Skolezit ist ein Zeolith aus den Basaltmandeln des indischen Deccan-Trapps: farblose bis weiße Nadelbüschel mit einer Härte von 5 bis 5,5. Sein Name stammt von einem Experiment — unter der Lötrohrflamme krümmt sich die Nadel wie ein Wurm, weil das Kristallwasser entweicht. Genau das macht ihn leicht bestimmbar und jede Hitze im Werkstattalltag zum Tabu.
Skolezit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Silikate und Germanate; Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem Wasser, Zeolithgruppe, Natrolith-Untergruppe (Faserzeolithe, Strukturtyp NAT) |
| Chemische Formel | Ca[Al2Si3O10] · 3 H2O |
| Kristallsystem | monoklin, Raumgruppe Cc (Nr. 9); durch Zwillingsbildung häufig pseudotetragonal bis pseudorhombisch wirkend |
| Mohs-Härte | 5 bis 5,5 |
| Dichte | 2,2 bis 2,3 g/cm³ (Literaturspanne insgesamt 2,16 bis 2,40) |
| Brechungsindex | nα 1,507–1,513; nβ 1,516–1,520; nγ 1,517–1,521 (gemmologische Tabellen: 1,507–1,523) |
| Doppelbrechung | etwa 0,007; optisch zweiachsig negativ, 2V 36 bis 56 Grad, kein Pleochroismus |
| Glanz | Glasglanz auf unverletzten Flächen, Seidenglanz bei feinnadeligen Aggregaten |
| Spaltbarkeit | vollkommen in zwei Richtungen nach {110}, parallel zur Kristalllänge |
| Bruch | uneben bis muschelig, spröde |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Farben | farblos und weiß; als Varianten rosa, lachsfarben, rot, grün, gelb, violett — durch Beimengungen. Strichfarbe weiß |
| Wichtigste Fundorte | Nasik und Pune (Maharashtra, Deccan-Trapp, Indien); Kolar (Indien); Teigarhorn am Berufjörður (Island); Färöer (v. a. Bohrung Lopra-1/1A); Santa Catarina (Brasilien); Isle of Skye (Schottland); Riverside County, Kalifornien (USA); Graubünden (Schweiz); Kärnten (Österreich) |
| Behandlungen | keine üblichen Behandlungen bekannt; Händler geben für facettierte Ware regelmäßig „keine Behandlung“ an. Jede Wärmebehandlung würde das zeolithische Wasser austreiben und den Stein zerstören |
| Erstbeschreibung | 1813 durch Adolph Ferdinand Gehlen und Johann Nepomuk Fuchs; als Typlokalität wird üblicherweise das Gebiet um den Berufjörður in Ostisland genannt, die Zuordnung gilt jedoch als nicht verbürgt — andere Quellen nennen den Kaiserstuhl in Baden-Württemberg |
Der Wurm in der Flamme: ein Name als Gebrauchsanweisung
Den Namen erhielt das Mineral 1813 von Adolph Ferdinand Gehlen und Johann Nepomuk Fuchs. Sie griffen zum griechischen skolex, dem Wurm, weil sich eine Skolezitnadel vor dem Lötrohr aufbläht und dabei wurmartig krümmt. Das ist keine Anekdote, sondern Kristallchemie: Skolezit ist ein Zeolith und trägt drei Moleküle Wasser je Formeleinheit in den Kanälen seines Gerüsts. Erhitzen Sie das Material, entweicht dieses zeolithische Wasser, die Nadel verzieht sich, und die polierte Fläche ist dahin. Für Sie als Käufer oder Goldschmied steht damit schon im Namen, was der Stein nicht verträgt. Die klassische Lötrohrprobe bleibt ein eindeutiger Bestimmungstest — aber sie zerstört das Prüfstück und hat an einem geschliffenen Cabochon nichts zu suchen. Jede Arbeitsanweisung zu Skolezit läuft deshalb auf denselben Satz hinaus: kalt arbeiten, kalt reinigen, kalt fassen. Wer diesen einen Zusammenhang verstanden hat, versteht den ganzen Stein.
Chemie, Gitter und die Kennwerte, auf die es ankommt
Skolezit trägt die Formel Ca[Al2Si3O10] · 3 H2O und gehört damit zu den Gerüstsilikaten mit zeolithischem Wasser, innerhalb der Zeolithgruppe zur Natrolith-Untergruppe, den Faserzeolithen. Er kristallisiert monoklin in der Raumgruppe Cc, wirkt durch Zwillingsbildung nach {100} aber häufig pseudotetragonal bis pseudorhombisch — ein Grund, warum die Bestimmung am Habitus allein unsicher bleibt. Die Mohshärte liegt bei 5 bis 5,5, die Dichte nach Literaturangaben zwischen 2,16 und 2,40, bei Handelsmaterial meist bei 2,2 bis 2,3. Die Brechungsindizes liegen eng beieinander: nα 1,507 bis 1,513, nβ 1,516 bis 1,520, nγ 1,517 bis 1,521. Daraus folgt eine Doppelbrechung um 0,007. Skolezit ist optisch zweiachsig negativ mit einem 2V von 36 bis 56 Grad und zeigt keinen Pleochroismus. Die Spaltbarkeit ist in zwei Richtungen vollkommen, der Bruch uneben bis muschelig, das Material ausgesprochen spröde. Zusätzlich ist Skolezit pyroelektrisch und piezoelektrisch.
Nadelbüschel aus dem Deccan-Basalt
Skolezit ist ein Sekundärmineral. Er wächst in den Blasenhohlräumen und Klüften veränderter Basalte, wenn niedrig temperierte, wasserreiche Lösungen das bereits erstarrte Gestein durchsetzen — bei Temperaturen, die für Zeolithe in der Regel unter etwa 400 Grad Celsius bleiben. Die Kristalle erscheinen als lange, dünne, prismatische bis nadelige Individuen, gern in radialstrahligen Büscheln und faserigen Massen, oft mit schrägen Endflächen und V-förmigen Zwillingsspitzen. Begleitet wird er von Apophyllit, Stilbit, Heulandit, Mesolith, Prehnit, Calcit und Quarz. Die spektakulärsten Stufen liefern die Steinbrüche des Deccan-Trapps in Maharashtra, vor allem die Regionen Nasik und Pune, wo große, gut ausgebildete farblose Büschel auf grünem Apophyllit sitzen. Weitere Vorkommen liegen auf Island, den Färöern, in Brasilien, Schottland und Kalifornien, dazu alpine Klüfte in der Schweiz und in Österreich. Für den Markt heißt das jedoch: Sie kaufen Skolezit fast immer als indische Ware.
Zwei Märkte: billige Stufe, teurer Schliff
Skolezit ist ein Zwitter — mineralogisch häufig, gemmologisch eine Rarität. Als Stufe ist er preiswert und leicht zu bekommen: Eine 430 Gramm schwere indische Stufe mit radialstrahliger Struktur wird im deutschen Handel für rund 22 Euro angeboten, eine handgeschliffene Kugel von 54 Millimetern Durchmesser und 181 Gramm für etwa 47 Euro. Als facettierter Stein dagegen ist er außergewöhnlich selten. Der Handel ruft für facettierte Ware Größenordnungen um 200 US-Dollar je Karat auf, und ein britischer Spezialhändler verlangt für einen farblosen Smaragdschliff von 0,31 Karat aus Maharashtra 50 Pfund — gut 160 Pfund je Karat. Der Grund liegt nicht am Rohmaterial, sondern an Sprödigkeit und vollkommener Spaltbarkeit. Rechnen Sie also mit zwei getrennten Märkten: dem Stufenmarkt mit Mengenware und dem Sammlermarkt für geschliffene Einzelstücke, auf dem Skolezit ein ausgesprochener Liebhaberstein bleibt.
Alle Themen im Überblick
Kurz gefasst
Skolezit ist der Stein für Käufer, die etwas Ungewöhnliches suchen und bereit sind, dafür Rücksicht zu nehmen. Als indische Sammlerstufe ab etwa 22 Euro ist er eines der preiswertesten Zeolithvergnügen überhaupt und in dieser Form uneingeschränkt zu empfehlen. Als Schmuckstein raten wir zum weißen Cabochon in geschlossener Zargenfassung für Anhänger oder Ohrschmuck — nicht zum Ring. Facettierte Skolezite sind Sammlerware; wer einen kauft, zahlt für die Seltenheit, nicht für die Brillanz. In jedem Fall gilt: kalt arbeiten, kalt reinigen, von Säuren fernhalten.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Skolezit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
