Warum reiner Datolith farblos ist
Im idealen Gitter von CaBSiO4(OH) sitzt kein Element, das sichtbares Licht absorbiert: Calcium, Bor, Silizium, Sauerstoff und Wasserstoff sind allesamt keine Farbträger. steine-und-minerale.de hält deshalb fest, dass Datolith in Reinform farblos ist; alles andere ist Verunreinigung oder Einschluss. Wikipedia nennt als Farben farblos oder weiß, daneben grau, gelb, grün, blassgrün, rot und rosa, galleries.com zusätzlich bräunliche Töne. Die facettierbaren Kristalle liegen fast immer im blassen Bereich: Die IGS beschreibt geschliffene Steine als farblos oder blass gelblich bis grünlich mit hoher Brillanz, aber wenig Feuer. Der United States Geological Survey führt für Hampden County in Massachusetts ausdrücklich „faintly greenish“ facettierfähiges Material auf. Welches Element diese blassen Grün- und Gelbtöne verursacht, sagt keine der hier ausgewerteten Quellen — wir nennen deshalb keinen Chromophor, statt einen zu behaupten.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Farbloser Kristall | wasserklar bis weiß | Dalnegorsk, Charcas, Westfield; einziges Material für Facettenschliff |
| Blassgrüner Kristall | zartes Grün bis Gelbgrün | Paterson (New Jersey) und Hampden County (Massachusetts); USGS führt es als facettierfähig |
| Weiße Porzellanknolle | weiß bis cremeweiß | dichte Masse mit traubiger Oberfläche, Grundtyp der Keweenaw-Knollen |
| Rosa bis rote Knolle | rosa, mauve, rot | Farbe durch feinste Kupfereinschlüsse; Delaware Mine mit weißem Rand, Caledonia Mine rot |
| Gelbe Knolle | senfgelb bis orange | Keweenaw Point, aus Gängen im Bereich des Oberen Sees |
| Knolle mit Kupferdendriten | weiß mit metallischem Astwerk | dendritische Kupferverteilung, der gesuchteste Typ für Cabochons |
| Knolle mit Silber oder Cuprit | weiß mit grauen oder roten Flecken | seltener; Cuprit erzeugt zusätzliche rote Zonen |
| Blau oder grün verfärbte Knolle | blaugrün fleckig | nur von der Star Mine beschrieben, Verfärbung durch Begleitminerale |
Kupfer, Silber und Cuprit: die Farben der Keweenaw-Knollen
Bei den Michigan-Knollen ist die Farbursache dagegen gut dokumentiert und rein mechanisch. Das A. E. Seaman Mineral Museum beschreibt kleine Kupferflitter als Einschlüsse, häufig nahe der Oberfläche, die rosa und rötliche Töne hervorrufen; dazu treten Einschlüsse von gediegen Silber und von Cuprit. Die Verteilung kann fleckig, zonar abgestuft oder dendritisch sein — bei den besten Stücken zeichnet das Kupfer ein regelrechtes Astwerk in das weiße Porzellan. Die Gruben liefern dabei ihre eigenen Handschriften: Copper Falls weiße, rosa und gelbe Knollen mit Kupfer- und Silbereinschlüssen, Delaware große rosa, mauve oder rote Knollen mit weißem Rand, Iron City blassrosa bis weiße Stücke bis zehn Zentimeter, Keweenaw Point senfgelbe Knollen aus Gängen unter dem Oberen See, Star Mine blau oder grün verfärbte Exemplare. Weiße und grüne Typen können durchscheinend sein.
Handelsnamen, Fluoreszenz und was die Quellen offenlassen
Eigene Varietätennamen hat Datolith kaum. Im amerikanischen Handel laufen die Knollen schlicht als „Michigan Datolite“ oder „Copper Datolite“, nach Gruben unterschieden als Quincy-, Caledonia- oder Delaware-Datolith; die Grubenangabe ist dort ein Qualitätsmerkmal und kein Beiwerk. Unter kurzwelligem UV fluoresziert Datolith blau — Wikipedia und die IGS stimmen darin überein, die IGS führt die Lumineszenz auf Europium zurück. Das ist bemerkenswert, weil Europium sonst eher aus der Fluoreszenz von Fluorit bekannt ist. Das A. E. Seaman Mineral Museum bestätigt, dass ein Teil des Michigan-Materials fluoresziert, ohne dies zu quantifizieren. Beim Pleochroismus widersprechen sich die Quellen: Die IGS gibt „keiner“ an, gemfame.com hält Pleochroismus für möglich. Bei praktisch farblosen Steinen ist das ohne Belang — als Bestimmungsmerkmal taugt er nicht. Verlassen Sie sich stattdessen auf Härte, Dichte und Brechungsindex, die bei Datolith klar definiert sind.
