Das Muster einer versteinterten Koralle ist kein Zufall – es ist die direkte Abbildung der biologischen Struktur des ursprünglichen Tieres. Wer die Korallentypen kennt, kann im Stein lesen wie in einem paläontologischen Buch.
Rugosa – die Horn- und Einzelkorallen
Rugosa sind ausgestorbene paläozoische Korallen (Ordovizium bis Perm, ca. 470–250 Mio. Jahre). Sie lebten als Einzeltiere (Solitärkorallen) oder in Kolonien und bauten ein kalkiges Skelett mit charakteristischen radiären Septen (Trennwänden) und einer Außenwand mit horizontalen Querböden (Dissepimenten). Im polierten Querschnitt sieht man das typische radiale Sternmuster der Septen – das bekannteste Bild, das versteinerte Korallen zeigen. Große Einzelkorallen der Rugosa können 10–20 cm Durchmesser erreichen.
Tabulata – Kettenkorallen und Wabenkorallen
Tabulata sind ebenfalls ausgestorbene paläozoische Korallen (Ordovizium bis Perm). Sie lebten ausschließlich kolonial und bauten röhrenförmige Skelette mit horizontalen Querböden (Tabulae). Typische Formen sind:
- Favosites (Wabenkoralle) – sechseckige Röhren dicht beieinander; im Querschnitt wie ein Bienenwaben-Muster
- Halysites (Kettenkoralle) – Röhren in Kettenanordnung; im Querschnitt charakteristische Kettenmuster
- Syringopora – parallele Röhren mit Querverbindungen; im Querschnitt runde Zellen mit Verbindungskanälen
Hexakorallen – die modernen Steinkorallen
Hexakorallen (Scleractinia) sind die modernen Steinkorallen, die seit dem Trias (ca. 240 Mio. Jahre) existieren und heute noch leben. Versteinerte Hexakorallen zeigen ebenfalls radiale Septenmuster, unterscheiden sich aber durch die Anordnung in Sechsergruppen von den Rugosa. Jüngere Hexakorallenfossilien aus dem Jura und der Kreide (200–65 Mio. Jahre) kommen häufig als Einzelkelche oder Kolonien vor.
Erkennungsmerkmale im Überblick
| Typ | Zeitraum | Erkennungsmerkmal im Schnitt |
|---|---|---|
| Rugosa (Einzelkoralle) | Ordovizium–Perm | Radiales Sternmuster, deutliche Septen |
| Favosites (Tabulata) | Ordovizium–Perm | Wabenstruktur, sechseckige Zellen |
| Halysites (Tabulata) | Ordovizium–Silur | Kettenmuster aus Röhren |
| Hexakorallen | Trias–heute | Radiale Septen in Sechsergruppen |
Fazit
Jede versteinerte Koralle erzählt ihre Art durch das Muster im Stein. Wer den Unterschied zwischen Rugosa und Favosites kennt, hält beim nächsten Stück nicht nur ein schönes Objekt in der Hand, sondern einen Zeitzeugen aus einem bestimmten Kapitel der Erdgeschichte.