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Das Edelstein-Lexikon

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Datolith Lexikon · Entstehung & Mineralogie

Datolith – Entstehung & Mineralogie

Datolith

Blasenhohlräume, Gänge und Skarne: drei Milieus, ein Mineral

Datolith ist ein typisches Mineral der späten, niedrigtemperierten Phase. geologyscience.com beschreibt die Bildung nicht aus hochtemperiertem Magma, sondern aus heißen, borreichen Lösungen, die nach der vulkanischen Tätigkeit durch Risse und Hohlräume strömen; genannt werden Skarnbereiche, basaltische Hohlräume und hydrothermale Gangsysteme. Das A. E. Seaman Mineral Museum präzisiert das für Michigan: Dort sitzt Datolith in Blasenhohlräumen basaltischer Laven und in hydrothermalen Gängen, innerhalb der Lagerstätten des gediegenen Kupfers vor allem in brekziierten Mandelsteinlagen. steine-und-minerale.de nennt daneben ein metamorphes Milieu und führt Glimmerschiefer, Pegmatit und Gneis an — das steht quer zum Bild der übrigen Quellen und sollte Sie nicht verwirren: Die ganz überwiegende Zahl der bekannten Vorkommen sitzt in Vulkaniten und in Kontaktgesteinen. Gemeinsam ist allen Milieus, dass Calcium, Bor und Wasser gleichzeitig verfügbar sein müssen.

Calcium, Bor und eine OH-Gruppe: der Bau des Kristalls

Die Formel CaBSiO4(OH) beschreibt ein Inselsilikat, in dem Bor-Tetraeder und Silizium-Tetraeder gemeinsam ein Gerüst bilden und Calcium sowie eine Hydroxylgruppe eingebaut sind; die Strunz-Nummer lautet 9.AJ.20. Das A. E. Seaman Mineral Museum schreibt dieselbe Zusammensetzung verdoppelt als Ca2B2Si2O8(OH)2 — inhaltlich derselbe Stoff, nur eine andere Schreibkonvention. Das Kristallsystem ist monoklin, Klasse 2/m, Raumgruppe P21/c. Bemerkenswert ist der Winkel beta: Er beträgt 90,15 Grad, weicht also nur um ein Sechstel Grad von 90 Grad ab. Das Gitter ist damit fast orthorhombisch, und die Kristalle wirken entsprechend pseudosymmetrisch. Zusammen mit den zahlreichen Flächen an den Endungen erklärt das den keilförmigen, schwer zu deutenden Habitus. Die Hydroxylgruppe im Gitter ist der Grund, warum Sie mit Hitze zurückhaltend sein sollten — sie ist chemisch gebunden, aber nicht beliebig belastbar.

Paragenese und die Erstbeschreibung von 1806

Als Begleiter nennen Wikipedia und galleries.com übereinstimmend Prehnit, Danburit, Babingtonit, Epidot, gediegen Kupfer, Calcit, Quarz und Zeolithe; geologyscience.com ergänzt Apophyllit, steine-und-minerale.de außerdem Amethyst, Chalcedon, Fluorit, Axinit und Granat. Diese Gesellschaft ist der beste Hinweis auf die Entstehung: Wo Prehnit und Zeolithe sitzen, war eine späte, wässrige Lösung am Werk. Benannt wurde das Mineral 1806 von Jens Esmark nach griechisch dateisthai, teilen, und lithos, Stein — nach der körnigen Absonderung mancher Aggregate, die beim Anfassen zerfallen. Bei den Daten gehen die Quellen auseinander: steine-und-minerale.de nennt 1805 und als Ort Nödebroe in Norwegen, Wikipedia führt als Typlokalitäten sowohl Arendal in Aust-Agder als auch die Diabase des Connecticut-Tals an. Wir geben beide Angaben wieder, statt eine davon zu glätten. Unstrittig ist allein, dass der Name auf eine physikalische Beobachtung zurückgeht und nicht auf eine Farbe oder einen Fundort.

Häufige Fragen

Woher stammt das Bor im Datolith?
Aus den hydrothermalen Lösungen, nicht aus der Schmelze selbst. geologyscience.com beschreibt ausdrücklich heiße, borreiche Wässer, die nach der vulkanischen Tätigkeit durch Klüfte zirkulieren. Bor reichert sich in solchen Restlösungen an, weil es kaum in die früh kristallisierenden Silikate eingebaut wird.
Warum sitzt Datolith so oft neben Prehnit und Zeolithen?
Weil alle drei dasselbe Fenster nutzen: niedrige Temperaturen, viel Wasser, Hohlräume in erstarrtem Basalt. Prehnit, Zeolithe, Calcit und Datolith kristallisieren nacheinander aus derselben Lösung. Wikipedia und galleries.com führen Prehnit deshalb an erster Stelle der Begleitminerale.
Entstehen Knollen und Kristalle unterschiedlich?
Sie entstehen im selben Milieu, aber unter verschiedenen Wachstumsbedingungen. Das A. E. Seaman Mineral Museum unterscheidet ausdrücklich zwei Formen: porzellanartige Massen mit traubig-nieriger Oberfläche und frei gewachsene Kristalle. Enge, mit Lösung gefüllte Mandelhohlräume begünstigen die dichte, feinkörnige Knolle, offene Hohlräume die Einzelkristalle.