Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Alexandrit Lexikon

Alexandrit erkennen – Natur, Synthese oder Korund-Imitat?

Alexandrit

Kaum eine Bestimmungsfrage landet so oft auf dem Labortisch wie diese – und kaum eine endet so oft mit Ernüchterung: Der allergrößte Teil der als „Alexandrit“ kursierenden Steine ist farbwechselnder synthetischer Korund.

Verdächtiger Nummer eins: Synthese-Korund mit Farbwechsel

Seit über hundert Jahren wird Korund mit Vanadium-Dotierung industriell gezüchtet – millionenfach, spottbillig, mit auffälligem Farbwechsel von gräulich-blauviolett zu rötlich-purpur. Genau dieses Material steckt in unzähligen „Alexandrit“-Ringen des 20. Jahrhunderts, gern als Urlaubsandenken oder Erbstück („Omas Alexandrit“). Die Verräter: der violettstichige, nie richtig grüne Tagesfarbton, auffallend große und saubere Steine – und im Labor die Korund-Kennwerte (RI um 1,76–1,77, Dichte um 4,0) samt gebogener Wachstumsstreifen und der Vanadium-Linie im Spektroskop.

Verdächtiger Nummer zwei: echter, aber gezüchteter Alexandrit

Synthetischer Alexandrit (Czochralski-, Zonenschmelz- und Flux-Verfahren) ist chemisch und physikalisch identisch mit dem Naturstein – hier trennt nur die Mikroskopie: Flux-Schleier, Tiegelmetall-Plättchen oder gekrümmte Streifen der Schmelzzüchtung gegen die natürlichen Einschlussbilder (Mehrphasen-Einschlüsse, Mineralkristalle, charakteristische Zwillingslamellen). Für belastbare Aussagen gehören solche Steine ins Labor – Schnelltests genügen nicht.

Weitere Verwechsler

MaterialTypischer WechselAbgrenzung
Synthese-Korund (V)grauviolett → purpurrotKorund-Kennwerte, V-Linie, gebogene Streifen
Farbwechsel-Granatblaugrün/bronze → roteinfachbrechend, Granat-Kennwerte
Farbwechsel-Saphir (natürlich)blau → violettKorund-Werte, anderes Farbpaar
AndalusitFarbenspiel statt Wechselrichtungsabhängig (Pleochroismus), nicht lichtquellenabhängig
Farbwechsel-Glas/YAGvariabeleinfachbrechend, Blasen bzw. YAG-Kennwerte
Aus der Laborpraxis: Die Alexandrit-Prüfung läuft dreistufig – erstens Chrysoberyll bestätigen (RI 1,74–1,75, Dichte 3,68–3,78, Doppelbrechung), zweitens den Chrom-Charakter des Wechsels im Spektroskop sichern, drittens Natur gegen Synthese per Mikroskopie der Einschluss- und Wachstumsbilder entscheiden. Diese Prüfkette führen wir im eigenen gemmologischen Labor durch, seit 2002 – bei hochwertigen Einzelstücken ergänzt um externe Berichte auf Kundenwunsch.

Was Sie selbst prüfen können

Drei Vorfilter, die viele Fälle klären: Der Tagesfarbton – echtes Grün spricht für Alexandrit, Grauviolett für Korund-Imitat. Die Plausibilität – große, saubere, billige „Alexandrite“ existieren in der Natur nicht. Die Geschichte – Souvenir- und Erbstücke des 20. Jahrhunderts sind statistisch Synthese-Korund. Alles darüber hinaus, und jede Kaufentscheidung im vierstelligen Bereich: Laborbefund.

Häufige Fragen

Was ist der häufigste falsche Alexandrit?
Farbwechselnder synthetischer Korund mit Vanadium – millionenfach produziert, erkennbar am grauviolett-purpurnen Wechsel ohne echtes Grün und an den Korund-Kennwerten.
Ist Omas Alexandrit-Ring echt?
Statistisch selten: Souvenir- und Erbstücke des 20. Jahrhunderts enthalten überwiegend Synthese-Korund. Ein Laborbefund schafft in einem Termin Gewissheit.
Wie unterscheidet das Labor Natur- von Synthese-Alexandrit?
Über die Mikroskopie: Flux-Schleier, Tiegelmetall oder gekrümmte Schmelzstreifen verraten die Zucht; natürliche Einschlüsse und Zwillingslamellen den Naturstein – Chemie und Kennwerte sind identisch.
Reicht der Farbwechsel als Echtheitsbeweis?
Nein – der Alexandrit-Effekt existiert auch bei Granat, Saphir, Synthese-Korund und Glas. Erst Kennwerte, Spektrum und Einschlussbild zusammen beweisen Alexandrit.
Weiterlesen: Alexandrit kaufen  ·  Der Farbwechsel  ·  Sultanit

Fazit

Beim Alexandrit lautet die Grundannahme: Synthese oder Korund, bis das Labor Natur bestätigt. Wer diese Reihenfolge akzeptiert, kauft am Ende den seltensten Effekt der Edelsteinwelt – und nicht seine Kopie.