Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Kyanit Lexikon

Kyanit – der Edelstein mit zwei Härtegraden

Kyanit

Kyanit ist das einzige Mineral der Welt, das in zwei verschiedene Richtungen eine unterschiedliche Härte zeigt. Diese Eigenschaft – Anisotropie der Härte – macht ihn zu einem der gemmologisch faszinierendsten Steine überhaupt. Und sein Saphirblau steht dem echten Saphir in nichts nach.

Was ist Kyanit – und warum zwei Härtewerte?

Kyanit (auch Disthen) ist ein Aluminium-Silikat-Mineral (Al₂SiO₅) mit einer einzigartigen physikalischen Eigenschaft: Seine Mohshärte beträgt 4,5–5 quer zur Längsachse der Kristalle, aber 6,5–7 längs der Achse. Diese Richtungsabhängigkeit der Härte – Anisotropie – ist unter Mineralien außergewöhnlich und gibt dem Mineral seinen griechischen Namen (kyanos = blau, aber auch Anspielung auf die griechischen Begriffe für die zwei Härtewerte). Für Schleifer bedeutet das: Die Orientierung des Steins ist entscheidend. Ein falsch orientierter Kyanit im Ring kann an der weichen Seite verkratzen, während die harte Seite unbeschädigt bleibt.

Die Farben im Sortiment

Saphirblau / Königsblau (facettiert & Kristall)
Grün (facettiert)
Blau (Kristall)

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Kurzprofil Kyanit

EigenschaftKyanit (Disthen)
MineralAluminiumsilikat (Al₂SiO₅) – triklines Kristallsystem
BesonderheitVariable Härte – einzigartig unter Mineralien
Mohshärte längs6,5–7 (hart – längs der Kristallachse)
Mohshärte quer4,5–5 (weich – quer zur Kristallachse)
Farben im SortimentSaphirblau / Königsblau (facettiert + Kristall) · Grün (facettiert)
BehandlungUnbehandelt – natürliche Farbe
Wichtigste HerkunftNepal, Brasilien, Indien, Myanmar
PleochroismusStark – zeigt verschiedene Blautöne je nach Betrachtungswinkel

Kyanit vs. Saphir – das häufigste Missverständnis

Guter blauer Kyanit kann einem blauen Saphir zum Verwechseln ähnlich sehen – und das zu einem Bruchteil des Preises. Das ist kein Versuch, Saphir zu imitieren, sondern eine natürliche Gegebenheit: Kyanit erreicht in besten Qualitäten ein Blau, das dem Saphir in Intensität und Tiefe ebenbürtig ist. Der entscheidende Unterschied liegt in der Härte (Saphir Mohs 9 vs. Kyanit 4,5–7), was Saphir für tägliche Ringe geeigneter macht. Für Anhänger, Ohrringe und Sammler ist Kyanit jedoch ein außergewöhnlicher Edelstein, der zu einem fairen Preis erhältlich ist. Alle Kyanite bei Edelsteine-24 sind unbehandelt und kommen mit Echtheitszertifikat.

Häufige Fragen

Was ist Kyanit?
Kyanit ist ein Aluminiumsilikat mit variabler Härte im selben Kristall: längs ca. 4–4,5, quer ca. 6–7. Diese Eigenschaft macht ihn gemmologisch einzigartig.
Warum ist die variable Härte von Kyanit einzigartig?
Kein anderer Schmuckstein zeigt so ausgeprägte Härteunterschiede je nach Richtung.
Welche Farben hat Kyanit?
Häufigste Schmuckfarbe ist Saphirblau. Daneben grüner Kyanit (Tansania), orangefarbener (Kenia) und farbloser.
Woher kommt Kyanit?
Nepal und Tibet (Saphirblau), Brasilien, Kenia (grün/orange) und Indien.
Verwandte Edelsteine: Saphir  ·  Aquamarin

Kyanit – Kennzahlen im Überblick

Steckbrief
  • Familie: Silikat (Al₂SiO₅)
  • Chemische Formel: Al₂SiO₅
  • Kristallsystem: Triklin
  • Mohs-Härte: 4–7,5 (je nach Richtung)
  • Dichte: 3,53–3,67 g/cm³
  • Brechungsindex: 1,710–1,734
  • Dispersion: 0,020
  • Farben: Blau, grünblau, grün, grau, farblos, schwarz — oft zoniert
  • Herkunft: Brasilien (Minas Gerais), Nepal, Myanmar, Tansania, Österreich
  • Behandlung: Keine üblichen Behandlungen
  • Seltenheit: selten

Fundgebiete weltweit

FundgebietBesonderheit
BrasilienMinas Gerais: größter Produzent, gleichmäßiges Blau, gute Qualität
NepalHimalaya: blau-grün zoniert, charakteristisch, wachsende Bedeutung
MyanmarMogok: seltenere Funde, gute blaue Qualität
TansaniaLoliondo: grüner und oranger Kyanit, sehr selten
ÖsterreichTirol und Steiermark: historische Fundorte, kleine Stücke

Fazit

Kyanit ist das Mineral der Superlative: der einzige Stein mit zwei Härtewerten, ein Saphirblau ohne Saphirpreis und einer der stärksten Pleochroisten unter den Edelsteinen. Für Kenner ist er eine der aufregendsten Entdeckungen der Edelsteinwelt.