Griqualand West: die Asbestos Mountains als Leitvorkommen
Das klassische und bis heute wichtigste Vorkommen liegt in Griqualand West im südafrikanischen Northern Cape. Bereits die Encyclopaedia Britannica von 1911 nennt die Asbestos Mountains in Griqualand West als Hauptfundort und beschreibt, dass der Krokydolith dort in Lagen zwischen Magnetit, Eisenerzen und Jaspisschiefern sitzt. Die Gesteine gehören zur Asbestos-Hills-Subgruppe der Ghaap-Gruppe. Eine Untersuchung zum Tigerauge-Bergbau der Provinz beschreibt zwei Hauptgebiete bei Prieska: Prieska West, fünf bis fünfzehn Kilometer westlich der Stadt auf einer Fläche von rund 32 Quadratkilometern, und Prieska Nordwest etwa 35 Kilometer nordwestlich auf der Farm Geduld mit 15 bis 18 Quadratkilometern. Weitere Vorkommen liegen auf Privatfarmen der Region, unter anderem um Niekerkshoop und Kuruman. Abgebaut wird überwiegend kleinteilig, teils auf Gemeindeland; die Studie veranschlagt eine Reichweite von fünfzehn bis zwanzig Jahren.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Asbestos Mountains, Griqualand West | Südafrika | historische Referenzlagerstätte, bereits 1911 als Hauptfundort für Krokydolith und Falkenauge genannt |
| Prieska West und Prieska Nordwest (Farm Geduld) | Südafrika | heutige Hauptabbaugebiete im Northern Cape, kleinteiliger Bergbau auf rund 32 bzw. 15 bis 18 Quadratkilometern |
| Niekerkshoop und Kuruman | Südafrika | weitere Vorkommen in der Asbestos-Hills-Subgruppe, meist auf Privatfarmen |
| Brockman-Grube, Mount Brockman bei Tom Price | Australien | Marra-Mamba-Formation der Hamersley Range, liefert Falkenauge, Tigerauge und Pietersit |
| Bahia | Brasilien | blaues und goldbraunes Material, meist als Rohplatten im Handel |
| Andhra Pradesh und angrenzende Regionen | Indien | häufig graues, streifiges Material; Jaipur ist zugleich zentraler Schleifplatz |
| Kuisebtal und Umgebung | Namibia | Quelle des als Pietersit gehandelten brekziierten Materials, kein echtes Falkenauge |
| Henan und weitere Provinzen | China | Rohmaterial und großer Verarbeitungsstandort für Kugeln, Donuts und Kunsthandwerk |
Westaustralien, Indien und Brasilien
Das zweitwichtigste Vorkommen liegt in Westaustralien in der Hamersley Range. Dort steht die Marra-Mamba-Formation an, ein Bändereisenerz aus Chert, ferruginösem Chert, Jaspilit und Eisenlagen von rund 2,5 Milliarden Jahren. Die Brockman-Tigerauge-Grube rund 50 Kilometer nordwestlich von Tom Price gilt als Quelle eines großen Teils des international gehandelten australischen Materials; neben Tigerauge liefert sie blaues Falkenauge, grünliche Varianten und Pietersit. 2005 wurde dort eines der größten je gefundenen Stücke geborgen und in Platten geschnitten. Indisches Material kommt überwiegend über den Schleifplatz Jaipur in den Handel und ist häufig grau, streifig und preisgünstig. Brasilien liefert aus Bahia sowohl Tigerauge als auch blaues Material. Hinzu kommen Namibia, China, Myanmar, Korea, Spanien und die Vereinigten Staaten mit meist nachrangigen Mengen. Für den europäischen Handel spielen diese Nebenvorkommen kaum eine Rolle, sie tauchen aber in Sammlungen und bei Mineralienbörsen regelmäßig auf.
Wie das Material in den Handel kommt
Falkenauge wird als Rohblock oder als gesägte Platte gehandelt, nicht als Einzelstein. Der Weg führt typischerweise vom kleinen Betrieb im Northern Cape über Zwischenhändler nach Indien oder China, wo geschliffen, gebohrt und zu Kugeln, Cabochons, Donuts und Kunsthandwerk verarbeitet wird. Erst danach erreicht die Ware den europäischen Handel. Diese Kette erklärt zwei Dinge: erstens die niedrigen Preise, zweitens die häufig unzuverlässigen Herkunftsangaben. Die Auskunft indisches Falkenauge bezeichnet oft nur den Schleifort, nicht die Lagerstätte. Verlässliche Herkunft bekommen Sie in der Regel nur bei Rohmaterial, Platten und bei Händlern mit direktem Bezug. Südafrika ist nach Verfügbarkeit und Qualität weiterhin der Maßstab; australisches Material ist seltener im Handel und wird eher unter der Bezeichnung Marra Mamba angeboten, meist zu höheren Preisen. Wer größere Mengen in gleichbleibender Qualität braucht, etwa für eine Schmuckserie, kauft sinnvollerweise eine ganze Platte und lässt daraus schleifen.
