Schwarz ist nur die Grundfarbe. Einschlüsse, Gasbläschen und beginnende Kristallisation verwandeln Obsidian in ein überraschend vielfältiges Material – jede Varietät erzählt dabei ein Stück seiner Entstehung.
Schneeflockenobsidian
Die weißen „Flocken“ sind Sphärolithe aus Cristobalit – radialstrahlige SiO₂-Kristallaggregate, die sich im Glas zu bilden beginnen. Schneeflockenobsidian zeigt damit wörtlich die Entglasung bei der Arbeit: den langsamen Übergang vom instabilen Glas zurück zum kristallinen Zustand. Je klarer die Flocken vom tiefschwarzen Grund abgesetzt sind, desto gefragter das Stück.
Regenbogenobsidian
Das Irisieren in Grün, Violett, Blau und Gold entsteht durch dünne Schichten feinstverteilter Einschlüsse im Glas, an denen Licht interferiert – ein struktureller Farbeffekt, keine Pigmentfarbe. Erst der Schliff im richtigen Winkel zur Schichtung holt die Farbbögen heraus; das begehrteste Material stammt aus Mexiko und wird gern zu „Herz“-Cabochons mit konzentrischen Farbringen verarbeitet. Der Effekt zeigt sich nur bei direktem Licht auf poliertem Stein – matte Stücke bleiben schwarz.
Gold- und Silberobsidian (Sheen-Obsidian)
Hier erzeugen Millionen mikroskopischer, in Fließrichtung orientierter Gasbläschen einen metallischen Schimmer, der über die Oberfläche wandert – goldfarben oder silbrig, je nach Größe und Dichte der Bläschen. Wie beim Regenbogenobsidian gilt: Der Effekt ist richtungsabhängig, gute Schleifer legen ihn bewusst in die Schauseite.
Mahagoniobsidian
Rotbraune Schlieren und Bänder auf Schwarz – gefärbt durch fein verteilten Hämatit (Eisenoxid), oft in fließenden Mustern, die die Bewegung der Lava nachzeichnen. Ein Klassiker für Schnitzereien und Trommelsteine.
Apachentränen
Rundliche, oft walnussgroße Obsidianknollen, die beim Verwittern des umgebenden Perlits freigelegt werden – die zäheren Glasreste überdauern, während die Matrix zerfällt. Im Gegenlicht sind sie meist rauchig durchscheinend. Ihr Name stammt aus einer Legende der Apachen, nach der die Tränen trauernder Frauen zu Stein wurden – mehr dazu unter Bedeutung & Geschichte.
Abgrenzungen: Pechstein und Schlacke
Pechstein ist ebenfalls vulkanisches Glas, enthält aber deutlich mehr gebundenes Wasser und wirkt matter, „pechig“ statt glasig – geologisch meist älter und bereits stärker verändert. Schlacken und Industrieglas werden gelegentlich als Obsidian angeboten; die Unterscheidung behandelt Obsidian erkennen.
Häufige Fragen
Fazit
Jede Obsidian-Varietät ist Physik zum Anfassen: Kristallisation, Interferenz, Gasbläschen, Eisenoxid. Wer die Entstehung kennt, sieht im Stein mehr als Schwarz.
