Farbtiefe, Matrixanteil und Größe bestimmen den Preis
Drei Größen entscheiden über den Wert. Erstens die Farbtiefe im aufgeladenen Zustand: Ein Stein, der nach einer halben Stunde Sonne nur blassrosa wird, ist deutlich weniger wert als einer, der ein sattes Karminrot erreicht. Zweitens der Anteil heller Matrix. Fast jeder Tugtupit trägt weiße Adern aus Albit, Analcim oder Natrolith; je geschlossener die rote Fläche, desto höher der Preis. Drittens Größe und Transparenz. Die International Gem Society nennt 1 bis 2 Karat als übliche Größe geschliffener Steine und facettiertes Material als äußerst selten — die Transparenz ist bei diesem Material der eigentliche Engpass, weil die Substanz meist nur durchscheinend bis undurchsichtig vorliegt. Hinzu kommt als vierter, weicher Faktor die Herkunftsdokumentation: Grönländische Ware mit konkreter Fundortangabe erzielt in der Praxis höhere Preise als undeklariertes Material.
| Qualitätsstufe | Merkmale | Preisspanne |
|---|---|---|
| Sammlerrohstück | Ungeschliffene Partien in Lujavrit oder Albitader, UV-aktiv | Einzelstück eines deutschen Anbieters bei 775 Euro |
| Großer Matrix-Cabochon | 33,50 ct, himbeerrosa, opak bis durchscheinend, deutliche helle Zeichnung | 200 Euro je Stein, rund 6 Euro je Karat |
| Mittlerer Cabochon, rosa-orange | 7,16 ct, 19 mal 13 mm, starke Fluoreszenz, unbehandelt | 90 Pfund je Stein, rund 13 Pfund je Karat |
| Mittlerer Cabochon, pink bis rot | 8,34 ct, 19 mal 14 mm, gemmologisch als Edelsteinqualität bezeichnet | 105 Pfund je Stein, rund 13 Pfund je Karat |
| Kleiner Cabochon, farbstark | 5,82 ct, 18,6 mal 15,1 mm, kräftig pink bis rot | 115 Pfund je Stein, rund 20 Pfund je Karat |
| Facettierter Stein | 2,99 ct, durchscheinend, pinkrot, Fantasieschliff | 180 Pfund je Stein, rund 60 Pfund je Karat |
| Verdächtig deklarierte Ware | 55 ct angeblich Tugtupit, Herkunftsangabe Indien, Großhandelspreis | 20 US-Dollar je Stein — Herkunft und Bestimmung prüfen |
Preisstufen im europäischen Fachhandel
Konkrete Zahlen aus aktuell gelisteten Angeboten: Ein deutscher Sammlersteinhändler verlangt für einen himbeerrosa Tropfen-Cabochon von 33,50 Karat mit 23 mal 18 Millimetern aus Ilímaussaq 200 Euro einschließlich Umsatzsteuer, umgerechnet rund 5,97 Euro je Karat. Der britische Spezialhändler Gemgazer ruft für kleinere, kräftig gefärbte Cabochons aus Narsaq 90 Pfund für 7,16 Karat, 105 Pfund für 8,34 Karat und 115 Pfund für 5,82 Karat auf; das entspricht etwa 13 bis 20 Pfund je Karat. Für einen facettierten, durchscheinenden Stein von 2,99 Karat verlangt derselbe Anbieter 180 Pfund, also rund 60 Pfund je Karat. Ein großes, ungeschliffenes Sammlerstück eines deutschen Anbieters war mit 775 Euro ausgezeichnet. Faustregel: Je kleiner, klarer und farbstärker, desto höher der Karatpreis — bei Tugtupit kostet ein Karat im Kleinen ein Vielfaches des Karats im Großen.
Falsch deklarierte Ware und der Ladezustand auf dem Produktfoto
Klassische Imitationen in Form gefärbter Ersatzminerale sind für Tugtupit nicht dokumentiert; die International Gem Society führt keine handelsüblichen Behandlungen auf und hält fest, dass synthetische Analoga nur wissenschaftlich hergestellt werden. Das eigentliche Risiko liegt bei der Herkunft: Auf einer großen Handelsplattform wird ein „natürlicher Tugtupit-Cabochon“ von 55 Karat für 20 US-Dollar aus Jaipur in Indien angeboten — bei einem Mineral, dessen schmuckfähige Vorkommen auf Südgrönland beschränkt sind, ist eine solche Angabe ein Warnsignal, und der Karatpreis liegt weit unter jedem belegten Marktniveau. Zweitens sollten Sie Produktfotos richtig lesen. Händler bilden Tugtupit regelmäßig auch unter lang- und kurzwelligem UV ab; ein deutscher Anbieter merkt ausdrücklich an, dass der Stein ohne UV wieder etwas zu einem helleren Rosa verblasst. Verlangen Sie im Zweifel ein Bild im entladenen Zustand.
