Arendal in Norwegen — und der Streit um die Typlokalität
Die klassische Angabe lautet Arendal in Aust-Agder, Norwegen. Dort wurde das Mineral aus den Eisenerzgruben beschrieben und 1806 von Jens Esmark benannt. Ganz eindeutig ist die Lage allerdings nicht: Wikipedia führt als Typlokalitäten die Diabase des Connecticut-Tals und Arendal gemeinsam auf, steine-und-minerale.de datiert die Erstbeschreibung auf 1805 und nennt als Ort Nödebroe in Norwegen. Für den Käufer ist das ohne Folgen, für den Sammler nicht: Wer eine Stufe „von der Typlokalität“ angeboten bekommt, sollte sich die genaue Grube nennen lassen. Norwegisches Material ist heute Altbestand und kommt fast nur noch aus aufgelösten Sammlungen. Das Connecticut-Tal liefert dagegen bis heute: Datolith mit Prehnit aus dem Roncari Quarry in East Granby, Hartford County, wurde im September 2026 als sechs Zentimeter große Stufe für 44 US-Dollar, rund 38 Euro, angeboten.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Arendal, Aust-Agder | Norwegen | klassische Typlokalität, Benennung 1806 durch Esmark; heute nur Altbestand |
| Diabase des Connecticut-Tals, u. a. Roncari Quarry, East Granby | USA | von Wikipedia als zweite Typlokalität geführt; Stufen mit Prehnit ab rund 38 Euro |
| Keweenaw-Halbinsel, Houghton und Ontonagon County (Quincy, Delaware, Caledonia, Centennial, Copper Falls, Phoenix) | USA | kupferführende Knollen bis 30 cm; Centennial Mine mit 12 Zoll und 22 Pfund |
| Bor-Grube, Dalnegorsk, Primorje | Russland | große Kristalle in Edelsteinqualität; Stufen bis in den vierstelligen Bereich |
| Charcas, San Luis Potosí | Mexiko | Kristalle, teils auf Danburit aufgewachsen |
| Lane's Quarry bei Westfield, Hampden County, Massachusetts | USA | historische Quelle facettierfähiger, blassgrünlicher Kristalle |
| Paterson sowie Passaic und Bergen County, New Jersey | USA | facettierfähiges Material aus Basaltdecken, laut USGS |
| Habachtal und Tirol, Südtirol, Faraday Mine (Ontario) | Österreich, Italien, Kanada | weitere Kristallvorkommen von Sammlerrang |
Dalnegorsk und Charcas: woher die durchsichtigen Kristalle kommen
Die schönsten Kristalle der Gegenwart stammen aus der Bor-Grube von Dalnegorsk in der Region Primorje im russischen Fernen Osten; die IGS nennt sie ausdrücklich als Quelle großer Kristalle in Edelsteinqualität. Der Markt dafür ist ein Stufenmarkt: Kleine Einzelkristalle beginnen bei etwa 20 bis 55 US-Dollar, ein großer Kristall kostet 185 US-Dollar, und eine 15,5 Zentimeter große, rundum kristallisierte Stufe mit bis zu drei Zentimeter großen Kristallen war bei einer Auktion mit 2.500 bis 3.000 US-Dollar taxiert. Die zweite wichtige Kristallfundstelle ist Charcas in San Luis Potosí, Mexiko. Dort sitzt Datolith unter anderem auf Danburit — ein Angebot beschreibt genau diese Kombination für 50 US-Dollar. Weitere Kristallvorkommen nennt die IGS in Tirol und im Habachtal (Österreich), an der Faraday Mine in Ontario, in Südafrika und in Cornwall.
Die Keweenaw-Halbinsel: ein Markt aus Halden, Seegrund und Altbeständen
Michigan ist der Sonderfall. Das A. E. Seaman Mineral Museum beschreibt Datolith dort als ausschließlich an die Kupferlagerstätten gebunden und listet die Gruben mit ihren Farben auf: Copper Falls, Delaware, North Cliff mit farblosen, gut auskristallisierten Stücken, Phoenix mit durchsichtigem, glasigem und teils rosa Material, Iron City, Star Mine. Aus der Centennial Mine ist eine Knolle von zwölf Zoll und 22 Pfund überliefert. Der Kupferbergbau ist Geschichte, die Ware kommt heute aus alten Halden, vom Seegrund und von Stränden des Oberen Sees sowie aus Altsammlungen — ein Händler datiert das Etikett einer Quincy-Knolle auf den Mineralienhändler Lazard Cahn und das Jahr 1912, ein anderer gibt an, sein Stück 2020 auf alten Abraumhalden gefunden zu haben. Das erklärt, warum die Preise für farbstarke Grubenstücke stabil bleiben.
