Beim Obsidian steht die Echtheitsfrage Kopf: Hier imitiert nicht Glas den Edelstein – hier imitiert Kunstglas das Naturglas. Die Unterscheidung ist subtiler als bei jedem Kristall, folgt aber klaren Regeln.
Die Hauptfälschung: gefärbtes Kunstglas
Leuchtend blaue, grüne, türkise oder rote transparente „Obsidiane“ dominieren Souvenir- und Onlinemärkte. Natürlicher Obsidian in solchen Farben und dieser Transparenz ist eine extreme Rarität – das Handelsmaterial ist praktisch ausnahmslos industriell gefärbtes Glas, oft unter Fantasienamen wie „Aqua-Obsidian“ oder „Cherry-Quartz“ (der nicht einmal Quarz ist). Nach § 5 UWG ist der Verkauf solchen Materials als „Obsidian“ irreführend.
Verräterisch sind perfekt runde Gasblasen in Schwärmen, völlige Schlierenfreiheit oder umgekehrt dekorativ eingerührte Farbwolken, gleichmäßige „zu schöne“ Farbe – und der Preis: Echte Raritäten kosten keine Souvenirbeträge.
Naturglas vs. Kunstglas: worauf das Labor schaut
Beide sind amorph – Standardwerte wie der Brechungsindex (um 1,5) liegen nah beieinander. Die Unterscheidung stützt sich deshalb auf das Gesamtbild: Natürlicher Obsidian zeigt unter dem Mikroskop feine Fließtexturen, Mikrolithe (winzige Kristallnadeln) und unregelmäßig verteilte, oft ausgelängte Gasbläschen – die Spuren echter Lava. Industrieglas ist dagegen auffällig homogen oder enthält runde Blasen und Schlieren aus dem Schmelzprozess. Ergänzend grenzen Dichtemessung und im Zweifel die chemische Analyse (Spurenelement-Muster) ab.
Weitere Verwechsler
| Material | Typische Anzeichen | Abgrenzung |
|---|---|---|
| Industrieschlacke | porös, unruhige Farben, oft grünlich | Blasenreichtum, Dichteabweichung, metallische Einschlüsse |
| Gefärbtes Kunstglas | transparent, leuchtende Farben | runde Blasenschwärme, Homogenität, Preis |
| Pechstein | matter, „pechiger“ Glanz | höherer Wassergehalt, stumpfe Oberfläche |
| Onyx / schwarzer Achat | kristallin, härter | Härte um 7, Bänderung, kein Glasbruch |
| Schwarzer Turmalin (Schörl) | Kristallflächen, Strichmuster | Härte 7–7,5, kristalline Struktur |
| Tektite (z. B. Agni Manitit) | ebenfalls Naturglas | Entstehung durch Impakt, typische Oberflächenskulptur – siehe Agni Manitit |
Selbstprüfung: realistische Möglichkeiten
Ohne Labor bleiben belastbare Indizien: Der muschelige Bruch mit scharfen Kanten, die typische Kühle und das Gewicht (Dichte um 2,4 – leichter als Quarz), unter der Lupe Fließschlieren statt runder Blasenschwärme. Bei jedem transparenten Farbstück gilt die Grundregel umgekehrter Beweislast: Kunstglas, bis das Gegenteil belegt ist. Bei Zweifelsfällen – etwa geerbten Sammlungen – schafft die gemmologische Prüfung Klarheit.
Häufige Fragen
Fazit
Die Echtheitsregel beim Obsidian ist unbequem, aber einfach: Je bunter und transparenter, desto sicherer Kunstglas. Echtheit belegen Fließspuren, Mikrostruktur – und im Zweifel das Labor.
