Falkenauge ist die blaugraue, noch unoxidierte Vorstufe des Tigerauges: verkieselter Krokydolith, in dem das Eisen zweiwertig geblieben ist. Beide Steine stammen aus denselben Lagerstätten im südafrikanischen Griqualand West und liegen dort oft nur zentimeterweit voneinander entfernt in derselben Lage.
Falkenauge – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Oxide, Quarzgruppe; Falkenauge ist kein eigenes Mineral, sondern eine faserige Quarzvarietät mit eingeschlossenen Krokydolithfasern |
| Chemische Formel | SiO2 mit Einschlüssen von Krokydolith, Na2(Fe²⁺)3(Fe³⁺)2[(OH)2|Si8O22] |
| Kristallsystem | trigonal (Quarz); das Gestein selbst ist parallelfaserig und lagig aufgebaut |
| Mohs-Härte | 6,5 bis 7, geringfügig unter reinem Quarz wegen der weicheren Amphibolfasern |
| Dichte | 2,64 bis 2,71 g/cm³ |
| Brechungsindex | 1,544 bis 1,553 (am Quarzanteil gemessen, praktisch nur als Schattengrenze am Refraktometer) |
| Doppelbrechung | 0,009, am undurchsichtigen Material nicht bestimmbar |
| Glanz | poliert Seidenglanz mit beweglichem Lichtband, auf dem Bruch matt bis glasartig |
| Spaltbarkeit | keine im Quarz; das Material bricht jedoch bevorzugt entlang der Faserlagen und alter Kluftflächen |
| Bruch | muschelig bis splittrig, entlang der Fasern faserig absplitternd |
| Transparenz | undurchsichtig, an dünnen Kanten schwach durchscheinend |
| Farben | blaugrau, dunkelblau bis fast schwarzblau, blaugrün, graublau; Übergangszonen ins Goldbraun des Tigerauges |
| Wichtigste Fundorte | Griqualand West und Prieska, Northern Cape, Südafrika; Hamersley Range und Mount Brockman, Westaustralien; Indien; Bahia, Brasilien; Namibia; China |
| Behandlungen | unbehandelt im Regelfall; gefärbte blaue und blaugrüne Ware kommt vor, rotes Falkenauge und rotes Tigerauge sind gebrannt, dunkle Stücke werden mit Salpetersäure aufgehellt |
| Erstbeschreibung | Falkenauge hat als Varietät keine eigene mineralogische Erstbeschreibung. Das Ausgangsmineral wurde 1815 von Martin Heinrich Klaproth als Blaueisenstein beschrieben und 1831 von Johann Friedrich Ludwig Hausmann nach dem griechischen krokys, Wollflocke, Krokydolith genannt. Die erste Entstehungsdeutung für Falkenauge und Tigerauge stammt von Ferdinand Wibel (1873). |
Der blaue Zwilling des Tigerauges
Falkenauge und Tigerauge sind dasselbe Gestein in zwei Reifegraden. Beide bestehen aus Quarz, in dem feine Fasern von Krokydolith stecken, einem natriumreichen Amphibol, der in seiner faserigen Ausbildung als Blauasbest bekannt ist. Solange das Eisen in diesen Fasern zweiwertig bleibt, erscheint der Stein blaugrau bis dunkelblau: Das ist Falkenauge. Oxidiert das Eisen zu dreiwertigem Eisen und bilden sich Eisenhydroxide, schlägt die Farbe nach Goldbraun um, und aus demselben Stück wird Tigerauge. Der Übergang verläuft nicht schlagartig, sondern über Zentimeter hinweg. Deshalb finden Sie im Handel regelmäßig Platten, die auf einer Seite blau und auf der anderen goldbraun sind. Diese Bicolor-Stücke sind der beste Beleg dafür, dass es sich nicht um zwei Steinarten handelt, sondern um eine Farbreihe innerhalb derselben Lagerstätte. Wer Falkenauge kauft, kauft also den weniger verwitterten Teil einer Lagerstätte, aus der auch das Tigerauge stammt.
Chatoyance ist das eigentliche Kaufkriterium
Farbe und Größe sind bei Falkenauge zweitrangig. Was den Preis macht, ist die Chatoyance, also das schmale Lichtband, das beim Kippen über die Wölbung des Cabochons wandert. Es entsteht, weil unzählige parallel liegende Fasern das Licht quer zu ihrer Längsrichtung reflektieren. Je gerader, länger und einheitlicher diese Fasern liegen, desto schärfer ist das Band. Geknickte, verworrene oder zerscherte Faserlagen ergeben ein flaues, in mehrere Streifen zerfallendes Licht, das der Handel als unruhig bezeichnet. Prüfen Sie einen Stein deshalb immer in Bewegung und unter einer punktförmigen Lichtquelle, nie unter diffusem Tageslicht und nie liegend. Achten Sie außerdem darauf, dass das Band mittig über die Kuppe läuft und nicht schief sitzt. Eine schiefe Lichtlinie verrät, dass der Schleifer die Faserrichtung nicht sauber getroffen hat, und kostet spürbar Wert, obwohl das Rohmaterial gut gewesen sein kann.
Südafrika liefert den Maßstab
Das bestimmende Vorkommen liegt in Griqualand West im Northern Cape, in den Bändereisenerzen der Asbestos-Hills-Subgruppe innerhalb der Transvaal-Supergruppe. Rund um Prieska, Niekerkshoop und die Asbestos Mountains wird das Material seit dem 19. Jahrhundert gewonnen, heute überwiegend in kleinteiligem Bergbau auf Gemeinde- und Farmland. Eine Studie zum Tigerauge-Bergbau der Provinz schätzt die dortigen Vorkommen auf weitere fünfzehn bis zwanzig Jahre Förderung bei geordneter Bewirtschaftung. Zweitwichtigste Quelle ist Westaustralien mit der Hamersley Range, wo die Marra-Mamba-Formation neben Tigerauge auch blaues und grünliches Material liefert. Hinzu kommen Vorkommen in Indien, in Bahia in Brasilien, in Namibia und in China. Für die Ware in deutschen Läden gilt in der Praxis: Blaues Falkenauge in guter, tief gefärbter Qualität stammt fast immer aus Südafrika, während indisches und chinesisches Material eher grau, streifig und günstiger ist.
Was Falkenauge kostet
Falkenauge ist ein bewusst preiswerter Schmuckstein. Geschliffene Standardware bewegt sich im Bereich von etwa 0,10 bis 3 Euro je Karat, wirklich gute Stücke mit scharfer, schmaler Lichtlinie und tiefem Blau erreichen im Fachhandel bis etwa 5 Euro je Karat. Umgerechnet heißt das: Ein ordentlicher Cabochon von 18 mal 13 Millimetern, also rund 15 Karat, kostet Sie im Einzelhandel meist zwischen 10 und 40 Euro. Trommelsteine von 10 bis 20 Millimetern liegen bei 3 bis 5 Euro je Stück, Rohstücke von 30 bis 50 Millimetern bei 5 bis 15 Euro, gebohrte Cabochon-Anhänger bei 4 bis 7 Euro, Armbänder aus 6-Millimeter-Kugeln bei rund 10 Euro. Größere Dekorkugeln und dicke Platten erreichen 50 bis 75 Euro. Der Preis steigt fast ausschließlich mit der Qualität der Chatoyance, kaum mit der Größe.
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Kurz gefasst
Falkenauge ist einer der ehrlichsten Steine im unteren Preissegment: hart genug für Schmuck, praktisch immer unbehandelt und mit einem optischen Effekt, den kein synthetisches Material überzeugend nachstellt. Kaufen Sie nach dem Lichtband, nicht nach der Größe. Ein Stein mit scharfer, mittig sitzender Linie und tiefem, sattem Blaugrau ist für 20 bis 40 Euro zu haben und sieht besser aus als ein dreimal so großer Cabochon mit flauem Licht. Meiden Sie leuchtend blaue Ware ohne Grauanteil, das ist gefärbtes Tigerauge. Für Ringe raten wir zur Zargenfassung.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Falkenauge stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
