Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Chrysoberyll Lexikon

Chrysoberyll-Katzenauge – Cymophan und der wandernde Lichtstreif

Chrysoberyll

Nur ein einziger Stein darf im Handel schlicht „Katzenauge“ heißen: der Cymophan, das Katzenauge des Chrysoberylls. Alle anderen müssen ihren Mineralnamen dazusagen – die Rangordnung der Chatoyance in einer einzigen Namensregel.

Wie das Auge entsteht

Chatoyance ist Lichtreflexion an parallel eingelagerten, mikroskopisch feinen Nadeln und Hohlkanälen im Kristall. Wird ein solcher Stein als Cabochon mit der Basis parallel zu den Fasern geschliffen, bündeln die Reflexe zu einem scharfen Lichtstreif, der beim Kippen über die Wölbung wandert – das „Auge“. Im Cymophan sind die Einlagerungen so fein und dicht wie bei keinem anderen Mineral: Das Ergebnis ist ein schmaler, schnurgerader, lebhaft öffnender und schließender Streifen auf honig- bis grüngelbem Grund.

Milk and Honey – das Qualitätsmerkmal der Spitze

Feinste Katzenaugen zeigen den Milk-and-Honey-Effekt: Bei seitlichem Punktlicht erscheint die dem Licht zugewandte Hälfte des Steins milchig hell, die abgewandte honigfarben satt – getrennt vom Lichtstreif wie von einer gezogenen Linie. Dazu das „Öffnen und Schließen“ des Auges beim Drehen unter zwei Lichtquellen. Beides zusammen ist der Maßstab, an dem Spitzenware gemessen wird.

Die Qualitätskriterien

Die Namensregel des Handels

Chatoyance zeigen viele Minerale – Quarz, Turmalin, Apatit, Skapolith, Aquamarin. Die Handelsregel ist eindeutig: „Katzenauge“ ohne Zusatz bezeichnet ausschließlich Chrysoberyll-Katzenauge. Alle anderen führen den Mineralnamen verpflichtend mit („Quarz-Katzenauge“). Wer ein schlichtes „Katzenauge“ zum Quarzpreis anbietet, verstößt gegen diese Regel – und meist gegen § 5 UWG gleich mit. Die Abgrenzungen im Detail: Chrysoberyll erkennen.

Königsklasse mit Doppel-Effekt: Das Alexandrit-Katzenauge vereint Chatoyance und Farbwechsel in einem Stein – eine der seltensten Kombinationen der Gemmologie und entsprechend eine eigene Sammlerliga. Mehr zum Farbwechsel: Alexandrit.

Häufige Fragen

Warum darf nur Chrysoberyll einfach „Katzenauge“ heißen?
Handelsregel: Der Cymophan ist die Referenz der Chatoyance – alle anderen Katzenaugen müssen ihren Mineralnamen mitführen, etwa „Quarz-Katzenauge“.
Wie entsteht der Lichtstreif im Katzenauge?
Durch Reflexion an parallelen, mikrofeinen Nadeln und Hohlkanälen im Kristall – der Cabochonschliff bündelt sie zum wandernden Streifen.
Was bedeutet Milk and Honey?
Das Spitzenmerkmal: Bei seitlichem Punktlicht wirkt die lichtzugewandte Steinhälfte milchig, die abgewandte honigfarben – scharf getrennt vom Lichtstreif.
Woran erkenne ich ein gutes Katzenauge?
Am schmalen, geraden, mittig laufenden Streif, honiggoldener Körperfarbe, ausgewogener Transluzenz – und im Idealfall am Milk-and-Honey-Effekt.

Fazit

Das Katzenauge ist die Disziplin, in der Chrysoberyll unbestrittener Weltmeister ist – so sehr, dass ihm der Gattungsname allein gehört. Schärfe, Honigfarbe, Milk and Honey: Daran wird gemessen.