Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Obsidian Lexikon

Obsidian Preis – was kostet welches Material?

Obsidian

Obsidian ist der ehrlichste Stein des Marktes: Das Grundmaterial ist reichlich vorhanden und günstig – Wert entsteht fast ausschließlich durch Effekt, Schliff und Handwerk. Wer das weiß, erkennt überzogene Preise auf den ersten Blick.

Faktor 1: Die Varietät

Einfacher schwarzer Obsidian ist Massenmaterial – Trommelsteine und Rohstücke kosten wenige Euro. Preislich darüber rangieren die Effekt-Varietäten: Schneeflocken- und Mahagoniobsidian moderat, Gold- und Silbersheen je nach Intensität deutlich höher, an der Spitze feiner Regenbogenobsidian mit kräftigen, mehrfarbigen Bändern – gute Cabochons und die bekannten Herzschliffe erreichen zwei- bis niedrig dreistellige Beträge.

Faktor 2: Die Qualität des Effekts

Innerhalb jeder Varietät entscheidet die Ausprägung: Beim Regenbogen zählen Farbanzahl, Sättigung und Vollständigkeit der Bögen, beim Sheen die Gleichmäßigkeit und Helligkeit des Schimmers, bei der Schneeflocke Kontrast und Verteilung der Sphärolithe. Ein schwach irisierendes Stück ist praktisch nur schwarzer Obsidian mit Aufpreis-Etikett.

Faktor 3: Schliff und Verarbeitung

Da Effekte richtungsabhängig sind, steckt der Wert im orientierten Schliff: Der Schleifer muss die Schichtung erkennen und die Schauseite exakt darauf legen. Bei Schnitzereien – Kugeln, Figuren, Messerklingen-Repliken – bestimmt die handwerkliche Qualität den Preis weit stärker als das Material; große, sauber gearbeitete Regenbogen-Kugeln können mehrere hundert Euro erreichen.

Faktor 4: Größe und Makellosigkeit

Obsidian ist spröde – größere Stücke ohne innere Spannungsrisse und Abplatzungen sind seltener, als man denkt. Bei Rohmaterial für Schleifer und Messermacher („Knapping“-Material) zählen homogene, blasenarme Blöcke.

Preisorientierung (stark vereinfacht):
  • Trommelsteine, kleine Rohstücke: wenige Euro
  • Schneeflocken-/Mahagoni-Cabochons und -Anhänger: niedriger zweistelliger Bereich
  • Guter Sheen-Obsidian: zweistellig, je nach Effekt
  • Feiner Regenbogenobsidian: zweistellig bis niedrig dreistellig pro Cabochon
  • Große Schnitzereien und Kugeln in Effektqualität: dreistellig aufwärts – hier bezahlt man Handwerk
Feste Preise verbieten sich – Effektqualität und Verarbeitung bestimmen jeden Einzelfall.

Das wichtigste Preissignal: zu schön für Obsidian

Transparent leuchtendes Blau, Grün oder Rot zu Kleinpreisen ist kein Schnäppchen, sondern gefärbtes Kunstglas – echter Obsidian in diesen Erscheinungen ist eine extreme Rarität. Wie man die Fälschungen entlarvt: Obsidian erkennen.

Häufige Fragen

Was kostet Obsidian?
Einfaches schwarzes Material wenige Euro; Effekt-Varietäten wie Sheen zweistellig, feiner Regenbogenobsidian bis in den niedrigen dreistelligen Bereich pro Cabochon. Bei Schnitzereien bezahlt man vor allem das Handwerk.
Welcher Obsidian ist am wertvollsten?
Regenbogenobsidian mit kräftigen, vollständigen Farbbögen – gefolgt von intensivem Gold- oder Silbersheen. Die Effektqualität entscheidet, nicht die Größe allein.
Warum ist Obsidian so günstig?
Weil das Grundmaterial in jungen Vulkangebieten reichlich vorkommt. Wertsteigernd sind allein seltene Effekte, orientierter Schliff und handwerkliche Verarbeitung.
Ist teurer blauer Obsidian eine gute Anlage?
Nein – transparent-blaues Material im Handel ist fast ausnahmslos gefärbtes Kunstglas ohne Sammlerwert.

Fazit

Beim Obsidian-Preis gilt die einfachste Formel des Edelsteinmarkts: Material fast geschenkt, Effekt und Handwerk bezahlt. Alles, was davon abweicht, verdient einen zweiten Blick.