Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Sodalith Lexikon

Sodalith Edelstein – tiefes Blau mit weißen Adern

Sodalith

Sodalith ist der große Verwechselte unter den blauen Steinen: dem Lapislazuli zum Verwechseln ähnlich, mineralogisch aber ein eigenständiges Kapitel – mit einer Eigenschaft, die kaum ein anderer Schmuckstein bietet: Unter UV-Licht beginnt er zu leuchten.

Was ist Sodalith?

Sodalith ist ein Natrium-Aluminium-Gerüstsilikat mit Chlor (Na₈Al₆Si₆O₂₄Cl₂) aus der Gruppe der Foide – Namensgeber der ganzen Sodalith-Gruppe, zu der auch Lazurit (der Hauptbestandteil des Lapislazuli) und Hauyn gehören. Sein Name verweist schlicht auf den Natriumgehalt („soda“). Typisch ist tiefes Blau, durchzogen von weißen Adern aus Calcit und anderen Begleitmineralen.

Eigenschaften auf einen Blick:
  • Mineral: Sodalith – Na₈Al₆Si₆O₂₄Cl₂, Gerüstsilikat (Foid), kubisch
  • Mohs-Härte: 5,5–6
  • Dichte: ca. 2,14–2,30 g/cm³ – auffallend leicht für sein sattes Blau
  • Brechungsindex: ca. 1,48
  • Farbe: Tiefblau bis Violettblau, weiß geadert; seltener grau, grünlich, rosa (Hackmanit)
  • Besonderheit: häufig kräftige orange UV-Fluoreszenz
  • Fundorte: Kanada, Brasilien, Namibia, Grönland, Bolivien

Das Besondere: Fluoreszenz – und eine berühmte Verwandte

Viele Sodalithe fluoreszieren unter langwelligem UV-Licht in kräftigem Orange – ein Effekt, der bei der Abgrenzung zu Imitaten hilft und Sammler seit jeher begeistert. Die spektakulärste Verwandte trägt einen eigenen Namen: Hackmanit, die schwefelhaltige Sodalith-Varietät, wechselt unter UV-Licht reversibel die Körperfarbe (Tenebreszenz) – ihr ist im Lexikon eine eigene Seite gewidmet.

Die ewige Verwechslung: Lapislazuli

Kein Thema begleitet den Sodalith so hartnäckig wie die Abgrenzung zum Lapislazuli. Die Kurzfassung: Lapis ist ein Gestein (Lazurit + Calcit + Pyrit), Sodalith ein einzelnes Mineral; Lapis zeigt goldene Pyritfunken, Sodalith praktisch nie; Sodalith ist violettstichiger, deutlich leichter – und deutlich günstiger, was ihn zum beliebten Lapis-Ersatz und gelegentlich zum unredlich deklarierten macht. Der komplette Vergleich: Sodalith vs. Lapislazuli.

Verwendung

Sodalith ist ein klassischer Cabochon-, Perlen- und Objektstein: Ketten, Anhänger, Trommelsteine, Kugeln und Schalen bis hin zu Fassadenplatten aus dem massigen „Blue Bahia“-ähnlichen Material. Facettierbare, transparente Kristalle existieren, sind aber Raritäten für Sammler.

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Häufige Fragen

Ist Sodalith dasselbe wie Lapislazuli?
Nein. Lapislazuli ist ein Gestein aus Lazurit, Calcit und Pyrit; Sodalith ist ein einzelnes Mineral – violettstichiger, leichter, ohne Pyritfunken und deutlich günstiger.
Leuchtet Sodalith unter UV-Licht?
Viele Sodalithe fluoreszieren unter langwelligem UV kräftig orange – ein hilfreiches Erkennungsmerkmal und die Vorstufe zur berühmten Tenebreszenz des Hackmanits.
Was ist Hackmanit?
Die schwefelhaltige Sodalith-Varietät, die unter UV-Licht reversibel ihre Körperfarbe wechselt (Tenebreszenz) – im Lexikon mit eigener Seite vertreten.
Wie hart ist Sodalith?
5,5 bis 6 auf der Mohs-Skala – ausreichend für Anhänger und Ketten, für exponierte Ringe nur bedingt geeignet.
Verwandte Edelsteine: Lapislazuli  ·  Hackmanit

Sodalith – Kennzahlen im Überblick

Steckbrief
  • Familie: Feldspathoid (Na₄Al₃Si₃O₁₂Cl)
  • Chemische Formel: Na₈Al₆Si₆O₂₄Cl₂
  • Kristallsystem: Kubisch
  • Mohs-Härte: 5,5–6
  • Dichte: 2,14–2,40 g/cm³
  • Brechungsindex: 1,483–1,487
  • Dispersion: Keine
  • Farben: Dunkelblau mit weißen Calcit-Adern — selten grau, grün, gelb
  • Herkunft: Kanada (Ontario), Brasilien, Namibia, Grönland, Russland
  • Behandlung: Keine
  • Seltenheit: mittel

Fundgebiete weltweit

FundgebietBesonderheit
KanadaPrincess Blue Mine, Ontario: weltbeste Qualität, intensivstes Blau
BrasilienMinas Gerais und Bahia: große Mengen, mittlere Qualität
NamibiaOkorusu: gute blaue Qualitäten, wachsende Bedeutung
RusslandUral und Kola-Halbinsel: Hackmanit und blaue Varietäten
GrönlandIlímaussaq: Erstfundort 1811, wissenschaftlich bedeutsam

Qualität und Wert

MerkmalWorauf es ankommt
FarbeIntensives, gleichmäßiges Dunkelblau ohne Grau ist am wertvollsten. Weiße Calcit-Adern sind charakteristisch — wenig Weiß ist wertvoller.
HackmanitSeltene Varietät: tenebreszent (ändert Farbe unter UV-Licht). Rosa im Dunkeln, grau im Tageslicht. Sehr begehrt von Sammlern.
VerwechslungSodalith wird häufig mit Lapislazuli verwechselt. Unterschied: kein Pyrit, gleichmäßigerer Blauton, geringere Dichte (2,14–2,40 vs. 2,38–2,90).
BehandlungMeist unbehandelt. Manchmal gewachst für bessere Politur .

Fazit

Sodalith verdient mehr als die Rolle des Lapis-Ersatzes: eigenständiges Mineral, ehrliches Blau, leuchtende Fluoreszenz – und mit dem Hackmanit die vielleicht spektakulärste Varietät der blauen Steinwelt.