Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Datolith Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Datolith – Schliff & Bearbeitung

Datolith

Facettieren bei Mohs 5: was geht und was nicht

Datolith gehört zu den Steinen, die ein Facettierer aus Neugier schleift, nicht aus wirtschaftlichem Interesse. Mit Mohs 5 bis 5,5 liegt er im Bereich von Apatit und damit weit unter Quarz. Das hat zwei Folgen: Die Politur verlangt feinere Körnungen und mehr Geduld, und die fertigen Facettenkanten sind empfindlich gegen Nacharbeit an der Fassung. Zugute kommt dem Schleifer, dass Datolith überhaupt keine Spaltbarkeit besitzt — es gibt keine Richtung, in der ein Stein beim Dopen oder beim Schleifen unvermittelt aufreißt. Der Bruch ist muschelig bis uneben, das Material aber spröde, weshalb zu hoher Anpressdruck Ausmuschelungen an den Kanten erzeugt. Übliche Formen sind Ovale, Kissen und Treppenschliffe; die Smithsonian- und Harvard-Stücke zeigen, dass auch Dreiecksformen funktionieren. Die IGS beschreibt geschliffene Steine als sehr brillant, aber feuerarm — die Dispersion liegt bei nur 0,016.

Doppelbrechung 0,044 und was sie mit dem Stein macht

Die Doppelbrechung von 0,044 ist der Wert, der die Schliffwahl bestimmt. Sie ist so hoch, dass die IGS ausdrücklich von einer Verdopplung der Facettenbilder in geschliffenen Steinen spricht. Wer durch die Tafel eines größeren Datoliths blickt, sieht die hinteren Facettenkanten doppelt — ein Effekt, den man von Zirkon oder Peridot kennt. Für den Schleifer heißt das: Je größer der Stein, desto stärker fällt die Verdopplung auf, und desto ruhiger sollte das Facettenbild sein. Sehr kleinteilige Brillantmuster verwischen dadurch, während klare Stufenschliffe mit wenigen großen Facetten den Effekt eher als Reiz zeigen. Ein Ausrichten der Tafel senkrecht zu einer optischen Achse mildert die Verdopplung, kostet aber Ausbeute. Bei praktisch farblosem Material entfällt immerhin die sonst übliche Rücksicht auf die Farbachse. Der Stein wird also nach Ausbeute und nach Reinheit orientiert, nicht nach Farbe — bei kaum einem anderen Schleifstein ist das so.

Knollen sägen, schleifen und polieren

Die Michigan-Knollen werden nicht facettiert, sondern gesägt und poliert. Die IGS beschreibt Scheiben von etwa sechs Zoll Durchmesser und Cabochons aus brauner oder weißer derber Masse im Gewichtsbereich mehrerer Unzen. In der Praxis wird eine Knolle mittig getrennt, sodass zwei spiegelbildliche Hälften entstehen — deshalb werden im Handel Paare angeboten, die deutlich mehr kosten als eine Einzelhälfte. Danach wird flach geschliffen und poliert; das dichte, feinkörnige Gefüge nimmt eine gute Politur an. Problematisch sind poröse Zonen und Risse entlang der Kupferflitter: Dort bricht die Politur ein, weshalb ein Teil der Ware getränkt und als „Sanded & Stabilized“ verkauft wird. Cabochons entstehen als Freiformen, die der Kupferzeichnung folgen — ein kalibrierter Ovalschliff würde genau das Muster zerschneiden, für das man den Stein kauft.

Häufige Fragen

Kann man Datolith überhaupt im Brillantschliff schleifen?
Technisch ja, sinnvoll selten. Die hohe Doppelbrechung von 0,044 lässt viele kleine Facetten unruhig wirken, und die Dispersion von 0,016 liefert kaum Feuer. Ruhige Stufenschliffe oder einfache Ovale zeigen die hohe Brillanz des Steins besser, von der die IGS spricht.
Muss ich beim Schleifen auf die Spaltbarkeit achten?
Nein, Datolith hat keine. Das ist sein größter Vorteil gegenüber vielen gleich harten Mineralien. Achten müssen Sie auf die Sprödigkeit: Der Bruch ist muschelig bis uneben, und zu hoher Druck erzeugt Ausmuschelungen an den Kanten, besonders beim Polieren der Rondiste.
Wie groß werden geschliffene Steine?
Die IGS gibt als übliche Obergrenze etwa fünf Karat an, für Material aus Massachusetts und New Jersey. Als Ausnahmen nennt sie einen fehlerfreien Dreieckschliff von 13,21 ct in Harvard sowie 5,4 und 5,0 ct in der Smithsonian Institution. Alles über zwei Karat ist im Handel bereits ungewöhnlich.