Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Palmwurzelholz Lexikon · Farben & Varietäten

Palmwurzelholz – Farben & Varietäten

Palmwurzelholz

Eisen, Mangan und Kohlenstoff: woher die Farben kommen

Chalcedon und Quarz sind für sich farblos. Alles, was Sie an Palmwurzelholz sehen, stammt aus Fremdstoffen, die während der Verkieselung mit eingebaut oder als feinste Einschlüsse verteilt wurden. Eisenoxide und Eisenhydroxide liefern die Hauptmasse der Farben: Hämatit erzeugt Rot bis Rotbraun, Goethit und Limonit Gelb, Honigbraun und Ocker. Manganoxide fällen in Klüften und Poren als schwarze bis blauschwarze Beläge aus und bilden dendritische Muster. Reste organischen Kohlenstoffs, die die Verkieselung überstanden haben, färben Grau bis Tiefschwarz; Untersuchungen an miozänen und pliozänen Hölzern zeigen eine direkte Korrelation zwischen Farbe und Kohlenstoffgehalt. Weiße und milchige Partien entstehen dort, wo feinporiger Opal oder sehr feinkörniger Chalcedon vorliegt. Weil die Leitbündel und das Grundgewebe unterschiedlich durchlässig waren, nehmen sie unterschiedlich viel Farbstoff auf. Genau daraus entsteht der Kontrast zwischen Punkten und Grundmasse.

Varietät Farbe Bemerkung
Indonesisches PalmholzHellbraun bis Mittelbraun mit dunklen PunktenMassenware des Schmuckhandels, gleichmäßige Zeichnung, Härte meist 7
„Black Palm“Schwarze Grundmasse mit hellen PunktenKontrastreichster Typ, Schwarzfärbung durch Kohlenstoffreste und Manganoxide
„Palm Root“ / WurzelballenRotbraun mit Flammen- und WirbelmusternVerschlungene Adventivwurzeln statt regelmäßiger Punktreihen, vor allem aus Indonesien
Louisiana-PalmholzRot, Gelb, Weiß, selten LavendelCatahoula-Formation, feinste Zellerhaltung, klingt beim Anschlagen wie Porzellan
Texas-PalmholzGraubraun, Schwarzbraun, rotstichigStaatsstein seit 1969, überwiegend Sammler- und Dekorware
Opalisiertes PalmholzMilchig weiß bis honiggelb, durchscheinendOpal statt Chalcedon, nur Härte 5,5 bis 6, empfindlicher gegen Austrocknung

Das Farbspektrum von Honigbraun bis Tiefschwarz

Das häufigste Erscheinungsbild ist ein warmes Braun mit dunkleren Punkten, wie es indonesische Ware zeigt. Daneben kommen Grau, Beige und Cremeweiß vor. Besonders geschätzt ist der umgekehrte Fall: eine schwarze Grundmasse mit hellen, fast weißen Punkten, im Handel als „Black Palm“ geführt. Louisiana-Material aus der Catahoula-Formation gilt als farblich vielfältigstes Vorkommen und liefert Rot, Gelb, Weiß und gelegentlich lavendelfarbene Töne; die Zellerhaltung ist dort so fein, dass angeschlagene Stücke wie Porzellan klingen. Rotbraune, geflammte Zeichnungen stammen meist aus wurzelnahen Partien indonesischer Stämme. Rosa und Violett sind selten und erzielen Aufschläge. Achten Sie darauf, wie gleichmäßig die Farbe über die Fläche läuft: Ein Stück, das auf halber Strecke von Braun in Grau kippt, ist schwerer zu verarbeiten und im Schmuck weniger überzeugend als ein einheitlich durchgefärbtes.

Handelsnamen und was dahintersteckt

Der wissenschaftliche Name Palmoxylon wird im Handel häufig direkt verwendet und ist unbedenklich, weil er nur die Formgattung bezeichnet. „Palmwurzelholz“ und „Palm Root“ meinen fast immer dicht gepunktetes Stammholz aus der Randzone, nicht Wurzelgewebe. „Texas Palm“ und „Louisiana Palm“ verweisen auf die Catahoula-Formation und stehen für kleine, sammlerorientierte Mengen. „Indonesian Palm Wood“ oder „Java Palm“ bezeichnet die Massenware für Cabochons und Kugeln. „Black Palm“ steht für den kontrastreichen schwarz-weißen Typ. Vorsicht ist bei Namen geboten, die eine andere Steinart suggerieren: Bezeichnungen wie „Palmenachat“ oder „Palmjaspis“ sind mineralogisch nicht falsch, weil das Material tatsächlich aus Chalcedon besteht, verschleiern aber, dass Sie ein Fossil kaufen und keinen gebänderten Achat. Ebenso verbreitet ist die schlichte Angabe „versteinertes Holz“, die den Stein unter Wert verkauft, weil sie die Palmenherkunft und damit die charakteristische Punktzeichnung gar nicht erwähnt. Verlangen Sie im Zweifel die Angabe von Fundland und geologischer Formation. Seriöse Händler nennen beides ohne Umschweife, und bei indonesischer Ware ist die Region in der Regel bis auf die Provinz bekannt.

Häufige Fragen

Wird Palmwurzelholz gefärbt?
Es kommt vor, vor allem um den Kontrast zwischen Punkten und Grundmasse zu verstärken oder um blasse Ware als „Black Palm“ zu verkaufen. Verräterisch sind Farbanreicherungen in Rissen und Poren sowie ein unnatürlich gleichmäßiges Tiefschwarz. Färbungen müssen angegeben werden; fragen Sie ausdrücklich danach.
Warum sind die Punkte mal hell und mal dunkel?
Leitbündel und Grundgewebe waren unterschiedlich dicht und damit unterschiedlich durchlässig für die eisen- und manganhaltigen Lösungen. Je nach Chemie des Grundwassers nimmt mal das eine, mal das andere Gewebe mehr Farbstoff auf. Beide Varianten sind natürlich und gleichwertig.
Zeigt Palmwurzelholz Fluoreszenz?
In der Regel nicht. Untersuchungen an vergleichbarem verkieseltem Material, etwa an petrifiziertem Baumfarn, ergaben Inertheit unter lang- und kurzwelligem UV. Schwache Reaktionen einzelner Partien sind möglich, taugen aber nicht als Echtheitsnachweis.