Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Chrysoberyll Lexikon

Chrysoberyll erkennen – Bestimmung und Abgrenzung

Chrysoberyll

Chrysoberyll wird selten gefälscht – aber ständig verkannt: als Peridot verkauft, als Citrin vererbt, und seine Katzenaugen von Quarz und Glasfaser imitiert. Die Bestimmung ist im Labor eindeutig.

Die Kennwerte

Chrysoberyll ist messtechnisch dankbar: Brechungsindex 1,74–1,75 mit deutlicher Doppelbrechung, Dichte 3,68–3,78 (spürbar schwerer als Quarz und Beryll), Härte 8,5, im Spektroskop bei gelbgrünen Steinen die typische Eisen-Absorption im Blauen. Diese Kombination trennt ihn sauber von allen gängigen Verwechslern – kein anderer gelbgrüner Schmuckstein vereint diese Werte.

Die Facettenstein-Verwechsler

MaterialÄhnlichkeitAbgrenzung
Peridotgelbgrüner TonRI 1,65–1,69, starke Doppelbrechung (Kantenverdopplung), Härte nur 6,5–7
GoldberyllGoldgelb, NamensnäheRI 1,57–1,58, Dichte ~2,7 – deutlich „leichter“ in allen Werten
CitrinGelbtöneQuarzwerte (RI 1,54–1,55, Dichte 2,65), Härte 7
Gelber SaphirBrillanz, HärtenäheRI 1,76–1,77, Dichte ~4,0 – knapp über Chrysoberyll
Sillimanit, Danburit u. a.selten im Handeljeweils eigene Kennwerte – Laborfall

Die Katzenaugen-Front

Hier läuft die eigentliche Täuschung: Quarz-Katzenaugen (weicher, gröberer, oft grauer Streif; Quarzwerte) werden als schlichtes „Katzenauge“ angeboten – nach der Handelsregel ist der Name ohne Zusatz dem Cymophan vorbehalten. Noch dreister: Glasfaser-Imitate („Cathay-Glas“) mit unnatürlich perfektem Streif in Fantasiefarben – unter der Lupe verrät sie die wabenartige Faserstruktur der Stirnflächen sofort. Auch Turmalin-, Apatit- und Skapolith-Katzenaugen sind legitime Steine, aber preislich eine andere Welt.

Aus der Laborpraxis: Die Chrysoberyll-Bestimmung stützt sich auf Refraktometer, Dichte und Spektroskop; bei Katzenaugen kommen Streifcharakter und Mikroskopie der Faserstruktur hinzu, bei Farbwechsel-Verdacht die Alexandrit-Prüfkette. Diese Untersuchungen führen wir im eigenen gemmologischen Labor durch, seit 2002 – auch als Bestimmungsservice für Erbstücke, in denen erstaunlich oft verkannter Chrysoberyll steckt.

Selbstprüfung: realistische Indizien

Das Gewichtsgefühl (deutlich schwerer als gleich großer Quarz oder Beryll), die kompromisslose Kratzfestigkeit, beim Katzenauge der schmale, scharfe Streif und der Milk-and-Honey-Test unter Punktlicht. Bei Glasfaser-Verdacht: Lupenblick auf die Waben. Verlässliche Bestimmung – gerade die lukrative Frage „Peridot oder Chrysoberyll?“ – bleibt Laborsache.

Häufige Fragen

Wie unterscheide ich Chrysoberyll von Peridot?
Im Labor eindeutig: Chrysoberyll hat RI 1,74–1,75, Dichte 3,7 und Härte 8,5; Peridot zeigt starke Kantenverdopplung, niedrigere Werte und nur Härte 6,5–7.
Woran erkenne ich ein Glasfaser-Katzenauge?
Am unnatürlich perfekten Streif in oft grellen Farben – und unter der Lupe an der wabenartigen Faserstruktur, die echtem Stein fehlt.
Darf ein Quarz-Katzenauge einfach „Katzenauge“ heißen?
Nein – der Name ohne Zusatz ist dem Chrysoberyll-Katzenauge vorbehalten; alle anderen müssen den Mineralnamen mitführen.
Warum landet Chrysoberyll oft verkannt in Erbschaften?
Weil gelbgrüne Steine pauschal als Peridot oder Citrin einsortiert werden – die Bestimmung deckt dann nicht selten den wertvolleren Chrysoberyll auf.

Fazit

Chrysoberyll erkennen heißt meist: ihn aufwerten – vom vermeintlichen Peridot zum Härte-Champion, vom „Katzenauge“ zum echten Cymophan. Kennwerte und Lupenblick entscheiden, das Labor besiegelt.