Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Falkenauge Lexikon · Übersicht

Falkenauge – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Falkenauge

Falkenauge ist die blaugraue, noch unoxidierte Vorstufe des Tigerauges: verkieselter Krokydolith, in dem das Eisen zweiwertig geblieben ist. Beide Steine stammen aus denselben Lagerstätten im südafrikanischen Griqualand West und liegen dort oft nur zentimeterweit voneinander entfernt in derselben Lage.

Falkenauge – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseOxide, Quarzgruppe; Falkenauge ist kein eigenes Mineral, sondern eine faserige Quarzvarietät mit eingeschlossenen Krokydolithfasern
Chemische FormelSiO2 mit Einschlüssen von Krokydolith, Na2(Fe²⁺)3(Fe³⁺)2[(OH)2|Si8O22]
Kristallsystemtrigonal (Quarz); das Gestein selbst ist parallelfaserig und lagig aufgebaut
Mohs-Härte6,5 bis 7, geringfügig unter reinem Quarz wegen der weicheren Amphibolfasern
Dichte2,64 bis 2,71 g/cm³
Brechungsindex1,544 bis 1,553 (am Quarzanteil gemessen, praktisch nur als Schattengrenze am Refraktometer)
Doppelbrechung0,009, am undurchsichtigen Material nicht bestimmbar
Glanzpoliert Seidenglanz mit beweglichem Lichtband, auf dem Bruch matt bis glasartig
Spaltbarkeitkeine im Quarz; das Material bricht jedoch bevorzugt entlang der Faserlagen und alter Kluftflächen
Bruchmuschelig bis splittrig, entlang der Fasern faserig absplitternd
Transparenzundurchsichtig, an dünnen Kanten schwach durchscheinend
Farbenblaugrau, dunkelblau bis fast schwarzblau, blaugrün, graublau; Übergangszonen ins Goldbraun des Tigerauges
Wichtigste FundorteGriqualand West und Prieska, Northern Cape, Südafrika; Hamersley Range und Mount Brockman, Westaustralien; Indien; Bahia, Brasilien; Namibia; China
Behandlungenunbehandelt im Regelfall; gefärbte blaue und blaugrüne Ware kommt vor, rotes Falkenauge und rotes Tigerauge sind gebrannt, dunkle Stücke werden mit Salpetersäure aufgehellt
ErstbeschreibungFalkenauge hat als Varietät keine eigene mineralogische Erstbeschreibung. Das Ausgangsmineral wurde 1815 von Martin Heinrich Klaproth als Blaueisenstein beschrieben und 1831 von Johann Friedrich Ludwig Hausmann nach dem griechischen krokys, Wollflocke, Krokydolith genannt. Die erste Entstehungsdeutung für Falkenauge und Tigerauge stammt von Ferdinand Wibel (1873).

Der blaue Zwilling des Tigerauges

Falkenauge und Tigerauge sind dasselbe Gestein in zwei Reifegraden. Beide bestehen aus Quarz, in dem feine Fasern von Krokydolith stecken, einem natriumreichen Amphibol, der in seiner faserigen Ausbildung als Blauasbest bekannt ist. Solange das Eisen in diesen Fasern zweiwertig bleibt, erscheint der Stein blaugrau bis dunkelblau: Das ist Falkenauge. Oxidiert das Eisen zu dreiwertigem Eisen und bilden sich Eisenhydroxide, schlägt die Farbe nach Goldbraun um, und aus demselben Stück wird Tigerauge. Der Übergang verläuft nicht schlagartig, sondern über Zentimeter hinweg. Deshalb finden Sie im Handel regelmäßig Platten, die auf einer Seite blau und auf der anderen goldbraun sind. Diese Bicolor-Stücke sind der beste Beleg dafür, dass es sich nicht um zwei Steinarten handelt, sondern um eine Farbreihe innerhalb derselben Lagerstätte. Wer Falkenauge kauft, kauft also den weniger verwitterten Teil einer Lagerstätte, aus der auch das Tigerauge stammt.

Chatoyance ist das eigentliche Kaufkriterium

Farbe und Größe sind bei Falkenauge zweitrangig. Was den Preis macht, ist die Chatoyance, also das schmale Lichtband, das beim Kippen über die Wölbung des Cabochons wandert. Es entsteht, weil unzählige parallel liegende Fasern das Licht quer zu ihrer Längsrichtung reflektieren. Je gerader, länger und einheitlicher diese Fasern liegen, desto schärfer ist das Band. Geknickte, verworrene oder zerscherte Faserlagen ergeben ein flaues, in mehrere Streifen zerfallendes Licht, das der Handel als unruhig bezeichnet. Prüfen Sie einen Stein deshalb immer in Bewegung und unter einer punktförmigen Lichtquelle, nie unter diffusem Tageslicht und nie liegend. Achten Sie außerdem darauf, dass das Band mittig über die Kuppe läuft und nicht schief sitzt. Eine schiefe Lichtlinie verrät, dass der Schleifer die Faserrichtung nicht sauber getroffen hat, und kostet spürbar Wert, obwohl das Rohmaterial gut gewesen sein kann.

Südafrika liefert den Maßstab

Das bestimmende Vorkommen liegt in Griqualand West im Northern Cape, in den Bändereisenerzen der Asbestos-Hills-Subgruppe innerhalb der Transvaal-Supergruppe. Rund um Prieska, Niekerkshoop und die Asbestos Mountains wird das Material seit dem 19. Jahrhundert gewonnen, heute überwiegend in kleinteiligem Bergbau auf Gemeinde- und Farmland. Eine Studie zum Tigerauge-Bergbau der Provinz schätzt die dortigen Vorkommen auf weitere fünfzehn bis zwanzig Jahre Förderung bei geordneter Bewirtschaftung. Zweitwichtigste Quelle ist Westaustralien mit der Hamersley Range, wo die Marra-Mamba-Formation neben Tigerauge auch blaues und grünliches Material liefert. Hinzu kommen Vorkommen in Indien, in Bahia in Brasilien, in Namibia und in China. Für die Ware in deutschen Läden gilt in der Praxis: Blaues Falkenauge in guter, tief gefärbter Qualität stammt fast immer aus Südafrika, während indisches und chinesisches Material eher grau, streifig und günstiger ist.

Was Falkenauge kostet

Falkenauge ist ein bewusst preiswerter Schmuckstein. Geschliffene Standardware bewegt sich im Bereich von etwa 0,10 bis 3 Euro je Karat, wirklich gute Stücke mit scharfer, schmaler Lichtlinie und tiefem Blau erreichen im Fachhandel bis etwa 5 Euro je Karat. Umgerechnet heißt das: Ein ordentlicher Cabochon von 18 mal 13 Millimetern, also rund 15 Karat, kostet Sie im Einzelhandel meist zwischen 10 und 40 Euro. Trommelsteine von 10 bis 20 Millimetern liegen bei 3 bis 5 Euro je Stück, Rohstücke von 30 bis 50 Millimetern bei 5 bis 15 Euro, gebohrte Cabochon-Anhänger bei 4 bis 7 Euro, Armbänder aus 6-Millimeter-Kugeln bei rund 10 Euro. Größere Dekorkugeln und dicke Platten erreichen 50 bis 75 Euro. Der Preis steigt fast ausschließlich mit der Qualität der Chatoyance, kaum mit der Größe.

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Kurz gefasst

Falkenauge ist einer der ehrlichsten Steine im unteren Preissegment: hart genug für Schmuck, praktisch immer unbehandelt und mit einem optischen Effekt, den kein synthetisches Material überzeugend nachstellt. Kaufen Sie nach dem Lichtband, nicht nach der Größe. Ein Stein mit scharfer, mittig sitzender Linie und tiefem, sattem Blaugrau ist für 20 bis 40 Euro zu haben und sieht besser aus als ein dreimal so großer Cabochon mit flauem Licht. Meiden Sie leuchtend blaue Ware ohne Grauanteil, das ist gefärbtes Tigerauge. Für Ringe raten wir zur Zargenfassung.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Falkenauge stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Falkenauge dasselbe wie blaues Tigerauge?
Im Handel werden beide Begriffe gleichgesetzt, gemeint ist derselbe Stein. Mineralogisch ist Falkenauge die unoxidierte Vorstufe: Das Eisen in den eingeschlossenen Krokydolithfasern ist noch zweiwertig und färbt blaugrau. Vorsicht ist nur bei auffällig leuchtend blauem oder türkisfarbenem Material geboten. Solche Töne kommen natürlich nicht vor und stammen von eingefärbtem Tigerauge, das als blaues Tigerauge verkauft wird.
Ist Falkenauge gefährlich, weil es Asbest enthält?
Fertig geschliffene und polierte Steine sind unbedenklich. Die Krokydolithfasern sind vollständig in Quarz eingeschlossen und können nicht freigesetzt werden. Ein Risiko besteht nur bei der Bearbeitung: Beim Sägen, Schleifen und Bohren entsteht Staub, der Asbestfasern enthalten kann. Deshalb wird Falkenauge ausschließlich nass bearbeitet. Als Träger oder Sammler müssen Sie nichts beachten.
Woran erkenne ich gefärbtes Material?
Eingefärbte Ware wirkt gleichmäßiger und leuchtender blau als natürliches Falkenauge, das immer einen grauen oder grünlichen Beistich hat. Prüfen Sie Risse und Bohrlöcher mit der Lupe: Dort sammelt sich Farbstoff und erscheint als dunkler Saum. Ein mit Aceton befeuchtetes weißes Tuch kann bei schlecht gefärbter Ware Farbe abgeben. Natürliches Falkenauge zeigt außerdem fast immer leichte Farbwechsel zwischen den Faserlagen.
Taugt Falkenauge für einen Ring, den ich täglich trage?
Mit Mohs 6,5 bis 7 ist Falkenauge hart genug für den Alltag, aber nicht unempfindlich. Die Schwachstelle ist nicht die Härte, sondern die Lagenstruktur: Ein harter Schlag auf die Kante kann den Stein entlang einer Faserlage absplittern lassen. Für den täglichen Gebrauch empfehlen wir einen Cabochon in Zargenfassung, die die Kanten vollständig schützt, statt einer Krappenfassung.