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Apophyllit Lexikon · Herkunft & Fundorte

Apophyllit – Herkunft & Fundorte

Apophyllit

Hällestad in Östergötland: wo alles anfing

Der Erstfundort liegt in Schweden: die Sörgrube bei Hällestad in Östergötland. Dort wurde das Material 1784 von Carl Rinman als „Zeolith von Hellesta“ erwähnt, bevor José Bonifácio de Andrada e Silva es als eigene Art beschrieb und René-Just Haüy 1805 den Namen Apophyllit prägte. Eine formal ausgewiesene Typlokalität für Fluorapophyllit-(K) gibt es nach der deutschsprachigen Gruppenbeschreibung allerdings nicht — ein Nachhall der verwickelten Nomenklaturgeschichte, in der die heutige Art erst 1978 als Endglied definiert wurde. Eindeutig sind dagegen die Typlokalitäten der Schwesterarten: Hydroxyapophyllit-(K) stammt aus der Ore Knob Mine in Ashe County, North Carolina, Fluorapophyllit-(Na) aus der Sampo Mine in Japan. Schwedisches Material spielt am heutigen Markt keine Rolle mehr; es ist mineralogiehistorisch interessant und in Museumssammlungen zu finden, kommt aber praktisch nicht mehr in den Handel.

Fundort Land Besonderheit
Sörgrube bei Hällestad, ÖstergötlandSchwedenErstfundort, 1784 von Carl Rinman erwähnt; formal keine ausgewiesene Typlokalität für Fluorapophyllit-(K)
Jalgaon, MaharashtraIndienSeit 2021 neu erschlossene Vorkommen mit zweifarbigen Kristallen: mintgrüner Körper, farblose Spitze, auf Basalt mit Stilbitgarben
Pune (Poona) mit Lonavala und Pashan Hills, MaharashtraIndienKlassisches Revier; grüne Kristalle mit hohem Vanadiumgehalt; Referenzmaterial der gemmologischen Literatur (ω 1,530 / ε 1,533, Dichte 2,37)
Nashik und Ahmednagar, MaharashtraIndienWeitere Trapp-Steinbrüche des Dekkan-Reviers, regelmäßig Handelsware
St. Andreasberg, HarzDeutschlandKlassische hydrothermale Gänge; Bergbau eingestellt, nur noch Altbestand aus Sammlungen
Paterson und Millington, New JerseyUSATrapp-Steinbrüche, historisch bedeutende Zeolith- und Apophyllitvorkommen
Mont Saint-HilaireKanadaAlkalikomplex mit großem Artenreichtum; auch Bay of Fundy, Nova Scotia
Guanajuato, Chihuahua und San Martín/ZacatecasMexikoWichtigste außerindische Vorkommen für farbiges Material

Maharashtra beherrscht den Weltmarkt

Praktisch jede Apophyllitstufe, die Ihnen heute angeboten wird, stammt aus dem indischen Bundesstaat Maharashtra. Das Revier umfasst das Dreieck Mumbai–Pune–Nashik sowie den nördlich anschließenden Distrikt Jalgaon. Konkret genannt werden im Handel Jalgaon, Pune (Poona), Nashik, Ahmednagar und Lonavala; aus dem Pune-Distrikt sind der Steinbruch bei Lonavala und die Pashan Hills dokumentiert, aus denen das vanadiumhaltige grüne Material beschrieben wird. Wagholi bei Poona ist als Cavansit-Fundstelle bekannt, die denselben Zeolithrasen liefert. Aus Jalgaon kamen 2021 neu erschlossene Vorkommen mit zweifarbigen Kristallen — mintgrüner Körper, farblose Spitze — auf großflächigen Basaltmatrizen mit Stilbitgarben. Das Material kommt fast ausschließlich aus dem Abbau von Straßen- und Bauschottern; die Stufen sind also Nebenprodukte des Steinbruchbetriebs. Das erklärt sowohl die große Menge als auch die schwankende Verfügbarkeit einzelner Qualitäten.

Europäische, amerikanische und weitere Vorkommen

Außerhalb Indiens ist Apophyllit weit verbreitet, aber selten in Schaustufenqualität. In Europa sind die hydrothermalen Gänge von St. Andreasberg im Harz klassisch, dazu Kongsberg in Norwegen, Fundstellen in Schottland und Irland, die Färöer und Island — überall dort, wo basaltische Laven mit Hohlräumen anstehen. In den Alpen tritt Apophyllit in alpinotypen Zerrklüften auf. In Nordamerika sind die Trapp-Steinbrüche von New Jersey klassisch, namentlich Paterson und Millington, dazu die Fairfax Quarry in Virginia sowie Vorkommen in Colorado, Michigan, Oregon, Pennsylvania und Washington; in Kanada sind Mont Saint-Hilaire und die Bay of Fundy in Nova Scotia zu nennen. Mexiko liefert Material aus Guanajuato, Chihuahua und San Martín in Zacatecas. Weitere Vorkommen bestehen in Brasilien, Japan, China, Australien, Südafrika, Bulgarien, Italien, Finnland und Russland. Weltweit waren 2016 rund 1.100 Fundstellen dokumentiert.

Häufige Fragen

Welcher Fundort liefert die besten Stufen?
Maharashtra in Indien, ohne ernsthafte Konkurrenz. Die Kombination aus Kristallgröße, Transparenz, Farbe und der ästhetischen Vergesellschaftung mit Stilbit und Heulandit erreicht kein anderes Revier. Innerhalb Maharashtras haben die Distrikte Jalgaon und Pune den besten Ruf; aus Jalgaon stammt das bekannte zweifarbige Material mit mintgrünem Körper und farbloser Spitze, aus den Pashan Hills bei Pune das vanadiumhaltige grüne. Nashik, Ahmednagar und Lonavala liefern ebenfalls regelmäßig gute Ware. Für Sammler mit Interesse an Fundortsystematik sind daneben St. Andreasberg, Paterson in New Jersey und Mont Saint-Hilaire die klassischen Adressen.
Sind deutsche Fundorte noch ergiebig?
Nein, nicht im Sinne verfügbarer Handelsware. St. Andreasberg im Harz ist der klassische deutsche Fundort, wo Apophyllit in hydrothermalen Erzgängen auftrat. Der Bergbau dort ist längst eingestellt, Material aus diesen Gängen ist Altbestand und erscheint fast nur noch über Sammlungsauflösungen im Markt. Wenn Ihnen eine Stufe als „St. Andreasberg“ angeboten wird, ist der Nachweis der Sammlungsprovenienz — altes Etikett, dokumentierte Vorbesitzer — der eigentliche Werttreiber. Neue Funde sind nicht zu erwarten. Für Schaustufen greifen Sie besser zu indischem Material.
Was bedeutet die Angabe „Poona“ auf älteren Etiketten?
Poona ist die ältere englische Schreibweise für Pune, die Distrikthauptstadt südöstlich von Mumbai. Gemmologische Literatur, etwa zu den optischen Konstanten facettierten Materials, bezieht sich bis heute auf „Poona“ als Herkunftsangabe. Es handelt sich also nicht um einen anderen Fundort, sondern um denselben unter altem Namen. Gleiches gilt für „Bombay“ statt Mumbai. Beide Angaben sind in der Regel Sammelbezeichnungen für ein größeres Revier und nicht für einen einzelnen Steinbruch — eine präzisere Fundortangabe, etwa der Name des Steinbruchs, steigert den Sammlerwert einer Stufe deutlich.