Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Larimar Lexikon

Larimar erkennen – Original oder Imitat?

Larimar

Mit dem Erfolg des Karibiksteins wuchs sein Schatten: gefärbter Howlith, blaues Glas und Kunstharz-Kompositen fluten Souvenir- und Onlinemärkte als „Larimar“. Die gute Nachricht: Die echte Pektolith-Struktur ist gut erkennbar – wenn man weiß, worauf man schaut.

Merkmal Nummer eins: die Struktur

Echter Larimar zeigt die faserig-radialstrahlige Textur des Pektoliths: Die weißen Partien sind keine beliebigen Flecken, sondern folgen büschelig-strahligen Mustern, oft wie feine Sonnen oder Wasserlinien. Unter der Lupe erkennt man die seidige Faserung. Gefärbtes Material und Glas haben diese gewachsene Struktur nicht – ihre Muster wirken fleckig, wolkig-diffus oder schlicht aufgemalt.

Die Imitate im Steckbrief

ImitatTypisches BildEntlarvung
Gefärbter Howlith/Magnesitgraue Spinnennetz-Adern statt strahliger StrukturFarbstoff in Rissen (Lupe), Abfärben beim Acetontest, geringere Dichte
Blau gefärbter Jaspis/Quarzgleichmäßig durchgefärbt, „tot“ wirkendHärte um 7 (Larimar 4,5–5), Quarz-Kennwerte
Blaues Glashomogen, oft zu transparentrunde Gasblasen, muscheliger Glanzbruch, Wärmeleitgefühl
Kunstharz-/Komposit-„Larimar“perfekte Muster, auffallend leicht, warm anfühlendsehr geringe Dichte, Heißnadelgeruch, unter UV oft auffällige Fluoreszenz
Blauer Chalcedon / Achatehrlicher Stein, falscher Namebänderig statt strahlig, Härte um 7

Die Kennwerte des Originals

Im Labor ist Larimar eindeutig: Dichte um 2,7–2,9, Brechungsindex um 1,59–1,63 (Spotmessung), Härte 4,5–5, faserige Struktur unter dem Mikroskop. Damit fällt gefärbter Howlith (leichter, andere Struktur) ebenso durch wie Quarz-Imitate (härter, andere Kennwerte) und Kunstharz (drastisch leichter).

Aus der Laborpraxis: Die Larimar-Prüfung kombiniert Strukturbefund (radialstrahlige Pektolith-Faserung), Dichte, Refraktometer-Spotwert und bei Färbungsverdacht den Farbmittelbefund unter dem Mikroskop. Diese Prüfkette führen wir im eigenen gemmologischen Labor durch – seit 2002; sie trennt echten Larimar in wenigen Schritten von jedem der kursierenden Imitate.

Und behandelter Larimar?

Anders als bei vielen Steinen ist echter Larimar in aller Regel unbehandelt – allenfalls gewachst zur Politurauffrischung. Vereinzelt tauchen kunstharzstabilisierte Stücke aus rissigem Material auf; sie sind nach § 5 UWG offenzulegen und erkennbar an Harzglanz in Rissen und dem Verhalten unter UV. Blau nachgefärbter echter Larimar ist die Ausnahme – die Fälscher greifen lieber gleich zum billigen Howlith.

Selbstprüfung: die Kurzformel

Strahlige Struktur statt Spinnennetz-Adern, kühles Steingefühl statt Plastikwärme, gesundes Gewicht statt Federleichtigkeit, gedecktes Naturblau statt Neonton – und ein Preis, der zur Farbstufe passt. Bei allem darüber hinaus, besonders bei hochpreisigen Stücken: gemmologische Prüfung.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich echten Larimar am schnellsten?
An der faserig-radialstrahligen Pektolith-Struktur – strahlige, wasserlinienartige weiße Muster statt grauer Spinnennetz-Adern oder diffuser Farbwolken.
Was ist das häufigste Larimar-Imitat?
Blau gefärbter Howlith oder Magnesit – erkennbar an Spinnennetz-Adern, Farbstoff in Rissen und geringerer Dichte.
Wird echter Larimar behandelt?
In aller Regel nicht – allenfalls gewachst. Vereinzelte harzstabilisierte Stücke sind offenzulegen und an Harzglanz in Rissen sowie am UV-Verhalten erkennbar.
Wie fühlt sich Kunstharz-„Larimar“ an?
Auffallend leicht und warm statt steinkühl – zusammen mit perfekten Mustern und Souvenirpreisen das typische Komposit-Signal.
Weiterlesen: Larimar kaufen  ·  Farbe & Qualität

Fazit

Larimar trägt seinen Echtheitsbeweis im Muster: Die strahlige Pektolith-Struktur kopiert kein Howlith und kein Harz. Wer sie einmal gesehen hat, sortiert die Imitate auf den ersten Lupenblick aus.