Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Euklas Lexikon · Entstehung & Mineralogie

Euklas – Entstehung & Mineralogie

Euklas

Späte Lösungen in Pegmatiten und alpinen Klüften

Euklas ist ein Mineral der Nachphase. Er kristallisiert nicht aus der ersten Schmelze eines Pegmatits, sondern entsteht, wenn bereits gebildeter Beryll von späten, wasserreichen und mäßig warmen Lösungen angegriffen wird. Die mineralogische Standardliteratur beschreibt ihn als Zersetzungsprodukt des Berylls in Pegmatiten sowie als Mineral niedrigtemperierter alpiner Zerrklüfte. Beide Milieus haben gemeinsam, dass Beryllium bereits lokal angereichert vorliegt und dass genügend Wasser für den Einbau der Hydroxylgruppe zur Verfügung steht. In Brasilien sitzen die wirtschaftlich wichtigen Vorkommen in stark zersetzten, quarz- und glimmerreichen Zonen im Kontakt zu Pegmatiten und in den mit Topas vergesellschafteten Zersatzbildungen der Gegend von Ouro Preto. In Simbabwe stammen die kobaltblauen Kristalle aus Quarzgängen im Umfeld beryllführender Pegmatite. Die alpinen Vorkommen, etwa im Rauris in Österreich, sind mineralogisch interessant, liefern aber nur kleine und meist nicht schleifwürdige Kristalle.

Ein Inselsilikat mit einer Schwächeebene

Die Formel BeAlSiO4(OH) beschreibt ein Inselsilikat: Die SiO4-Tetraeder stehen isoliert und sind nicht untereinander verknüpft. Zusammengehalten wird die Struktur durch Aluminium in oktaedrischer und Beryllium in tetraedrischer Koordination sowie durch Wasserstoffbrücken der Hydroxylgruppe. Das Gitter ist monoklin, Raumgruppe P21/a, mit den Achsen a gleich 4,76 Ångström, b gleich 14,29 Ångström und c gleich 4,62 Ångström bei einem Winkel beta von rund 100 Grad. Die auffällig lange b-Achse ist der Schlüssel zum Verständnis des Steins: Senkrecht dazu, also parallel zu {010}, liegt eine Ebene mit deutlich schwächeren Bindungen. Genau hier spaltet der Kristall vollkommen und hinterlässt eine glatte, perlmuttartig schimmernde Fläche. Zwei weitere, unvollkommene Spaltrichtungen nach {110} und {001} kommen hinzu. Die hohe Mohs-Härte von 7,5 gilt für die Widerstandsfähigkeit gegen Ritzen quer zu dieser Ebene; sie sagt nichts über die Bruchanfälligkeit entlang der Spaltfläche aus.

Begleitminerale und eine verwickelte Erstbeschreibung

Typische Begleiter des Euklas sind Quarz, Muskovit, Feldspat, Albit, Topas, Beryll, Fluorit, Rutil, Schörl, Calcit, Ankerit und Chlorit. In den uralischen Goldseifen trat er zusammen mit Topas und Chrysoberyll auf, in Kolumbien zusammen mit Smaragd im Bereich der Mine Gachalá. Die Erstbeschreibung ist ein Lehrstück über unklare Herkunftsangaben. René Just Haüy beschrieb und benannte das Mineral 1792 anhand von Stücken, die der Naturforscher Joseph Dombey aus Südamerika mitgebracht hatte. Als Fundgebiet wurde zunächst Peru genannt; nach heutigem Kenntnisstand stammt das Material aus der Gegend von Ouro Preto in Minas Gerais. Das Typmaterial liegt im Muséum national d'Histoire naturelle in Paris unter der Haüy-Nummer 3303. Deshalb finden Sie in der Literatur unterschiedliche Angaben zur Typlokalität: Manche Werke nennen Brasilien, andere führen die frühen uralischen Funde im Orenburger Gebiet als erste dokumentierte Fundstelle an.

Häufige Fragen

In welchem Gestein findet man Euklas?
Überwiegend in Pegmatiten und deren Zersatzzonen, wo er aus zerfallendem Beryll hervorgeht, sowie in niedrigtemperierten alpinen Zerrklüften. In Brasilien kommt er zusätzlich in quarzreichen Zersatzbildungen gemeinsam mit Topas vor, in Simbabwe in Quarzgängen im Umfeld beryllführender Pegmatite.
Warum spaltet Euklas so leicht?
Seine monokline Struktur hat parallel zu {010} eine Ebene mit deutlich schwächeren Bindungen, senkrecht zur ungewöhnlich langen b-Achse von rund 14,3 Ångström. Dort trennt sich der Kristall vollkommen und hinterlässt eine glatte, perlmuttartig glänzende Fläche.
Wer hat Euklas zuerst beschrieben?
René Just Haüy im Jahr 1792, anhand von Stücken aus der Sammlung des Naturforschers Joseph Dombey. Das Typmaterial liegt im Naturkundemuseum in Paris. Die ursprünglich angenommene Herkunft Peru gilt heute als Irrtum; das Material stammt aus Minas Gerais in Brasilien.