Obsidian ist der ehrlichste Stein des Marktes: Das Grundmaterial ist reichlich vorhanden und günstig – Wert entsteht fast ausschließlich durch Effekt, Schliff und Handwerk. Wer das weiß, erkennt überzogene Preise auf den ersten Blick.
Faktor 1: Die Varietät
Einfacher schwarzer Obsidian ist Massenmaterial – Trommelsteine und Rohstücke kosten wenige Euro. Preislich darüber rangieren die Effekt-Varietäten: Schneeflocken- und Mahagoniobsidian moderat, Gold- und Silbersheen je nach Intensität deutlich höher, an der Spitze feiner Regenbogenobsidian mit kräftigen, mehrfarbigen Bändern – gute Cabochons und die bekannten Herzschliffe erreichen zwei- bis niedrig dreistellige Beträge.
Faktor 2: Die Qualität des Effekts
Innerhalb jeder Varietät entscheidet die Ausprägung: Beim Regenbogen zählen Farbanzahl, Sättigung und Vollständigkeit der Bögen, beim Sheen die Gleichmäßigkeit und Helligkeit des Schimmers, bei der Schneeflocke Kontrast und Verteilung der Sphärolithe. Ein schwach irisierendes Stück ist praktisch nur schwarzer Obsidian mit Aufpreis-Etikett.
Faktor 3: Schliff und Verarbeitung
Da Effekte richtungsabhängig sind, steckt der Wert im orientierten Schliff: Der Schleifer muss die Schichtung erkennen und die Schauseite exakt darauf legen. Bei Schnitzereien – Kugeln, Figuren, Messerklingen-Repliken – bestimmt die handwerkliche Qualität den Preis weit stärker als das Material; große, sauber gearbeitete Regenbogen-Kugeln können mehrere hundert Euro erreichen.
Faktor 4: Größe und Makellosigkeit
Obsidian ist spröde – größere Stücke ohne innere Spannungsrisse und Abplatzungen sind seltener, als man denkt. Bei Rohmaterial für Schleifer und Messermacher („Knapping“-Material) zählen homogene, blasenarme Blöcke.
- Trommelsteine, kleine Rohstücke: wenige Euro
- Schneeflocken-/Mahagoni-Cabochons und -Anhänger: niedriger zweistelliger Bereich
- Guter Sheen-Obsidian: zweistellig, je nach Effekt
- Feiner Regenbogenobsidian: zweistellig bis niedrig dreistellig pro Cabochon
- Große Schnitzereien und Kugeln in Effektqualität: dreistellig aufwärts – hier bezahlt man Handwerk
Das wichtigste Preissignal: zu schön für Obsidian
Transparent leuchtendes Blau, Grün oder Rot zu Kleinpreisen ist kein Schnäppchen, sondern gefärbtes Kunstglas – echter Obsidian in diesen Erscheinungen ist eine extreme Rarität. Wie man die Fälschungen entlarvt: Obsidian erkennen.
Häufige Fragen
Fazit
Beim Obsidian-Preis gilt die einfachste Formel des Edelsteinmarkts: Material fast geschenkt, Effekt und Handwerk bezahlt. Alles, was davon abweicht, verdient einen zweiten Blick.
