Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Euklas Lexikon · Farben & Varietäten

Euklas – Farben & Varietäten

Euklas

Eisen, Chrom und Mangan als Farbgeber

Reiner Euklas ist farblos, denn Beryllium, Aluminium und Silizium erzeugen keine sichtbare Eigenfarbe. Alle Farben stammen von Spurenelementen, die Aluminium im Gitter ersetzen. Für die blauen und blaugrünen Töne ist überwiegend Eisen verantwortlich; je nach Gehalt und Oxidationsstufe entsteht ein blasses Hellblau oder ein kräftiges, tiefes Blau. Chrom und Vanadium erzeugen die leuchtend grünblauen Farben, wie sie aus Kolumbien im Umfeld der Smaragdlagerstätten bekannt sind — dort wächst Euklas in derselben chromhaltigen Umgebung wie der Smaragd. Mangan wird für die seltenen rosa bis orangerosa Farbtöne verantwortlich gemacht. Diese Zuordnung folgt der gemmologischen Fachliteratur; systematische spektroskopische Untersuchungen an Euklas sind wegen der geringen verfügbaren Materialmengen deutlich dünner gesät als bei häufigeren Edelsteinen. Praktisch bedeutsam ist die Unterscheidung nach dem Farbgeber trotzdem: Chromhaltige Steine zeigen unter dem Chelsea-Filter Rot, eisenhaltige nicht.

Varietät Farbe Bemerkung
Farbloser Euklasfarblos bis weißhäufigste Ausbildung; als geschliffener Stein bis etwa 20 Karat bekannt
Blassblauer Euklashellblau, teils leicht grünstichigtypisches brasilianisches Schmuckmaterial, Eisen als Farbgeber
Kobaltblauer Euklas (Zimbabwe-Euklas)tiefes, gesättigtes Blauaus dem Mwami/Miami-Distrikt; farblich an feinen Saphir erinnernd, oberstes Preissegment
Grünblauer Chrom-Euklasgrünblau bis blaugrünkolumbianisches Material aus dem Smaragdmilieu; zeigt unter Chelsea-Filter Rot
Grüner Euklashellgrün bis tiefgelbgrünseltener als die blauen Farben; gute Sättigung erreicht hohe Preise
Rosa bis orangerosa Euklaszartrosa, orangerosaRarität, Mangan als Farbgeber, fast nur in Sammlungen
Violetter Euklasviolettgilt im Handel als seltenste und teuerste Farbe

Von farblos bis kobaltblau

Das Farbspektrum des Euklas ist breiter, als es die wenigen Bilder im Umlauf vermuten lassen. Am häufigsten sind farblose und weiße Kristalle, gefolgt von einem blassen, leicht ins Grünliche gehenden Hellblau, das typisch für brasilianisches Material ist. Darüber liegt ein sattes Mittelblau, das dem besseren Aquamarin nahekommt, und am oberen Ende steht das kobaltblaue Material aus dem Mwami-Distrikt in Simbabwe, das in gut gewachsenen Kristallen an feinen Saphir erinnert. Parallel dazu gibt es eine grüne Linie von zartem Hellgrün über kräftiges Gelbgrün bis zu tiefem Grün sowie die grünblauen kolumbianischen Steine. Rosa, orangerosa und violette Euklase sind ausgesprochene Raritäten und werden im Handel als die begehrtesten Farben geführt. Der Pleochroismus ist bei stark gefärbten Steinen deutlich und bewegt sich in Blautönen; er muss beim Schleifen berücksichtigt werden, weil er die Farbwirkung des fertigen Steins erheblich verändert.

Handelsnamen und was sie wert sind

Euklas hat keine mineralogisch anerkannten Varietäten. Was Ihnen im Handel begegnet, sind Farbbeschreibungen und Herkunftsangaben, die als Qualitätsmerkmal verwendet werden. Gebräuchlich sind Bezeichnungen wie kobaltblauer Euklas oder Zimbabwe-Euklas für das tiefblaue afrikanische Material, brasilianischer Euklas für die helleren Steine aus Minas Gerais und gelegentlich Chrom-Euklas für die kolumbianische chromhaltige Ware. Diese Namen sind beschreibend und nicht geschützt; sie sagen nichts über die tatsächliche Farbsättigung eines einzelnen Steins aus. Fordern Sie deshalb immer eine Beschreibung der Farbe unabhängig vom Herkunftsnamen und beurteilen Sie den Stein bei Tageslicht. Historisch wurde Euklas gelegentlich unter falschen Namen gehandelt, besonders als Aquamarin oder als blauer Topas — meist aus Unkenntnis, denn beide sind billiger als Euklas, sodass die Verwechslung in der Regel zulasten des Verkäufers ging. Ein Zertifikat ist bei diesem Stein Standard und sollte eingefordert werden.

Häufige Fragen

Woher kommt das Blau des Euklas?
Überwiegend von Eisen, das Aluminium im Kristallgitter teilweise ersetzt. Je nach Gehalt reicht die Wirkung von einem blassen Hellblau bis zu dem tiefen, kobaltartigen Blau des Materials aus Simbabwe. Chrom und Vanadium erzeugen dagegen grünblaue Töne, Mangan die seltenen rosa Farben.
Zeigt Euklas Pleochroismus?
Ja, bei kräftig gefärbten Steinen ist er deutlich und bewegt sich in Blautönen. Der Schleifer muss die Kristallorientierung deshalb bewusst wählen, damit die beste Farbe in Blickrichtung der Tafel liegt. Bei blassen und farblosen Steinen ist der Effekt kaum wahrnehmbar.
Wird Euklas farbbehandelt?
Handelsübliche Behandlungen sind nicht bekannt. Weder Brennen noch Bestrahlung haben sich bei Euklas etabliert, unter anderem weil das Material zu selten und zu bruchempfindlich für großflächige Versuche ist. Gehen Sie bei gefärbt wirkenden Steinen dennoch nicht ungeprüft von Natürlichkeit aus.