Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Alexandrit Lexikon

Alexandrit Herkunft – Ural, Sri Lanka, Hematita

Alexandrit

Die Landkarte des Alexandrits ist kurz – und jede Region darauf erzählt eine eigene Epoche: das Zarenreich, die Insel der Edelsteine, ein brasilianischer Jahrhundertfund und die ostafrikanische Gegenwart.

Ural – der Geburtsort (und sein Ende)

Alexandrit wurde in den 1830er-Jahren in den Smaragdminen an der Tokowaja nahe Jekaterinburg entdeckt – dort, wo chromhaltige Gesteine auf berylliumführende Pegmatite treffen, die geochemische Ausnahmesituation schlechthin. Ural-Alexandrite setzten den Maßstab: sattes Blaugrün nach kräftigem Rot. Die Lagerstätten gelten seit langem als im Wesentlichen erschöpft; historische Ural-Steine sind heute Sammlerlegenden mit entsprechenden Aufschlägen – und beliebtes Etikett für Ware, die nie den Ural gesehen hat.

Sri Lanka – der Kontinuitätslieferant

Die Edelsteinseifen Sri Lankas liefern seit über einem Jahrhundert Alexandrite – oft in größeren Kristallen als anderswo, tendenziell mit olivgrünem Tagesfarbton und bräunlicherem Rot. Als Direktimporteur mit langjährigen Partnern auf der Insel wissen wir: Auch dort ist feiner Farbwechsel die große Ausnahme im Fördergut – die Masse zeigt schwache Umschläge.

Brasilien – der Hematita-Moment

1987 wurde bei Hematita in Minas Gerais das bedeutendste Alexandrit-Vorkommen des 20. Jahrhunderts entdeckt: Steine, deren Farbwechsel und Sättigung an die Ural-Klassiker heranreichten oder sie übertrafen. Der Rausch war intensiv und kurz – die reiche Zone war binnen weniger Jahre weitgehend abgebaut. Hematita-Alexandrite gehören heute zur obersten Marktklasse.

Ostafrika, Indien, Madagaskar – die Gegenwart

Aktuelle Marktware stammt überwiegend aus Tansania (u. a. Lake Manyara und die Tunduru-Seifen), Indien (Andhra Pradesh) und Madagaskar, ergänzt um kleinere Mengen aus Sambia und Myanmar. Die Qualitäten streuen enorm – von grauem Material mit Andeutungswechsel bis zu einzelnen Spitzensteinen. Für Ostafrika gilt unsere übliche Sourcing-Praxis: Auswahl vor Ort, Prüfung im eigenen Labor.

Herkunft und Preis: Ural- und Hematita-Provenienzen tragen erhebliche Aufschläge – und genau deshalb kursieren sie inflationär auf Etiketten. Eine Herkunftsangabe ohne belastbaren gemmologischen Herkunftsbefund ist beim Alexandrit eine Behauptung, keine Eigenschaft. Im Zweifel zählt die Qualität des Steins, nicht die Geschichte dazu.

Häufige Fragen

Wo wurde Alexandrit entdeckt?
In den 1830er-Jahren in den Smaragdminen an der Tokowaja am Ural – dort trafen chromhaltige Gesteine auf berylliumführende Pegmatite.
Gibt es noch Ural-Alexandrite im Handel?
Die Lagerstätten gelten als im Wesentlichen erschöpft; echte Ural-Steine sind Sammlerraritäten. Die Herkunftsangabe wird weit häufiger behauptet als belegt.
Was macht Hematita-Alexandrit besonders?
Der brasilianische Fund von 1987 lieferte Steine auf und über Ural-Niveau – die reiche Zone war schnell abgebaut, das Material zählt zur obersten Marktklasse.
Woher stammt heutiger Alexandrit hauptsächlich?
Aus Sri Lanka, Tansania, Indien und Madagaskar – mit stark streuenden Qualitäten, in denen feiner Farbwechsel die Ausnahme bleibt.

Fazit

Ural als Legende, Hematita als Jahrhundertfund, Sri Lanka und Ostafrika als Gegenwart: Alexandrit-Herkunft ist wertprägend – und genau deshalb nur mit Befund etwas wert.