Vanadium als Ursache des berühmten Grüns
Reiner Fluorapophyllit-(K) ist farblos. Die begehrte apfel- bis mintgrüne Färbung indischer Kristalle wird in der mineralogischen Literatur auf Vanadium zurückgeführt; Beschreibungen von Material aus den Pashan Hills bei Pune nennen ausdrücklich einen hohen Vanadiumgehalt als Ursache der blassgrünen Farbe. Die deutschsprachige Gruppenbeschreibung nennt ebenfalls Vanadium. Handelsquellen führen daneben Vanadium in der Oxidationsstufe V⁴⁺ oder Eisen als mögliche Farbträger an. Wir halten fest: Vanadium ist die in den mineralogischen Quellen genannte Ursache, Eisen wird in gemmologischen Übersichten zusätzlich erwähnt, eine eindeutige, durch Spektroskopie belegte Zuordnung konnten wir in den geprüften Quellen nicht finden. Auffällig ist, dass grünes Material oft zonar gebaut ist: mintgrüne Kristallkörper mit farblosen Spitzen, ein Hinweis darauf, dass der Farbträger nur während eines Abschnitts des Wachstums verfügbar war. Grünes Material ist durchweg das teuerste und kommt in facettierbarer Qualität nur in kleineren Stücken vor.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Grüner Apophyllit | Mint- bis apfelgrün, blaugrün | Farbträger in mineralogischen Quellen: Vanadium; gemmologische Übersichten nennen zusätzlich Eisen. Teuerste Handelsware, meist aus Maharashtra, oft mit farblosen Kristallspitzen |
| Farbloser Apophyllit | Wasserklar | Die gemmologisch wertvollste Qualität für Facettierer; Rohstücke über 10 ct gelten als sehr selten |
| Weißer Apophyllit | Weiß, trüb | Keine Pigmentierung, sondern Lichtstreuung an inneren Rissen und Spaltansätzen |
| Rosa bis fleischroter Apophyllit | Rosa, fleischrot, rötlich | Deutlich seltener; für rosa Ware in Schmuckfassung werden bis 850 US-Dollar genannt |
| Gelblicher Apophyllit | Blassgelb | Als Farbe der Gruppe belegt; im Handel selten eigenständig angeboten |
| Chromocyclit | Farbabhängig | Einzige in gemmologischen Übersichten geführte Varietät, benannt nach Interferenzringen zwischen gekreuzten Polarisatoren |
| Ichthyophthalm / Fischaugenstein | Meist farblos bis weiß | Historischer Name von José Bonifácio de Andrada e Silva, nach dem Perlmuttglanz der Basisfläche; auf alten Etiketten bis heute anzutreffen |
Vom wasserklaren Prisma bis zum fleischroten Kristall
Das Farbspektrum ist breiter, als der Ruf des Minerals vermuten lässt. Belegt sind farblos, weiß, grau, gelblich, rosa bis fleischrot, grün und blaugrün. Weiße Kristalle sind meist nicht pigmentiert, sondern nur durch innere Lichtbrechung getrübt — feine Risse und Einschlüsse entlang der Spaltebenen streuen das Licht. Die besten indischen Stücke sind dagegen wasserklar wie Bergkristall und zeigen auf der Basisfläche einen ausgeprägten Perlmuttschimmer. Rosa und fleischrote Kristalle sind deutlich seltener und werden vor allem aus indischen und mexikanischen Vorkommen gemeldet; ein Handelsbericht nennt für seltene rosa Stücke in Schmuckfassung Preise bis 850 US-Dollar. Pleochroismus ist bei gemmologischen Übersichten als nicht vorhanden angegeben; die mineralogische Gruppenbeschreibung nennt bei grünem Material dagegen einen möglichen Dichroismus mit blaugrün parallel zur c-Achse und gelbgrün senkrecht dazu. Bei farblosem Material stellt sich die Frage ohnehin nicht.
Varietäten, Handelsnamen und die Sache mit der Bestrahlung
Echte Varietätennamen gibt es bei Apophyllit kaum. Gemmologische Übersichten führen einzig Chromocyclit an, benannt nach Interferenzringen, die sich zwischen gekreuzten Polarisatoren zeigen. Historisch verbreitet ist Ichthyophthalm beziehungsweise Fischaugenstein — der ursprüngliche Name von Andrada e Silva, der bis heute auf alten Etiketten auftaucht. Im Handel dominieren schlichte Farbbezeichnungen: grüner Apophyllit, klarer Apophyllit, Apophyllit auf Stilbit. Wichtig zu wissen: Grün lässt sich auch künstlich erzeugen. Gemmologische Quellen nennen Bestrahlung als Behandlung, die farbloses Material grün färbt, und Erhitzen als Verfahren, das diese Farbe wieder zurücknimmt. Bei ungewöhnlich kräftig und gleichmäßig grünen, einzeln angebotenen Kristallen ohne Matrix sollten Sie deshalb nachfragen. Natürliches Grün ist meist zart, zonar verteilt und sitzt auf einer erkennbaren Basaltmatrix mit Zeolithbegleitern. Ein zweites Thema sind Beschichtungen aus diamantähnlichem Kohlenstoff oder synthetischem Diamantfilm, die an facettierten Steinen die Oberflächenhärte erhöhen sollen.
