Onyx Lexikon · Farben & Varietäten

Onyx Farben und Varietäten – von tiefschwarz bis mehrfarbig

Onyx ist weit mehr als nur schwarz. Als gebänderte Chalcedon-Varietät kommt er in einer Reihe von Farbkombinationen vor, denen die Mineralogie und der Handel jeweils eigene Namen gegeben haben. Der schwarze Onyx dominiert den Markt – doch wer sich etwas näher mit dem Stein beschäftigt, entdeckt eine ganze Familie eng verwandter Varietäten mit sehr unterschiedlichem Charakter.

Schwarzer Onyx – die bekannteste Varietät

Schwarzer Onyx ist die mit Abstand verbreitetste Form. Im Handel wird er fast immer aus grauem oder bräunlichem Chalcedon durch Färbung gewonnen – ein Verfahren, das seit der Antike bekannt ist und heute weltweit angewendet wird. Das älteste Verfahren arbeitet mit Zuckerlösung und Schwefelsäure: Der poröse Chalcedon nimmt die Lösung auf, die Schwefelsäure karbonisiert den Zucker und das Material wird dauerhaft tiefschwarz.

Die Farbe ist lichtbeständig und stabil – unter normalen Bedingungen verändert sie sich nicht. Natürlich schwarzer Onyx ohne Behandlung ist selten und entsprechend seltener im Handel. Für die meisten Anwendungen – Schmuck, Cabochons, Perlen, Platten – ist die Unterscheidung praktisch bedeutungslos, da die Färbung das Material nicht in seinen physikalischen Eigenschaften verändert.

Weißer Onyx und Chalcedonyx

Weißer Onyx bezeichnet gebänderten Chalcedon mit weiß-grauen oder weiß-beigen Parallellagen. Der Begriff wird im Handel nicht einheitlich verwendet: Manchmal ist damit echter weiß-schwarzer Streifenchalcedon gemeint, manchmal auch ungefärbter milchig-weißer Chalcedon ohne ausgeprägte Bänderung. Weißer Onyx wird gelegentlich auch für hellen Marmor verwendet – das ist mineralogisch falsch, im Handel aber verbreitet.

Chalcedonyx ist ein älterer Fachbegriff für Chalcedon mit abwechselnd weißen und grauen Lagen – also die natürliche, ungefärbte Grundform vieler Onyx-Steine, bevor sie schwarz gefärbt werden.

Sardonyx – der klassische Camee-Stein

Sardonyx ist eine der bedeutendsten historischen Varietäten und besteht aus abwechselnd braunen bis rötlich-braunen (Sard) und weißen (Onyx) Lagen. Die Kombination dieser beiden natürlichen Farben war für antike Steinschneider hochwertvoll: Sie konnten weiße Figuren auf braunem Hintergrund oder umgekehrt herausarbeiten – der Ursprung der klassischen Camee-Tradition.

Sardonyx stammt vor allem aus Indien und Brasilien. Die Qualität wird wesentlich durch die Schärfe der Farbübergänge, die Gleichmäßigkeit der Bänder und die Reinheit der einzelnen Lagen bestimmt. Guter Sardonyx für die Schnitzkunst ist heute schwerer zu beschaffen als früher, weil die besten indischen Vorkommen weitgehend erschöpft sind.

Sard – die reine Rotbraun-Variante

Sard ist eine einfarbige, rotbraune bis orange-braune Chalcedon-Varietät ohne Bänderung. Er enthält seine Farbe durch eingelagerte Eisenoxide. Sard war in der Antike einer der beliebtesten Steine für Siegelringe und Intaglios. Im heutigen Handel ist er weniger präsent, wird aber von Liebhabern antiker Steine noch geschätzt. Zusammen mit weißem Onyx bildet er den Sardonyx.

Arabischer Onyx und Nikobar-Onyx

Arabischer Onyx ist ein Handelsname für Chalcedon mit schwarzen und weißen Lagen – also das, was mineralogisch als echter Onyx gilt. Der Name bezieht sich nicht auf eine bestimmte Herkunft, sondern ist historisch gewachsen. Nikobar-Onyx bezeichnet Material von den Nikobar-Inseln im Indischen Ozean, das durch besonders feine, gleichmäßige weiß-schwarze Bänderung bekannt war – heute kaum noch im Handel.

Grüner Onyx

Im Handel als grüner Onyx angebotene Steine sind in der Regel kein Onyx im mineralogischen Sinne, sondern grüner Chalcedon oder Chrysopras, gelegentlich auch grüner Marmor oder gefärbter Quarzit. Der Begriff ist rein kommerziell. Echter grüner gebänderter Onyx ist äußerst selten. Grüner Chalcedon und Chrysopras sind jedoch eigenständige, schöne Steine, die für sich betrachtet werden sollten – unabhängig vom irreführenden Handelsnamen.

Alle Onyx-Varietäten im Vergleich

VarietätFarbe / BänderHauptverwendungBehandlung
Schwarzer OnyxEinfarbig tiefschwarzSchmuck, Cabochons, Perlen, PlattenFast immer gefärbt
Weißer OnyxWeiß-grau, weiß-beigeDekor, Schmuck, PlattenUngefärbt oder leicht behandelt
SardonyxRotbraun + weiß, gebändertCameen, Intaglios, SchmuckOft ungefärbt (natürliche Farben)
SardRotbraun bis orange-braun, einfarbigHistorische Siegelringe, IntagliosUngefärbt
ChalcedonyxWeiß + grau, gebändertAusgangsmaterial für SchwarzfärbungMeist Ausgangsstoff für Behandlung
Grüner „Onyx"Grün, oft einfarbigSchmuck, DekorOft Chrysopras oder gefärbter Chalcedon

Warum der Begriff „Onyx" so uneinheitlich ist

Die Unschärfe des Begriffs „Onyx" hat historische Wurzeln. In der Antike bezeichnete das griechische Wort onyx (Nagel, Kralle) ursprünglich jeden gebänderten Chalcedon – also eine ganze Gruppe von Steinen, nicht nur die schwarze Varietät. Im Lauf der Jahrhunderte verengte sich der Begriff im Handel auf den schwarzen Stein, während die anderen Varietäten eigene Namen bekamen. Gleichzeitig wurde „Onyx" im Marmorhandel für bestimmte gebänderte Kalksteine übernommen – eine Verwechslung, die bis heute Verwirrung stiftet.

Wer Onyx kauft und Wert auf mineralogische Korrektheit legt, sollte deshalb auf klare Angaben zum Material achten: Chalcedon, gefärbt oder ungefärbt, mit oder ohne Bänderung – das sind die relevanten Informationen hinter dem Handelsnamen.

Fazit

Schwarzer Onyx ist die bekannteste, aber nicht die einzige Varietät dieser Edelsteingruppe. Sardonyx, Sard und weißer Onyx haben eigenständige Traditionen und Verwendungsgebiete – allen gemeinsam ist die charakteristische Chalcedon-Struktur mit ihrer feinen Kristallmasse und der guten Bearbeitbarkeit. Wer Onyx kaufen möchte, sollte wissen, welche Varietät er sucht und welche Behandlungen im Handel üblich sind.