Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Palmwurzelholz Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Palmwurzelholz – Schliff & Bearbeitung

Palmwurzelholz

Die Schnittrichtung entscheidet über das Motiv

Bevor Sie die Säge ansetzen, legen Sie fest, welches Muster Sie wollen. Ein Schnitt senkrecht zur Stammachse liefert die typischen Punkte, also die Querschnitte der Leitbündel; das ist die gefragteste Ansicht und der Grund, warum Palmwurzelholz überhaupt gekauft wird. Ein Schnitt parallel zur Achse ergibt lange, parallele Linien, die an Holzmaserung erinnern und deutlich weniger Aufmerksamkeit erzielen. Dazwischen liegt der schräge Schnitt, der die Bündel als Striche und tropfenförmige Ovale zeigt; er wirkt lebendig und ist bei Anhängern beliebt. Orientieren Sie sich am Rohstück: Die Bündel stehen nahe der Stammaußenseite dichter als im Kern, deshalb liefert die Randzone die feinste und gleichmäßigste Punktdichte. Sägen Sie eine Probescheibe von wenigen Millimetern und nass an, bevor Sie einen großen Block zerlegen. Die Investition von zehn Minuten spart Ihnen oft die halbe Ausbeute.

Cabochon, Scheibe, Kugel: Ausbeute und Ausschuss

Weil das Material undurchsichtig ist, kommen nur Schliffe in Betracht, die mit der Oberfläche arbeiten: Cabochons mit flacher bis leicht gewölbter Kuppe, Scheibensteine, Kugeln, Freiformen und Intarsien. Facetten wären Verschwendung, denn ohne Lichtdurchtritt entsteht kein Brillanzeffekt. Rechnen Sie mit einer hohen Ausschussquote. Unvollständig verkieselte Zonen, Kalkadern und Trockenrisse zeigen sich häufig erst beim Sägen. Aus einem Kilogramm indonesischer Rohware gewinnen Sie erfahrungsgemäß nur einen Bruchteil an rissfreien Cabochonplatten; der Rest wandert in Trommelsteine oder Bruch. Flache Cabochons sind die wirtschaftlichere Wahl, weil sie die Punktzeichnung in voller Fläche zeigen und weniger Material in die Höhe verschwenden. Für Kugeln brauchen Sie besonders homogene Blöcke, weil sich ein Riss beim Rundschleifen zwangsläufig irgendwo auf der Oberfläche zeigt. Planen Sie außerdem die Plattendicke großzügig: Scheiben unter fünf Millimetern neigen dazu, an porösen Stellen beim Aufkleben oder beim Bohren des Anhängerlochs zu brechen. Für gebohrte Scheibensteine, wie sie im deutschen Handel mit fünf bis sieben Zentimetern Länge angeboten werden, sind acht bis zehn Millimeter Dicke ein guter Kompromiss zwischen Materialeinsatz und Bruchsicherheit.

Schleifen und Polieren: Härte 7 verzeiht wenig Ungeduld

Spaltbarkeit gibt es nicht, das erleichtert die Arbeit erheblich. Dafür fordert die Härte von 6,5 bis 7 Zeit und Diamantwerkzeug. Bewährt hat sich eine Folge von Diamantschleifscheiben von 80 über 220, 600 und 1200 bis 3000, danach Politur mit Ceroxid oder Zinnoxid auf Leder oder Filz. Wechseln Sie erst dann die Körnung, wenn alle Spuren der vorherigen Stufe verschwunden sind; in den Poren des Grundgewebes bleiben Kratzer sonst sichtbar. Porige Partien saugen Poliermittel auf und bleiben stumpf. Hier hilft eine dünne Kunstharzstabilisierung vor dem Feinschliff, die Sie beim Verkauf angeben müssen. Arbeiten Sie grundsätzlich nass. Der beim Trockenschliff entstehende Quarzfeinstaub ist lungengängig und verursacht Silikose; eine Absaugung allein reicht nicht aus. Vermeiden Sie außerdem starkes Erhitzen am Schleifbock. Feine Trockenrisse, die im Rohstück nicht sichtbar waren, reißen unter Reibungswärme auf und zerstören dann ein fast fertiges Cabochon. Führen Sie den Stein deshalb mit leichtem Druck und kühlen Sie zwischendurch.

Häufige Fragen

Kann man Palmwurzelholz facettieren?
Technisch ja, sinnvoll nein. Der Stein ist undurchsichtig, Facetten erzeugen deshalb kein Feuer und keine Brillanz, sondern nur ein unruhiges Spiel von Spiegelflächen. Sie zerschneiden damit außerdem die Punktzeichnung, die den eigentlichen Reiz ausmacht. Bleiben Sie bei Cabochons, Scheiben und Freiformen.
Welche Politur bringt das beste Ergebnis?
Ceroxid auf Leder liefert bei chalcedonreichem Material einen tiefen Glanz. Zinnoxid auf Filz ist etwas aggressiver und hilft bei härteren, quarzreichen Partien. Wichtig ist weniger das Mittel als die saubere Vorarbeit bis Körnung 3000.
Warum bleiben einzelne Stellen matt?
Dort war die Verkieselung unvollständig. Das Grundgewebe aus Parenchym ist poröser geblieben als die Leitbündel und nimmt keine geschlossene Politur an. Eine Harzstabilisierung vor dem Feinschliff löst das Problem, ist aber eine Behandlung und gegenüber dem Kunden offenzulegen.