Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Skolezit Lexikon · Entstehung & Mineralogie

Skolezit – Entstehung & Mineralogie

Skolezit

Blasenhohlräume im veränderten Basalt

Skolezit entsteht nicht mit dem Gestein, sondern danach. Er ist ein Sekundärmineral, das sich bildet, wenn niedrig temperierte, wasserreiche Lösungen bereits erstarrten Basalt durchsetzen. Die Bühne dafür liefern Mandelsteine: Gasblasen, die in der erkaltenden Lava eingeschlossen wurden und später als Hohlräume zur Verfügung stehen. Zeolithe kristallisieren dort typischerweise unter etwa 400 Grad Celsius aus, meist bei der Umwandlung wasserreicher vulkanischer Gesteine. In den Basalten der Färöer ließ sich diese Abhängigkeit sogar quantifizieren: Die Zeolithführung ordnet sich in Zonen, und Skolezit tritt zusammen mit Mesolith in der Mesolith-Zone auf, die einer Bildungstemperatur von etwa 90 bis 100 Grad Celsius entspricht. Darüber folgt die Stilbit-Heulandit-Zone mit 110 bis 130 Grad, darunter die Analcim-Zone mit 70 bis 90 Grad. Neben Basalt kennt man Skolezit auch aus alpinen Klüften sowie aus hydrothermal oder kontaktmetamorph überprägten Gesteinen. Die maximale Versenkungstiefe des Gesteins steuert dabei, welche Zeolithe Sie an einer Fundstelle antreffen.

Drei Wassermoleküle im Gerüst: die Kristallchemie

Chemisch ist Skolezit ein Calcium-Aluminium-Silikat der Zusammensetzung Ca[Al2Si3O10] · 3 H2O. Das Gerüst besteht aus eckenverknüpften Silicium- und Aluminium-Sauerstoff-Tetraedern, die Kanäle und Käfige umschließen. In diesen Hohlräumen sitzen die Calcium-Ionen und das zeolithische Wasser. Zeolithe können, bezogen auf ihr Trockengewicht, bis zu 40 Prozent Wasser enthalten, und sie geben es beim Erhitzen ab, ohne dass das Kristallgitter zusammenbricht; an feuchter Luft nehmen sie es wieder auf. Genau dieser reversible Wasserhaushalt erklärt das Verhalten vor dem Lötrohr. Innerhalb der Zeolithgruppe gehört Skolezit zum Strukturtyp NAT mit eindimensionalem Kanalsystem, also zu den Faserzeolithen um Natrolith. Er kristallisiert monoklin in der Raumgruppe Cc mit den Gitterparametern a = 18,51 Ångström, b = 18,97 Ångström, c = 6,53 Ångström und β = 90,6 Grad. Der Winkel β so nahe an 90 Grad ist der eigentliche Grund für den pseudorhombischen Eindruck der Kristalle.

Erstbeschreibung 1813 und der Streit um die Typlokalität

Beschrieben wurde Skolezit 1813 von Adolph Ferdinand Gehlen und Johann Nepomuk Fuchs. Der Name verweist auf das griechische skolex, den Wurm, und damit auf das Verhalten der Nadeln vor dem Lötrohr. Bei der Typlokalität wird es unscharf: Üblicherweise wird das Gebiet um den Berufjörður im Osten Islands genannt, doch gilt diese Zuordnung ausdrücklich als nicht verbürgt. Andere Quellen nennen stattdessen den Kaiserstuhl in Baden-Württemberg als Ort der Erstbeschreibung. Wer Skolezit dokumentiert, sollte diese Unsicherheit stehen lassen, statt sie glattzubügeln — in einem Sammlungsetikett ist ein Fragezeichen ehrlicher als eine erfundene Gewissheit. Mineralogisch gut belegt ist dagegen die Stellung im System: Skolezit bildet mit Natrolith eine Mischkristallreihe, in der Mesolith das intermediäre Zwischenglied darstellt. Alle drei zählen zu den Gerüstsilikaten mit zeolithischem Wasser und stehen nach Strunz in der Klasse der Silikate bei den Zeolithen.

Häufige Fragen

In welchem Gestein entsteht Skolezit?
Überwiegend in den Blasenhohlräumen und Klüften veränderter Basalte, also in Mandelsteinen. Er ist ein Sekundärmineral, das bei niedrigen Temperaturen aus wasserreichen Lösungen auskristallisiert. Daneben kennt man ihn aus alpinen Klüften sowie aus hydrothermal oder kontaktmetamorph überprägten Gesteinen.
Bei welcher Temperatur bildet sich Skolezit?
Zeolithe kristallisieren in der Regel unter etwa 400 Grad Celsius. In den Basalten der Färöer ließ sich die Zonierung genauer fassen: Skolezit tritt dort zusammen mit Mesolith in der Mesolith-Zone auf, die etwa 90 bis 100 Grad Celsius entspricht — unterhalb der Stilbit-Heulandit-Zone mit 110 bis 130 Grad.
Wer hat Skolezit erstmals beschrieben?
Adolph Ferdinand Gehlen und Johann Nepomuk Fuchs im Jahr 1813. Als Typlokalität wird üblicherweise das Gebiet um den Berufjörður in Ostisland genannt, diese Zuordnung gilt jedoch als nicht verbürgt; andere Quellen nennen den Kaiserstuhl in Baden-Württemberg.