Zweiwertiges Eisen macht das Blau
Der Quarz des Falkenauges ist farblos. Die gesamte Farbe stammt aus den eingeschlossenen Krokydolithfasern und damit aus deren Eisen. Krokydolith ist ein natriumreicher Amphibol, in dem Eisen sowohl zweiwertig als auch dreiwertig vorliegt. Solange der zweiwertige Anteil erhalten ist, absorbiert das Mineral im roten und gelben Bereich des Spektrums und erscheint blau bis blaugrau. Verantwortlich sind Ladungsübergänge zwischen zweiwertigem und dreiwertigem Eisen auf benachbarten Gitterplätzen, ein Mechanismus, der auch bei anderen blauen eisenhaltigen Mineralen wirkt. Die Farbe ist deshalb kein Oberflächeneffekt und kein Pigment, sondern eine Eigenschaft der Fasern selbst. Wie tief das Blau ausfällt, hängt davon ab, wie dicht die Fasern liegen und wie dick sie sind. Dünne, weit stehende Faserlagen ergeben helles Graublau, dichte Packungen das gesuchte tiefe, fast schwarzblaue Falkenauge.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Falkenauge | blaugrau bis dunkelblau, seidig schimmernd | Eisen in den Krokydolithfasern noch zweiwertig, unbehandelt, Handelsname auch blaues Tigerauge |
| Grünliches Falkenauge | blaugrün bis olivgrün | beginnende Oxidation, vor allem westaustralisches Material; im Englischen teils falcon's eye genannt |
| Bicolor-Falkenauge | blaugrau und goldbraun in einem Stück | Oxidationssaum der Lagerstätte, Farbgrenze fließend, beliebtes Schleifmaterial |
| Tigerauge | goldbraun bis honigbraun | vollständig oxidierte Stufe derselben Reihe, Farbe durch Goethit und Limonit |
| Rotes Tigerauge, rotes Falkenauge | rotbraun bis ziegelrot | gebrannt; die Eisenhydroxide werden zu Hämatit entwässert, Behandlung ist deklarationspflichtig |
| Gefärbtes blaues Tigerauge | leuchtend blau bis türkis, sehr gleichmäßig | eingefärbte Ware ohne Grauanteil, Farbstoff sammelt sich in Rissen und Bohrlöchern |
| Pietersit | blau, braun, golden, wolkig verwirbelt | brekziierter Chalcedon mit Amphibolfasern aus Namibia und China, kein gerades Lichtband |
| Katzenauge-Quarz | grau, gelblich, grünlich, durchscheinend | Quarz mit anderen Faserinklusionen, klarer und heller als Falkenauge, oft verwechselt |
Die Oxidationsreihe vom Blaugrau ins Goldbraun
Dringen Sauerstoff und Wasser in das Gestein ein, wird das zweiwertige Eisen der Fasern zu dreiwertigem Eisen oxidiert, und es bilden sich Eisenhydroxide, vor allem Goethit und Limonit. Damit verschwindet die Ursache der blauen Farbe, und die typische Braun- bis Goldfärbung der Eisenhydroxide tritt an ihre Stelle. Zwischen beiden Endgliedern liegt eine vollständige Reihe: reines Falkenauge in Blaugrau, dann grünblaue und olivgrüne Zonen, dann graubraune Mischtöne und schließlich das goldbraune Tigerauge. Im Handel heißen Stücke mit beiden Farben Bicolor-Falkenauge oder Bicolor-Tigerauge und sind bei Schleifern beliebt, weil sich der Farbwechsel im Cabochon inszenieren lässt. Wichtig für die Bewertung: Der Übergangsbereich ist optisch oft der schwächste, weil dort Faserlagen bereits teilweise zerstört sind und die Chatoyance nachlässt. Genau diese Beobachtung stützt übrigens das neuere Entstehungsmodell, denn der Effekt verschwindet dort, wo Eisenoxide die Fasern vollständig ersetzt haben. Prüfen Sie Bicolor-Stücke deshalb immer an der Farbgrenze und nicht nur an den beiden Endbereichen.
Handelsnamen, gefärbte und gebrannte Ware
Falkenauge wird im deutschen Handel auch als blaues Tigerauge geführt, im Englischen als hawk's eye oder falcon's eye. Diese Namen meinen dasselbe Material. Vorsicht ist bei drei Bezeichnungen geboten. Erstens: Leuchtend blaues, türkisfarbenes oder rein schwarzblaues Material ohne Grauanteil ist in aller Regel eingefärbtes Tigerauge. Zweitens: Rotes Falkenauge und rotes Tigerauge gibt es natürlich nicht in dieser Intensität, die Farbe entsteht durch vorsichtiges Brennen, bei dem die Eisenhydroxide zu Hämatit entwässern. Drittens: Pietersit aus Namibia und China wird gern als Falkenauge oder Tigerauge verkauft, ist aber ein brekziierter, verworren faseriger Chalcedon mit Amphibolfasern und zeigt statt eines geraden Lichtbandes ein wolkiges, flammenartiges Schillern. Dunkle Stücke werden außerdem mit Salpetersäure aufgehellt, was die Oberfläche leicht anrauen kann. Alle drei Behandlungen sind im Handel deklarationspflichtig, werden aber bei Massenware aus Importketten häufig nicht genannt. Fragen Sie im Zweifel ausdrücklich nach, und lassen Sie sich die Antwort auf der Rechnung bestätigen.
