite; als Fundstelle wird unter anderem die Lost Hope Mine genannt. Die Kristalle sind meist klein, und ein facettierbarer Rohling von mehreren Karat ist eine Ausnahme. In Kolumbien liefert die Region um Gachalá chromhaltige, grünblaue Euklase aus dem Smaragdmilieu. Weitere Vorkommen liegen in Tansania, Mosambik, Österreich (Rauris), Deutschland (Epprechtstein im Fichtelgebirge), Belgien (Ottré), Colorado, China und Australien. Diese Fundstellen sind mineralogisch interessant, tragen zum Schmuckmarkt aber praktisch nichts bei.

Häufige Fragen

Wo kommt der meiste Euklas im Handel her?
Aus Brasilien, aus dem Bundesstaat Minas Gerais mit den Fundgebieten um Ouro Preto, Rodrigo Silva und Santana do Encoberto. Von dort stammt der überwiegende Teil des facettierfähigen Rohmaterials, meist farblos bis hellblau. Die Gewinnung ist kleinteilig und die Verfügbarkeit unregelmäßig.
Was ist am Euklas aus Simbabwe besonders?
Die Farbe. Im Mwami-Distrikt, dem früheren Miami-Distrikt in Mashonaland West, treten kobaltblaue Kristalle auf, deren Ton an feinen Saphir erinnert. Sie sind meist klein, sodass facettierbare Rohlinge von mehreren Karat die Ausnahme bleiben und entsprechend hoch bezahlt werden.
Kommt heute noch Euklas aus dem Ural?
Praktisch nicht. Die klassischen Vorkommen in den Goldseifen an der Sanarka und der Kamenka lieferten im 19. Jahrhundert die berühmten russischen Kristalle. Was davon existiert, liegt in Museen und alten Sammlungen. Auf dem laufenden Markt spielt russisches Material keine Rolle.