Kein Mineral demonstriert kristalline Ordnung so anschaulich: Pyrit wächst in Würfeln, Fünfeck-Dodekaedern und Oktaedern – als hätte die Natur ein Geometrielehrbuch illustriert.
Der Würfel – Pyrits Markenzeichen
Die berühmteste Form ist der Würfel mit spiegelnden Flächen und scharfen Kanten. Die spanische Fundstelle Navajún (La Rioja) liefert Würfel, die so vollkommen wirken, dass Betrachter sie oft für geschliffen halten – tatsächlich sind sie unbearbeitet aus dem Muttergestein gewachsen.
- Würfel (Hexaeder): ebene Flächen, oft mit feiner Streifung
- Pentagondodekaeder („Pyritoeder“): zwölf Fünfeckflächen – die charakteristische Pyrit-Form
- Oktaeder: acht Dreiecksflächen, seltener
- Pyritsonne („Dollar“): flache, strahlig gewachsene Scheiben aus Kohleflözen (Illinois, USA)
- Framboidal: mikroskopische Himbeer-Aggregate in Sedimenten
Die Streifung als Fingerabdruck
Viele Pyritwürfel tragen auf ihren Flächen eine feine Streifung (Striation), die von Fläche zu Fläche um 90° versetzt verläuft. Diese „Pyritstreifung“ ist ein sicheres Bestimmungsmerkmal – sie entsteht durch den Wechsel zwischen Würfel- und Pentagondodekaeder-Flächen und findet sich bei keiner Imitation.
Pyrit als Farbgeber und Einschluss
Als Einschluss macht Pyrit andere Steine erst interessant: die goldenen Sprenkel im Lapislazuli sind Pyrit – ein Echtheitsmerkmal des besten afghanischen Materials. Auch in Schiefer und Marmor bildet er dekorative Adern.
Pyrit gegen Markasit
Die kristalline Form trennt die Zwillinge: Pyrit ist kubisch (Würfel, Pentagondodekaeder), Markasit rhombisch und bildet tafelige oder kammartige („Hahnenkamm“) Aggregate. Da Markasit schneller zerfällt, ist die Formbestimmung auch eine Stabilitätsprognose: Pyrit erkennen.
Häufige Fragen
Fazit
Pyrit ist gelebte Kristallografie: Würfel, Pentagondodekaeder und Sonnen zeigen kubische Ordnung im Handformat. Die Form verrät zugleich, ob ein Stück stabil bleibt.
