Nass arbeiten: Krokydolith ist Asbest
Dieser Punkt steht bewusst am Anfang. Falkenauge enthält Krokydolith, also Blauasbest, und damit genau jene Faserart, deren Verwendung in Deutschland seit 1993 und in der gesamten Europäischen Union seit 2005 verboten ist. Am fertigen, polierten Stein ist das unerheblich, weil die Fasern vollständig in Quarz eingeschlossen sind. Bei der Bearbeitung ist es das nicht. Sägen, Schleifen, Bohren und Trommeln setzen Staub frei, der Asbestfasern enthalten kann. Arbeiten Sie deshalb ausnahmslos nass: Sägen mit Kühlung, Schleifen und Vorpolieren unter fließendem Wasser oder im Wasserbad, Nassschliffpapier statt trockener Scheiben. Trocknen Sie Schlämme nicht im Raum, sondern entsorgen Sie sie feucht. Kein Trockenschliff, kein Druckluftabblasen, kein Staubsaugen ohne geeigneten Filter. Wer gelegentlich schleift, ergänzt sinnvollerweise eine Halbmaske. Dieselben Regeln gelten für Tigerauge und Pietersit.
Cabochon in Faserrichtung: die Orientierung entscheidet
Falkenauge wird praktisch ausschließlich als Cabochon geschliffen, dazu als Kugel, Donut, Platte oder Freiform. Facettenschliffe kommen vor, sind aber Nebensache, weil sie das Lichtband zerschneiden. Der entscheidende Arbeitsschritt liegt vor dem Schleifen: Der Rohling muss so gesägt werden, dass die Fasern parallel zur Unterseite und senkrecht zur gewünschten Lichtlinie verlaufen. Nur dann wandert das Band sauber über den Scheitel. Schon wenige Grad Abweichung lassen die Linie schief laufen oder auf die Flanke rutschen, und dieser Fehler ist nachträglich nicht korrigierbar. Die Wölbung sollte mittelhoch sein: Ein zu flacher Cabochon zeigt ein breites, flaues Band, ein zu hoher eine dünne, unruhige Linie. Ovale Formen mit der Längsachse parallel zur Faserrichtung liefern das ruhigste Ergebnis und sind deshalb die Standardform im Handel.
Ausbeute, Lagentrennung und Politur
Die Ausbeute aus dem Rohblock ist mäßig, weil die nutzbaren Lagen dünn sind und unvollständig verkieselte oder zerscherte Partien wegfallen. Rechnen Sie bei durchschnittlichem Material damit, dass nur ein Teil der Platte ein brauchbares Auge ergibt. Beim Sägen und Schleifen neigt Falkenauge dazu, entlang der Faserlagen aufzuspalten, vor allem wenn das Material Klüfte oder braune Oxidationssäume enthält; arbeiten Sie deshalb mit geringem Vorschub und vermeiden Sie seitlichen Druck auf die Kante. Echte Spaltbarkeit hat der Quarz nicht, die Lagentrennung wirkt aber ähnlich. Poliert wird mit Zinnoxid oder Ceroxid auf Leder oder Filz. Zu hoher Druck und zu hohe Drehzahl erzeugen Hitze, die feine Risse öffnet und die Fasern an der Oberfläche aufraut, was den Seidenglanz zerstört. Lieber langsam und mit ausreichend Wasser.
