Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Falkenauge Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Falkenauge – Schliff & Bearbeitung

Falkenauge

Nass arbeiten: Krokydolith ist Asbest

Dieser Punkt steht bewusst am Anfang. Falkenauge enthält Krokydolith, also Blauasbest, und damit genau jene Faserart, deren Verwendung in Deutschland seit 1993 und in der gesamten Europäischen Union seit 2005 verboten ist. Am fertigen, polierten Stein ist das unerheblich, weil die Fasern vollständig in Quarz eingeschlossen sind. Bei der Bearbeitung ist es das nicht. Sägen, Schleifen, Bohren und Trommeln setzen Staub frei, der Asbestfasern enthalten kann. Arbeiten Sie deshalb ausnahmslos nass: Sägen mit Kühlung, Schleifen und Vorpolieren unter fließendem Wasser oder im Wasserbad, Nassschliffpapier statt trockener Scheiben. Trocknen Sie Schlämme nicht im Raum, sondern entsorgen Sie sie feucht. Kein Trockenschliff, kein Druckluftabblasen, kein Staubsaugen ohne geeigneten Filter. Wer gelegentlich schleift, ergänzt sinnvollerweise eine Halbmaske. Dieselben Regeln gelten für Tigerauge und Pietersit.

Cabochon in Faserrichtung: die Orientierung entscheidet

Falkenauge wird praktisch ausschließlich als Cabochon geschliffen, dazu als Kugel, Donut, Platte oder Freiform. Facettenschliffe kommen vor, sind aber Nebensache, weil sie das Lichtband zerschneiden. Der entscheidende Arbeitsschritt liegt vor dem Schleifen: Der Rohling muss so gesägt werden, dass die Fasern parallel zur Unterseite und senkrecht zur gewünschten Lichtlinie verlaufen. Nur dann wandert das Band sauber über den Scheitel. Schon wenige Grad Abweichung lassen die Linie schief laufen oder auf die Flanke rutschen, und dieser Fehler ist nachträglich nicht korrigierbar. Die Wölbung sollte mittelhoch sein: Ein zu flacher Cabochon zeigt ein breites, flaues Band, ein zu hoher eine dünne, unruhige Linie. Ovale Formen mit der Längsachse parallel zur Faserrichtung liefern das ruhigste Ergebnis und sind deshalb die Standardform im Handel.

Ausbeute, Lagentrennung und Politur

Die Ausbeute aus dem Rohblock ist mäßig, weil die nutzbaren Lagen dünn sind und unvollständig verkieselte oder zerscherte Partien wegfallen. Rechnen Sie bei durchschnittlichem Material damit, dass nur ein Teil der Platte ein brauchbares Auge ergibt. Beim Sägen und Schleifen neigt Falkenauge dazu, entlang der Faserlagen aufzuspalten, vor allem wenn das Material Klüfte oder braune Oxidationssäume enthält; arbeiten Sie deshalb mit geringem Vorschub und vermeiden Sie seitlichen Druck auf die Kante. Echte Spaltbarkeit hat der Quarz nicht, die Lagentrennung wirkt aber ähnlich. Poliert wird mit Zinnoxid oder Ceroxid auf Leder oder Filz. Zu hoher Druck und zu hohe Drehzahl erzeugen Hitze, die feine Risse öffnet und die Fasern an der Oberfläche aufraut, was den Seidenglanz zerstört. Lieber langsam und mit ausreichend Wasser.

Häufige Fragen

Muss ich beim Schleifen von Falkenauge wirklich Schutzmaßnahmen treffen?
Ja. Das enthaltene Mineral ist Krokydolith, also Blauasbest. Solange Sie konsequent nass arbeiten, bleibt der Staub gebunden und das Risiko gering. Verzichten Sie auf Trockenschliff, blasen Sie nichts mit Druckluft ab und entsorgen Sie den Schleifschlamm feucht. Eine Halbmaske ist eine sinnvolle Ergänzung, ersetzt aber nicht das Nassarbeiten. Am fertigen Stein besteht keinerlei Gefahr.
Kann man Falkenauge facettieren?
Technisch ja, sinnvoll meist nicht. Das Material ist undurchsichtig, Facetten können also kein Licht zurückwerfen, und sie zerschneiden das Lichtband in einzelne Felder. Einzelne Händler bieten facettierte Falkenaugen an, deren Reiz im Wechselspiel der Facetten mit dem Faserschimmer liegt. Für den klassischen Katzenaugeneffekt bleibt der Cabochon die einzig richtige Form.
Warum wird mein Cabochon an den Rändern matt?
Meist liegt es an ungleichmäßigem Druck beim Polieren: Die Kanten bekommen mehr Anpressdruck, erhitzen sich stärker und rauen auf. Zweite Ursache sind unvollständig verkieselte Randpartien, die sich grundsätzlich nicht hochglänzend polieren lassen. Prüfen Sie den Rohling vorher mit der Lupe und schneiden Sie solche Zonen weg, statt sie mitzunehmen.