Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Palmwurzelholz Lexikon · Übersicht

Palmwurzelholz – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Palmwurzelholz

Palmwurzelholz ist verkieseltes Palmenholz aus der Formgattung Palmoxylon: Kieselsäure hat das Gewebe eines Palmenstamms Zelle für Zelle ersetzt und dabei die Leitbündel erhalten, die im Querschnitt als dichte Punktmuster erscheinen. Jahresringe finden Sie daran nie, denn Palmen sind Einkeimblättrige und bilden kein Sekundärholz.

Palmwurzelholz – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseOxide, Quarzgruppe; gemmologisch ein Fossil: Pseudomorphose aus Chalcedon, mikrokristallinem Quarz und untergeordnet Opal nach Palmenstammgewebe (Formgattung Palmoxylon, Familie Arecaceae)
Chemische FormelSiO2, mit Beimengungen von Eisen, Mangan, Aluminium und geringen Resten von Kohlenstoff
Kristallsystemtrigonal (Quarz und Chalcedon); opalisierte Partien amorph; im Ganzen ein dichtes Aggregat ohne einheitliche Kristallform
Mohs-Härte6,5 bis 7; rein chalcedonisch verkieselte Stücke erreichen 7, opalisierte Partien nur 5,5 bis 6
Dichte2,55 bis 2,91 g/cm³, meist um 2,60; frisches Palmholz liegt bei 0,43 bis 0,57 g/cm³, vollständig verkieseltes über 2,0
Brechungsindex1,530 bis 1,540, Spotlesung am Cabochon meist 1,54
Doppelbrechungam dichten Aggregat nicht messbar; Chalcedon für sich 0,004 bis 0,009
Glanzmatt bis Wachs- und Fettglanz auf Bruchflächen, poliert Glasglanz
Spaltbarkeitkeine
Bruchmuschelig in dicht verkieselten Partien, sonst uneben bis splittrig
Transparenzundurchsichtig, an dünnen Rändern und in chalcedonreichen Zonen durchscheinend
FarbenHonigbraun, Rotbraun, Gelb, Grau, Schwarz, Weiß, seltener Rosa und Lavendel; die Punkte der Leitbündel kontrastieren meist dunkler oder heller als das Grundgewebe
Wichtigste FundorteCatahoula-Formation in West-Louisiana, Ost- und Südtexas sowie Mississippi (USA), Banten und West-Java, Sumatra und Kalimantan (Indonesien), Deccan Intertrappean Beds und Lameta-Formation in Madhya Pradesh und Maharashtra (Indien), Gebel el-Khashab bei Kairo und Gebel Qatrani im Fayum (Ägypten)
Behandlungengut verkieselte Ware bleibt in der Regel unbehandelt; poröse und rissige Stücke werden mit Kunstharz stabilisiert oder imprägniert, gelegentlich gewachst; Färbungen zur Kontrastverstärkung der Punktzeichnung kommen vor und müssen angegeben werden
ErstbeschreibungDie Formgattung Palmoxylon wurde 1882 von August Schenk aufgestellt; heute sind über 200 Arten beschrieben. Für die nordamerikanische Catahoula-Formation unterschied Edward W. Berry 1916 sieben Arten, darunter Palmoxylon texense und Palmoxylon mississippense. Texas führt Palmoxylon seit 1969 als Staatsstein, Louisiana seit 1976 als Staatsfossil.

Punkte statt Jahresringe: das eine sichere Erkennungsmerkmal

Palmen sind Einkeimblättrige. Ihnen fehlt das Kambium, jene teilungsfähige Schicht, die bei Nadel- und Laubbäumen Jahr für Jahr neues Holz nach außen anlegt. Deshalb bildet eine Palme kein Sekundärholz und niemals Jahresringe. Ihr Stamm besteht aus einzelnen Leitbündeln, die verstreut in einem Grundgewebe aus Parenchymzellen liegen. Jedes dieser Bündel enthält ein bis vier, meist zwei große Gefäße, umgeben von Fasern, die sich an einem Ende zu einer Sklerenchymkappe verdicken. Diese Bündel ziehen als Stäbe durch den Stamm. Schneiden Sie quer, sehen Sie ihre Enden als Punkte; schneiden Sie schräg, werden daraus Striche; im Längsschnitt laufen sie als durchgehende Linien. Nach außen hin stehen die Bündel deutlich dichter als im Stamminneren. Damit haben Sie ein Prüfkriterium, das ohne Gerät funktioniert: Wer auf einer Scheibe konzentrische Jahresringe erkennt, hält kein Palmholz in der Hand, sondern verkieseltes Nadel- oder Laubholz.

Vom Palmenstamm zum Chalcedon: was bei der Verkieselung geschieht

Damit aus Holz Stein wird, muss der Stamm schnell unter Sediment geraten, bevor Pilze und Bakterien ihn zersetzen. Vulkanische Asche eignet sich dafür besonders gut, weil ihr Glas im Grundwasser reichlich Kieselsäure freisetzt. Das gelöste Siliziumdioxid dringt in Zellwände und Hohlräume ein und fällt dort aus. Die Abfolge verläuft über amorphes Opal-A zu Opal-CT, dann zu faserigem Chalcedon und schließlich zu mikrokristallinem Quarz. Vollständig durchlaufen wird diese Reihe meist erst in Jahrmillionen; unter heißen Quellen kann sie sich auf einige zehntausend Jahre verkürzen. Die Bedingungen sind eng: unter etwa 100 Grad Celsius, bei pH-Werten zwischen 4,5 und 7 und in geringer Versenkungstiefe, sonst zerfällt das Holz oder wird verdrückt. Aus dieser Mineralogie folgt alles Weitere. Chalcedon und Quarz bringen Mohs-Härte 6,5 bis 7 mit, keine Spaltbarkeit und muscheligen Bruch. Genau deshalb lässt sich Palmwurzelholz auf Hochglanz polieren.

„Palmwurzelholz“: ein Handelsname, der selten wörtlich stimmt

Der Name führt leicht in die Irre. Was im Handel als Palmwurzelholz angeboten wird, ist in aller Regel kein Wurzelmaterial, sondern Stammholz aus der randnahen Zone, in der die Leitbündel besonders eng beieinanderstehen. Diese hohe Punktdichte erzeugt die feine, gleichmäßige Zeichnung, für die Sammler zahlen, und sie erinnert optisch an die wirre Struktur eines Wurzelballens. Echtes Wurzelmaterial gibt es durchaus: Palmen bilden ausschließlich Adventivwurzeln, die in einer Wurzelanlaufzone am Stammfuß austreten und dort dichte Ballen bilden. Vor allem indonesische Stücke zeigen solche Partien, erkennbar an ineinander verschlungenen Röhrchen statt an regelmäßigen Punktreihen. Ein Betrug ist der Handelsname nicht, denn er hat sich für eine bestimmte Zeichnung eingebürgert. Sie sollten aber wissen, was Sie kaufen: Fragen Sie beim Händler nach, ob das Stück aus dem Stammrand oder tatsächlich aus dem Wurzelbereich stammt.

Staatsstein von Texas, Staatsfossil von Louisiana

Kaum ein anderes Fossil hat es zu solcher offizieller Würdigung gebracht. Texas erklärte Palmoxylon 1969 zum Staatsstein, Louisiana 1976 zum Staatsfossil. Beide Staaten schöpfen aus derselben Quelle: der Catahoula-Formation, die im Oligozän vor rund 24 bis 30 Millionen Jahren auf Schwemmebenen und in Küstensümpfen am Golf von Mexiko abgelagert wurde. Die Küstenlinie lag damals etwa 160 bis 200 Kilometer weiter im Landesinneren als heute. In Südtexas begrub ein Ascheregen von etwa 20 Metern Mächtigkeit vor rund 27 Millionen Jahren ganze Palmenbestände. Indianische Gruppen fertigten aus dem Material später Projektilspitzen, im frühen 20. Jahrhundert wurden ganze Stämme als Baumaterial verwendet; in Roma und Rio Grande City stecken sie bis heute in Zäunen und Kirchenmauern. Für den Schmuckhandel ist amerikanische Ware allerdings die Ausnahme geblieben, denn der Massenmarkt wird aus Indonesien bedient.

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Kurz gefasst

Palmwurzelholz ist ein preiswerter, robuster und optisch unverwechselbarer Schmuckstein. Wir empfehlen den Kauf, wenn drei Punkte stimmen: gleichmäßige, kontrastreiche Punktzeichnung über die ganze Fläche, eine geschlossene Politur ohne offene Poren und die klare Auskunft, ob das Stück stabilisiert oder gefärbt wurde. Greifen Sie zu unbehandelter, dicht chalcedonischer Ware mit Härte 7; sie ist alltagstauglich und braucht keine Sonderbehandlung. Für Ringe wählen Sie eine Zargenfassung. Bezahlen Sie keine Aufschläge für das Wort „Wurzel“, solange der Händler die Partie nicht belegen kann.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Palmwurzelholz stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Kann versteinertes Palmholz Jahresringe haben?
Nein. Palmen besitzen kein Kambium und legen deshalb kein Sekundärholz an. Was Sie sehen, sind die Enden der Leitbündel als Punkte, Striche oder Linien, je nach Schnittwinkel. Zeigt eine Scheibe konzentrische Ringe um ein Mark, handelt es sich um verkieseltes Nadel- oder Laubholz, nicht um Palmoxylon.
Ist Palmwurzelholz wirklich die Wurzel einer Palme?
Meistens nicht. Der Handelsname bezeichnet Material mit besonders dichter Leitbündelzeichnung, das überwiegend aus der äußeren Stammzone stammt. Echte Wurzelballen aus Adventivwurzeln kommen vor, vor allem aus Indonesien, und zeigen verschlungene Röhrchen statt gleichmäßiger Punkte. Fragen Sie den Händler, welche Partie vorliegt.
Wie hart ist Palmwurzelholz und eignet es sich für Ringe?
Die Mohs-Härte liegt bei 6,5 bis 7, opalisierte Partien nur bei 5,5 bis 6. Das genügt für Anhänger, Broschen und Manschettenknöpfe. Für Ringe, die täglich getragen werden, empfehlen wir eine Zargenfassung mit geschützt liegender Oberfläche, weil Quarzstaub aus der Umgebung die Politur mit der Zeit mattiert.
Was kostet ein Cabochon aus Palmwurzelholz?
Im deutschen Fachhandel liegen geschliffene Cabochons mit 30 bis 65 Karat bei etwa 15 bis 30 Euro je Stück, das entspricht ungefähr 0,40 bis 0,90 Euro pro Karat. Trommelsteine kosten 5 bis 12 Euro, polierte Scheiben von zehn bis zwanzig Zentimetern 25 bis 150 Euro. Große Dekorkugeln und Tischplatten erreichen vierstellige Beträge.